• 28.02.2012, 10:34:55
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Greenpeace-Studie zu Fukushima: Millionen Menschen leben in Gefahr

Wissenschaftlicher Bericht zeigt Versagen der japanischen Institutionen auf

Tokio/Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace
veröffentlichte heute in Tokio den wissenschaftlichen Bericht "Lehren
aus Fukushima" (engl.: "Lessons Learned"), der die Geschehnisse nach
der Reaktorkatastrophe am 11. März 2011nachvollzieht und aufzeigt,
dass nicht die Naturkatastrophe für das Ausmaß des Unglücks
verantwortlich war, sondern das institutionelle Versagen der
japanischen Regierung, der Aufsichtsbehörden und der Atomindustrie.
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Bericht: Diese von Menschen und
Institutionen verursachte Katastrophe könnte sich in dieser oder
ähnlicher Form an jedem AKW-Standort der Welt wiederholen. Damit
leben hunderte Millionen Menschen in permanenter Gefahr.

"Das tragische Erdbeben und der Tsunami am 11. März haben zwar den
Reaktorunfall ausgelöst, aber erst indem die japanischen Behörden das
Risiko heruntergespielt haben und zu wenig auf den Schutz der
Bevölkerung geachtet haben, kam es zu einer Katastrophe dieses
Ausmaßes", erklärt Jan Van de Putte, Atomexperte von Greenpeace
International. "Dieser Bericht zeigt, wie unsicher die Kernenergie an
sich ist. Die Regierungen sind schnell darin, Reaktoren zu
genehmigen. Treten jedoch Probleme im Atomkraftwerk auf, sind sie
ganz schlecht vorbereitet. Das hat sich seit der Fukushima
Katastrophe nicht verändert. Aus diesem Grund werden de facto
Millionen von Menschen dem Risiko eines Atomunfalls ausgesetzt."

Greenpeace hat für die wissenschaftliche Studie "Lehren aus
Fukushima" Dr. David Boilley, einen Kernphysiker des unabhängigen
französischen Radiation Laboratory ACRO, Dr. David McNeill, Japans
Korrespondent für The Chronicle of Higher Education und andere
Publikationen, und Arnie Gundersen, einen Nukleartechniker der
Fairewinds Associates, gewinnen können. Der Bericht, dessen Peer
Review von Dr. Helmut Hirsch, dem europäischen Experten für nukleare
Sicherheit, geleitet wurde, zeigt drei zentrale Erkenntnisse:

1) Die japanischen Behörden und TEPCO, der Betreiber der Anlage
Fukushima, lagen in ihren Einschätzungen und Prognosen über die
Risiken eines ernsthaften Unfalls deutlich falsch. Die zentralen
Gefahren waren ihnen vor dem Unfall bereits bekannt, wurden aber
heruntergespielt und ignoriert.

2) Selbst Japan, das als eines der am besten vorbereiteten Länder
der Welt im Umgang mit großen Katastrophen gilt, konnte nicht
ausreichend mit der Reaktorkatastrophe und ihren Folgen umgehen. Die
Notfall- und Evakuierungspläne sind völlig daran gescheitert, die
Bevölkerung adäquat zu schützen.

3) Hunderttausende Menschen wurden durch die notwendigen
Evakuierungen, um einer radioaktiven Verstrahlung zu entkommen, aus
ihrem Leben gerissen. Sie haben aufgrund mangelnder Unterstützung und
finanzieller Entschädigung keine Möglichkeit, ihr Leben wieder neu
aufzubauen. Das Haftungsrecht und die Entschädigungs-regelungen sind
selbst in Japan, aber auch in nahezu allen Staaten der Welt,
unzureichend. Auch ein Jahr nach der Katastrophe sind die betroffenen
Menschen weitestgehend sich selbst überlassen. Und am Ende wird der
japanische Steuerzahler für einen Großteil der Kosten aufkommen
müssen.

"Diese Katastrophe war vorhersehbar und wurde auch vorhergesagt.
Sie konnte aufgrund der ewig gleichen Geschichte passieren: die
Minimierung des Risikos war einfach weniger wert als die Geschäfte
der Atomindustrie", so Kazue Suzuki, Atomsprecher von Greenpeace
Japan. "Die Behörden haben jedoch nichts daraus gelernt und drängen
bereits darauf, die Reaktoren wieder zu starten."

Derzeit laufen nur noch drei der ursprünglich 54 Reaktoren in
Japan. Trotz dieser Einschränkung der Leistung und trotz des starken
Winters ist es bisher zu keinen Stromausfällen oder
Versorgungsengpässen gekommen. Greenpeace fordert die japanische
Regierung auf, die Reaktoren nicht neu zu starten, sondern in die
Steigerung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien zu
investieren. Greenpeace fordert einen globalen Ausstieg aus der
Atomenergie bis zum Jahr 2035.

Report unter:
www.greenpeace.at/fukushima

Rückfragehinweis:

Greenpeace CEE
   Niklas Schinerl, Atomsprecher Greenpeace, Tel: +43 664 61 26 704
   Melanie Beran, Pressesprecherin Greenpeace
   Tel.: +43 664 61 26 718
   mailto:[email protected]
   www.greenpeace.at

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