Stichworte: Arbeiterkammer, Atomenergie, Energie Channel: Wirtschaft
OTS0058   21. Feb. 2012, 10:03

AK: Für KonsumentInnen würde Importverbot von Atomstrom faktisch keine Mehrbelastung bedeuten

Laut AK Berechnungen würde Haushalt im Schnitt 1,50 Euro mehr im Jahr zahlen


Strom wird für KonsumentInnen faktisch nicht teurer,
wenn es ein Importverbot von Atomstrom gäbe, sagt die AK. In den
österreichischen Strommengen ist auch ein Anteil dessen Herkunft
derzeit nicht belegt wird. Darin enthalten ist auch Atomstrom. "Strom
unbekannter Herkunft soll identifiziert werden", verlangt AK
Vizepräsident Norbert Bacher-Lagler bei der AK Veranstaltung
"Ausstieg aus der Atomenergie" heute, Dienstag. "Damit würde es mehr
Klarheit am Energiemarkt und damit auch für die Konsumentinnen und
Konsumenten geben", betont Bacher-Lagler. "Dieses klare Signal gegen
Atomenergie wirkt auch als negativer Investitionsanreiz für den Bau
neuer Atomkraftwerke in Europa."

Im heimischen Strommix ist auch Atomstrom - rechnerisch rund fünf
Prozent. "Wir sind Teil des europäischen Energiebinnenmarktes und
bekennen uns dazu", so Bacher-Lagler. "So lange es Atomkraftwerke in
Europa gibt, so lange wird Atomstrom in den österreichischen Netzen
fließen, das ist ein physikalisches Gesetz. Aber: Es gibt gute
Argumente, die für eine europarechtliche Rechtfertigung eines
Importverbots von Atomstrom sprechen."

"In Österreich müssen alle Stromlieferanten nachweisen, wann, wo
und mit welchen Primärenergieträgern ihre Strommengen erzeugt
wurden", sagt AK Energie-Expertin Dorothea Herzele bei der AK
Veranstaltung. Seinen Strommix hat der Versorger auf Rechnungen und
Werbematerial bekanntzugeben. Mit der seit Jänner geltenden neuen
Stromkennzeichnungs-Verordnung gibt es weitere strengere
Berichtspflichten für die Stromlieferanten, etwa genaue Darstellung
ihres gesamten Versorgermixes. "Es gibt aber immer noch Strommengen
für die der Nachweis nicht erbracht wird, weil er etwa an der
Strombörse eingekauft wird. Die Zusammensetzung wird rechnerisch nach
dem europäischen Erzeugermix ermittelt" erklärt Herzele. In
Österreich beträgt der Anteil Strom unbekannter Herkunft gemessen an
der Strom-Gesamtabgabemenge 14,7 Prozent (2010). Ein Drittel davon
ist rechnerisch Atomstrom.

Strom unbekannter Herkunft sollte ebenfalls mit
Herkunftszertifikaten hinterlegt werden, wobei Kernenergie als
Herkunftsquelle nicht anerkannt werden sollte. Defacto hätte das die
Wirkung eines Importverbotes für Atomstrom. "Mögliche Kosten für
Zertifikate müssen fair zwischen Haushalten und Industrie aufgeteilt
werden", verlangt Herzele. Mit Strom unbekannter Herkunft wird
großteils die Industrie beliefert. Wird die Gesamtmenge an Strom
unbekannter Herkunft mit Herkunftszertifikaten hinterlegt, würden
sich die Kosten derzeit auf maximal 24 Millionen Euro im Jahr
belaufen. Das würde nach AK Berechnungen einen Haushalt mit
durchschnittlich 1,50 Euro im Jahr belasten. Aber mit vermehrter
Nachfrage steigen auch die Preise für die Herkunftszertifikate. "Eine
Regelung braucht jedenfalls ausreichende Übergansfristen", so
Herzele. Überdies sind parallel zur österreichischen Initiative,
Lösungen auf EU-Ebene zu fordern - insbesondere eine lückenlose,
transparente und nachvollziehbare Kennzeichnung der Herkunft von
Strom, aber auch das Recht der Mitgliedsstaaten unter genau
definierten Bedingungen bestimmte Energiequellen wie Atomstrom
auszuschließen.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0058 2012-02-21 10:03 211003 Feb 12 AKW0001 0450



Arbeiterkammer Wien Zur Pressemappe

Rückfragehinweis: AK Wien Kommunikation
Doris Strecker
Tel.: (+43-1) 501 65-2677,
mobil: (+43) 664 845 41 52
doris.strecker@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

Aussendungen von Arbeiterkammer Wien abonnieren: als RSS-Feed per Mail

Geokoordinaten: