- 20.02.2012, 13:35:50
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Armutskonferenz stellt Studie "Junge Menschen ohne (Berufs-)Ausbildung" von Prof. Bacher online
In der Studie geht es nicht um Sebastian Kurz' Vorschlag sondern um Schulreform, gemeinsame Schule, Arbeitsmarktpolitik, Hauptschulabschluss, offene Jugendarbeit.
Wien (OTS) - Die Armutskonferenz stellt Studie "Junge Menschen
ohne (Berufs-)Ausbildung" von Prof. Bacher online. In den
Schlussfolgerungen der Studie geht es nicht um Sebastian Kurz`
Vorschlag, sondern vielmehr um Schulreform, gemeinsame Schule,
Arbeitsmarktpolitik, Hauptschulabschluss, offene Jugendarbeit. Die
Armutskonferenz empfiehlt einen sachlichen Zugang mit Beachtung der
vielen Dimensionen des Problems, keine kalkulierten populistischen
Vereinfachungen.
Die Schlussfolgerungen der Studie im Original:
An erster Stelle gilt es, präventiv die Bildungsbarrieren im
Schulsystem selbst abzubauen. Für Chancengleichheit muss es gelingen,
die notwendige Gleichheit zwischen den sozialen Gruppen herzustellen.
Ganztagsschulen können hierfür einen wesentlichen Beitrag leisten,
sofern die dadurch gewonnenen zeitlichen Ressourcen für eine
individuelle Förderung genutzt werden. Dazu kann auch mehr schulische
Autonomie beitragen, vorausgesetzt, dass Schulen mit schwierigeren
Ausgangsbedingungen auch mehr Geld erhalten (vgl.
Bacher/Altrichter/Nagy 2010). Schulische Atuonomie ermöglicht eine
Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten und erhöht das
Leistungsniveau (vgl. Bacher/Leitgöb 2009), von dem auch
leistungsschwächere SchülerInnen profi tieren. Curricular empfiehlt
sich, mehr Gewicht auf die Basiskompetenzen in Mathematik und
Sprachen zu legen, um den auch aus PISA bekannten Anteil an
RisikoschülerInnen zu senken. Durch die hier nur skizzenhaft
angeführten Maßnahmen werden die sogenannten primären Ungleichheiten
abgebaut, die dadurch entstehen, dass die Schulleistungen von der
sozialen Herkunft und nicht den Fähigkeiten und Begabungen.
Zum Abbau des darüber hinaus bestehenden sekundären
Ungleichheitseffekts wäre die Einführung einer Gesamtschule
zielführend (vgl. Bacher 2007). Neben diesen allgemeinen präventiven
Maßnahmen, die sich auf alle Schüler/Innen beziehen, sind spezielle
individuelle Fördermaßnahmen zur Verbesserung der sprachlichen
Kompetenzen und der Schulleistungen für MigrantInnen und dabei
insbesondere für jene der 1. Generation dringend geboten. Ohne mehr
finanzielle Mittel wird dies nicht gehen und schulische Angebote
reichen hierfür vermutlich nicht aus.
Aktive Arbeitsmarktpolitik kann die Arbeitsmarktsituation von
benachteiligten Gruppen verbessern. Wie in dem vorliegenden Beitrag
gezeigt wurde, wird allerdings ein erheblicher Teil der Jugendlichen
mit den bestehenden Instrumentarien der aktiven Arbeitsmarktpolitik
nicht erreicht. Notwendig sind daher spezielle Interventionen, die
besser auf die Bedürfnisse und Kompetenzen der benachteiligten
Jugendlichen abgestimmt sind. Als zielführend haben sich für diesen
Zweck Case-Management-Systeme herausgestellt.8 Hier sollte auch
verstärkt auf die besondere Situation von MigrantInnen, insbesondere
auf jene der 1. Generation und auf jene von jungen migrantischen
Frauen, eingegangen werden. Als Maßnahmenlücke stellte sich in
Oberösterreich das fehlende Angebot von speziell auf
Jugendliche ausgerichteten Kursen zum Nachholen des
Hauptschulabschlusses heraus (vgl. Gottwald /Lassnigg /Vogtenhuber,
2010, S. 30). Die Evaluierung der Jugendbeschäftigungsmaßnahmen in
Oberösterreich zeigte weiters, dass die aktive Arbeitsmarktpolitik
frühzeitiger beginnen und das gesamte Umfeld von Jugendlichen
(Schule, Familie, soziale Beziehungen, Freizeit, Arbeitsmarkt usw.)
miteinbeziehen muss (vgl. ebenda, S. 86). Gleichzeitig ist es aber
auch wichtig, mit diesen Maßnahmen die über 20-Jährigen zu erreichen,
da die 20- bis 24-Jährigen ein höheres Desintegrationsrisiko haben.
Fördermaßnahmen und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen dürfen nicht mit
der Volljährigkeit aufhören. Um Unterstützungsangebote adäquat zu
gestalten, braucht es eine verstärkte Koordinierung und Vernetzung
aller beteiligen AkteurInnen. Institutionsübergreifende
Interventionen und Lösungen am Arbeitsmarkt können insbesondere durch
regionale (Jugend-) Netzwerke, die die Jugendlichen als
"PartnerInnen" miteinbeziehen, 110 WISO 34. Jg. (2011), Nr. 4
entstehen (vgl. Klingelmair /Bödenhofer 2009, S. 155f.).9 "Anstelle
eines Denkens in Zuständigkeiten soll ein Denken und Handeln in
Verantwortlichkeiten treten" (Heinrich-Böll-Stiftung 2008, S. 11).
Die Studie wurde publiziert:
Bacher, Johann/Tamesberger, Dennis, 2011: Junge Menschen ohne
(Berufs-)Ausbildung. Ausmaß und Problemskizze anhand
unterschiedlicher Sozialindikatoren. WISO, 2011 (4), 95-112
Download:
http://www.ots.at/redirect/studie1
Rückfragehinweis:
Die Armutskonferenz. 01 7 402 69 44 oder
Martin Schenk 0664/ 544 55 54
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