• 20.02.2012, 09:30:29
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"Spiegeltherapie" verringert chronische Phantomschmerzen

Wien (OTS) - Ein ForscherInnenteam unter der Leitung von Stefan
Seidel von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien hat
nachgewiesen, dass - und auf welche Art - die so genannte
Spiegeltherapie PatientInnen nach Gliedmaßenamputationen dabei hilft,
Phantomschmerzen zu verringern. Das gelingt durch das Stimulieren
eines "Motor-Netzwerks" im Gehirn, welches das ursprüngliche Zentrum
für Motorik "ersetzt".

In der jetzt im Fachmagazin "Fortschritt Röntgenstrahlen"
publizierten Studie absolvierten acht Beinamputierte insgesamt zwölf
Spiegeltherapiesitzungen, bei denen Funktionsbewegungen des gesunden
Beins durchgeführt wurden. Bei der Spiegeltherapie positionieren die
PatientInnen den Körper so vor einen Spiegel, dass sie nur noch das
vorhandene Bein sehen, nicht aber den Stumpf. Sobald das gesunde Bein
bewegt wird, wird dem Gehirn "vorgegaukelt", das fehlende Körperteil
sei jenes im Spiegel und plötzlich wieder vorhanden.

Vor der ersten und nach der letzten Sitzung im Rahmen der
MedUni-Studie wurden fMRT-Messungen (funktionelle
Magnetresonanztomographie) durchgeführt: Die mittlere Intensität des
Phantomschmerzes verringerte sich deutlich, weiters zeigten die
PatientInnen nach der Spiegeltherapie eine deutlich erhöhte Aktivität
im Stirn- und Schläfenlappen. Seidel: "Diese Zentren sind eigentlich
nicht primär für die Motorik zuständig." Es konnte gezeigt werden,
dass das Gehirn nach der Amputation ein "Motor-Netzwerk" aktiviert,
welches das ursprünglich in der Mitte des Gehirns befindliche Zentrum
für die Motorik der verlorenen Extremität "ersetzt". Seidel: "Das
Gehirn hat nach einiger Zeit umgelernt."

Außerdem stellte das ForscherInnen-Team fest, dass die veränderte
Gehirnaktivität nicht bei allen PatientInnen gleich verlief, und
nicht an denselben Stellen im Schläfen- und Stirnlappen. Seidel:
"Wenn man dieses Motor-Netzwerk durch Spiegeltherapie oder andere
sogenannte "Mind-Body"-Interventionen ganz individuell aktiviert und
trainiert, treten deutlich weniger Phantomschmerzen auf."

Service: Fortschritt Röntgenstrahlen
Mirror Therapy in Lower Limb Amputees - A Look Beyond Primary
Motor Cortex Reorganization (Spiegeltherapie bei Beinamputierten -
mehr als Reorganisation des primär-motorischen Kortex). S. Seidel, G.
Kasprian, J. Furtner, V. Schöpf, M. Essmeister, T. Sycha, E. Auff, D.
Prayer. RoFo, 2011, Nov; 183(11):1051-7. DOI: 10.1055/s-0031-1281768.

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