- 20.02.2012, 14:55:18
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Bildungsreferent LHStv. Scheuch: Modernes Bildungssystem statt Strafandrohungen
Positive Anreize haben größere Nachhaltigkeit
Klagenfurt (OTS/LPD) - Kritisch sieht der Kärntner
Bildungsreferent LHStv. Uwe Scheuch die Forderung von
Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz nach härteren Strafen für
Bildungsentzug. "Statt Strafen anzudrohen, sollte man das
Bildungssystem modernisieren und die Anreize für eine fundierte
Ausbildung verstärken. Dazu wäre es wichtig, neue Berufsbilder zu
schaffen und den jungen Menschen auch die nötige Unterstützung zu
geben, um einerseits die richtige Berufswahl zu treffen, und
andererseits diese Ausbildung dann auch erfolgreich zu absolvieren."
Das gelte quer durch alle möglichen Berufsfelder und
Ausbildungsschienen, erklärt Scheuch weiter.
In der Gruppe der 16- bis 25-Jährigen zum Beispiel seien in
Kärnten derzeit 3.736 Personen arbeitslos. 1.410 Personen
beziehungsweise 38 Prozent hätten maximal einen
Pflichtschulabschluss. Für diese Personengruppe gebe es im Rahmen des
Territorialen Beschäftigungspaktes gemeinsam mit dem AMS spezielle
Ausbildungsangebote, wodurch diese Personengruppe einen Lehrabschluss
nachholen könne. Die von Kurz angeführten Maßnahmen seien jedoch
insofern falsch, weil es zwei völlig unterschiedliche Problemgruppen
gebe, führt der Kärntner Bildungsreferent aus:
Erstens Jugendliche, die nach der Pflichtschule eine Lehre oder
eine weiterbildende (mittlere bzw. höhere) Schule abbrechen.
"Zehn Prozent aller Jugendlichen in der AHS/BHS Oberstufe brechen
die Schule ab. Um speziell diesen Jugendlichen einen Einstieg in eine
Lehrausbildung zu ermöglichen, gibt es das Kärntner Vorzeigemodell
'Lehre mit Matura'. Über 75 Prozent aller Teilnehmer in diesem
Vorzeigeausbildungsmodell sind ehemalige Schulabbrecher. Bei der
Lehre sind es in Kärnten ca. drei Prozent, die die Lehrausbildung
abbrechen, keinen neuen Lehrplatz finden und somit die Lehrausbildung
erfolglos beenden. Die von Kurz geforderte Erhöhung der
Verwaltungsstrafen ist aber in diesem Bereich rechtlich gar nicht
möglich, da diese Jugendlichen keine Pflichtschüler mehr sind", klärt
Scheuch auf.
Zweitens gebe es Jugendliche, die bereits in die
Pflichtschulausbildung nicht integriert werden könnten oder wollten.
"Es ist völlig realitätsfremd, zu glauben, dass eine seit
Jahrzehnten grundlegend falsche Integrationspolitik mit kurzfristigen
Strafsanktionen im Bildungsbereich beseitigt werden kann. Integration
bedeutet viel mehr als Strafsanktionen im Bereich Bildung und
Arbeitsmarkt. Es wird von der Bundespolitik völlig verkannt, dass die
zweite Migrantengeneration extrem schlecht in das Bildungssystem
integriert ist. Dadurch haben sie oft schlechtere Bildungsabschlüsse
als ihre Eltern. Genau bei dieser Integration in das Bildungssystem
muss angesetzt werden. Aber mit Anreizen, nicht mit Strafen", fordert
Scheuch.
Wer aber mit Sanktionen arbeite, habe das Vertrauen in die
eigenen Argumente verloren, stellt Scheuch in Richtung Kurz fest.
Genau diese Überzeugungskraft müsse man stärken, indem man auf
veränderte berufliche Anforderungen mit adaptierten
Ausbildungsmöglichkeiten und einem flexibleren Bildungssystem
reagiere. "Klarerweise muss man Eltern dazu anhalten, dass sie sich
um die Schul- und Ausbildung ihrer Kinder kümmern. Genauso gilt es
aber, für passende und moderne Rahmenbedingungen zu sorgen. Denn wenn
die passen, wird auch der Bildungsanreiz für die Jugendlichen wieder
größer werden. Darum sollte sich die Bundesregierung endlich kümmern,
statt einem Jung-Staatssekretär eine Marketingbühne nach der anderen
zu liefern", so Scheuch.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Kärntner Landesregierung, Landespressedienst
Tel.: 05- 0536-10201
http://www.ktn.gv.at
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