- 17.02.2012, 10:12:59
- /
- OTS0064 OTW0064
"Integration im Klassenzimmer": Zwischen Herausforderung und Chance
Wien (OTS) - Podiumsdiskussion in Graz mit Staatssekretär
Sebastian Kurz und Monika Potkanski vom Österreichischen
Integrationsfonds. Kurz: Leistungsbereitschaft ist Voraussetzung für
erfolgreiche Integration.
Jeder 10. Schüler hat eine andere Muttersprache als Deutsch
Rund 10 Prozent der Schüler/innen an steirischen Schulen stammen aus
einer nicht deutschsprachigen Familie. An Neuen Mittelschulen steigt
der Wert auf 30 Prozent, an manchen Schulen in der Steiermark ist der
Anteil an fremdsprachigen Kindern jedoch noch höher. Österreichweit
gibt es an Wiener Schulen die höchsten Zahlen (durchschnittlich 42
Prozent) an nicht deutschsprachigen Schüler/innen. Die
unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründe der
Kinder und Jugendlichen bringen neue Herausforderungen, aber auch
Chancen für das österreichische Bildungssystem.
Die gestrige Podiumsdiskussion "Integration im Klassenzimmer", die
im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Arena" der Kleinen Zeitung
gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF)
veranstaltet wurde, beschäftigte sich mit dem Thema "Integration im
Klassenzimmer". Über 100 Gäste folgten der angeregten Diskussion,
zahlreiche Wortmeldungen bestätigten die Relevanz des
Gesprächsthemas.
Neben Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz waren Univ.-Prof.
Dr. Erol Yildiz, Migrationssoziologe an der Universität Klagenfurt,
MMMag. Monika Potkanski vom Österreichischen Integrationsfonds und
Mag. Joachim Hainzl vom Verein Xenos Gäste der Podiumsdiskussion.
75.000 Jugendliche ohne Ausbildung und Job
Integrationsstaatssekretär Kurz betonte: "Auch an Schulen muss
gelten: Nicht die Herkunft, sondern die Leistungsbereitschaft und das
eigene Engagement der Kinder und Jugendlichen zählt. Mit unserem
'Integrationsbotschafter-Projekt' holen wir erfolgreiche Role Models
vor den Vorhang, die Kinder mit und ohne Migrationshintergrund
motivieren, ihre Potenziale bestmöglich zu nutzen. Darüber hinaus
dürfen wir die Probleme nicht unter den Teppich kehren. Unser
Schulsystem hat 75.000 Jugendliche produziert, die ohne Ausbildung
und Job da stehen. Fast die Hälfte davon sind Migranten. Es beginnt
mit Schulpflichtverletzungen, führt zu Schulabbruch und endet in
Arbeitslosigkeit. Hier müssen wir gegensteuern."
MMMag. Monika Potkanski präsentierte die Ergebnisse der
Schulstudie "Integration im Klassenzimmer" des Österreichischen
Integrationsfonds: "Diversität ist in Österreichs Schulen Realität.
Es gilt, das Thema Integration in der Schule zu enttabuisieren und
Wege für ein friedliches Miteinander zu finden. Denn die Ergebnisse
unserer Studie zeigen klar: Es gibt keinen signifikanten Zusammenhang
zwischen hohem Migrantenanteil und schlechtem Klassenklima".
Mag. Joachim Hainzl, Sozialpädagoge vom Verein Xenos (Verein zur
Förderung der soziokulturellen Vielfalt) thematisierte das Problem
steigender Ausgrenzung an Schulen: "Derzeit werden - nicht nur im
Klassenzimmer - Menschen in zu vielen Fällen vorrangig über die
Identitätsmarker Herkunft, Sprache und Religion definiert. Aus diesem
Denkwelt-Ghetto gilt es dringendst auszubrechen, will man mit den
Herausforderungen soziokultureller Vielfalt tatsächlich konstruktiv
umgehen".
Univ.-Prof. Dr. Erol Yildiz, Migrationssoziologe an der
Universität Klagenfurt, betonte: "Entscheidend in der Schule ist,
migrationsbedingte Unterschiede nicht nur zuzulassen, sondern als
Kompetenzen aktiv zu fördern. Dazu bedarf es einer differenzierten
schulischen Bildungsnormalität, die sich von
Homogenisierungstendenzen verabschiedet und die vielfältigen
Bildungskarrieren von Migrationskindern anerkennt, aufnimmt und
differenziert fördert. Das kann nur mit diversitätsbewusst
arbeitenden Schulen erreicht werden, in denen Unterschiede als
Bildungsanlass, nicht als Bildungshindernis betrachtet werden".
Zahlreiche Wortmeldungen von Personen aus dem Bildungsbereich,
Vertreter/innen aus Migrant/innen-Vereinen und Gemeindepolitik sowie
interessierten Eltern beschäftigten sich mit den Themenbereichen der
frühen Sprachförderung in Deutsch und der Erstsprache sowie Rassismus
an Schulen.
Rückfragehinweis:
Österreichischer Integrationsfonds
Mag. Ursula Schallaböck
Tel: +43 (0)676 5566 820
Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OIF






