- 15.02.2012, 12:16:14
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Scheele/ Heinisch-Hosek: Rechte von Sexarbeiterinnen sind Frauenrechte
Pilotprojekt "Sophie" wichtige Beratungseinrichtung für Sexarbeiterinnen in Niederösterreich
St. Pölten (OTS/SPI) - In Niederösterreich sind derzeit etwa 640
Prostituierte registriert. Ihre Arbeit geschieht im Verborgenen, wird
oftmals diskriminiert und kriminalisiert und ist mit großen
Vorurteilen behaftet. Die Frauen haben viele Pflichten und zu
erfüllende Auflagen, aber so gut wie keine Rechte. Darüber hinaus
verfügen viele Sexarbeiterinnen über Migrationshintergrund und sind
mit dem österreichischen Behördensystem nicht vertraut. Das Projekt
Sophie bietet diesen Frauen vielseitige Hilfe in Form von
Information, Beratung und Unterstützung an.
Im Zuge einer Pressekonferenz am Mittwoch, den 15. Februar, gab die
niederösterreichische Sozial- und Gesundheitslandesrätin Mag.a Karin
Scheele gemeinsam mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und
Sophie-Leiterin Mag.a Eva van Rahden einen ersten Einblick in die
eineinhalbjährige Tätigkeit dieses Pilotprojekts in Niederösterreich.
"Sophie - Bildungsraum für Prostituierte" ist eine Einrichtung der
Volkshilfe Wien und sammelt in der Bundeshauptstadt schon seit 2003
Erfahrungen mit den Problemen und der Lebensrealität von
Sexarbeiterinnen. In Niederösterreich informieren und beraten die
Streetworkerinnen von Sophie seit Herbst 2010 kostenlos und direkt
vor Ort. Unterstützt wird das Projekt vom Land Niederösterreich und
vom Frauenministerium. Für die beiden verantwortlichen
Politikerinnen, Landesrätin Scheele und Bundesministerin
Heinisch-Hosek eine aus verschiedensten Gründen wichtige Initiative.
"Rechte von Sexarbeiterinnen sind Frauenrechte, deshalb sehe ich es
als meine Aufgabe für diese Gruppe das Wort zu ergreifen", erklärt
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ihre Unterstützung für das
Vorzeigeprojekt Sophie. "Viele Prostituierte arbeiten in Bordellen
und Bars, andere in Laufhäusern oder am Straßenstrich. Manche Frauen
werden zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen und einige weitere
bieten ihre Dienste illegal an. Diese Gruppe ist also keine
einheitliche und dementsprechend unterschiedlich sind die
Rahmenbedingungen ihrer Arbeit, ihre Schutzbedürfnisse und
Interessen. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit von Sophie mit
Expertinnen und den Betroffenen selbst", so die Frauenministerin.
"Sophie ist ein unmittelbarer Beitrag zur Frauengesundheit in
Niederösterreich", ist Sozial- und Gesundheitslandesrätin Karin
Scheele überzeugt. Sie erklärt ihre Beweggründe für die Förderung des
Projekts mit Argumenten ihrer Ressortverantwortung: "In den
Beratungsgesprächen der aufsuchenden Sozialarbeit von Sophie waren
gerade Gesundheitsthemen immer wieder ein Schwerpunkt.
Gesundheitsprävention, Safer-Sex, der Umgang mit Nachfragen von
Freiern nach Sex ohne Kondom oder ungewollten Praktiken sowie mit
Gewalterfahrungen spielen eine gewichtige Rolle in ihrer Arbeit.
Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass auffallend viele Frauen
nicht krankenversichert sind. Krankheit führt daher oftmals zu hohen
Schulden. Ein Großteil der Sexarbeiterinnen hat überdies
minderjährige Kinder. Die Beratungstätigkeit von Sophie auch
hinsichtlich von Angelegenheiten der Sozialversicherung und bei
Behördengängen ist eine wichtige Unterstützung um die Familien
bestmöglich zu integrieren und vor Armut zu schützen."
800 Kontakte und über 200 Beratungsgespräche zeugen von hoher
Akzeptanz. Landesrätin Karin Scheele freut sich auch über die
bisherigen beeindruckenden Erfolge, die sich in der hohen Akzeptanz
der Betroffenen widerspiegelt: "Es konnten bereits über 800 Kontakte
zu Sexarbeiterinnen in Niederösterreich hergestellt werden. Dabei
nahmen auch über 60 Frauen insgesamt etwa 200 Beratungen in
Anspruch."
Projektleiterin Mag.a Eva van Rahden gibt schließlich Einblick in die
Praxis der Beratungstätigkeit von Sophie: "Im Vorfeld der ersten
Einsätze in Niederösterreich gab es Gespräche mit der Exekutive und
den Bezirksverwaltungsbehörden, für deren Kooperation und die gute
Zusammenarbeit ich mich auch explizit bedanken möchte. Unser Team ist
mobil und sehr flexibel. Die Einsätze finden einmal unter Tags und an
einem anderen Tag in den Abendstunden statt, je nach Öffnungszeiten
der Lokale. Durch unsere Vorarbeit in Wien, war unsere Tätigkeit sehr
vielen Frauen schon bekannt, das erleichterte unsere Arbeit und wir
konnten die Lokale schneller betreten als erwartet." Van Rahden
bestätigte den Schwerpunkt von Gesundheitsthemen in den
Beratungsgesprächen, daneben standen Bereiche wie Gewalt, Schulden,
Umgang mit Finanzen und Steuer, sowie Unterstützung bei der
Wohnungssuche im Mittelpunkt des Interesses. "Die Teams sind mit
einem Laptop, einem Scanner und einem Drucker ausgestattet. Dies
ermöglicht es notwendige Dokumente auszutauschen und schnell helfen
zu können", so die Projektleiterin.
Heinisch-Hosek und Scheele sicherten abschließend zu, sich auch nach
Ende des Pilotprojekts für die Weiterfinanzierung von Sophie in
Niederösterreich einzusetzen. Ein Verbot der Prostitution lehnen alle
drei Frauen ab. Frauenministerin Heinisch-Hosek: "Prostitution wird
angeboten und nachgefragt. Das wird auch so bleiben. Ein Verbot
ändert daran nichts. Aber Frauen müssen so gut wie möglich geschützt
werden. Darum ist eine Forderung die Aufhebung der Sittenwidrigkeit.
Über diese Maßnahme habe ich auch schon mit Justizministerin Beatrix
Karl gesprochen. Dieser Schritt ist auch deshalb so wichtig, weil er
zeigt, wie stigmatisiert sexuelle Dienstleistungen noch immer sind."
Rückfragehinweis:
Büro LRin Scheele Christoph Ertl Pressereferent LRin Mag.a Karin Scheele Tel.: 0664/ 10 34 340
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