- 12.02.2012, 21:00:33
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Montag, 13. Februar 2012, von Peter Nindler: "Herumgedoktert ohne Medizin"
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Allein mit Einsparungen lässt sich
eine Gesundheitsreform nicht erzwingen. Strukturanpassungen wurden in
den vergangenen Jahren jedoch verschleppt, jetzt müssen sie umgesetzt
werden, sonst drohen Leistungskürzungen.
Dass Strukturreformen im Gesundheitsbereich unbedingt notwendig sind,
zeigt das Tauziehen um die Unterfinanzierung der Medizinischen
Universität, die gemeinsam mit dem Land Tirol Spitalserhalter der
Klinik ist. Wenn wie in Innsbruck 5,5 Mio. Euro fehlen, wird
gestrichen: beim ärztlichen Personal, in der Verwaltung und in den
Kliniken selbst, schließlich stand als Sparvorschlag sogar die
Auflassung der Klinik für Allgemeine und Sozialpsychiatrie im Raum.
Jetzt wollen die Sozialversicherungen im Gleichschritt mit dem
Sparpaket des Bundes bis 2016 1,3 Milliarden Euro im
Gesundheitsbereich einsparen. Die Auswirkungen können nur erahnt
werden, unterm Strich wird es Tirol mit 110 Mio. Euro treffen. Ohne
effiziente Strukturreformen werden sich die 1,3 Mrd. Euro aber nicht
einsparen lassen. Tiefe Einschnitte zulasten der Patienten wären
jedoch die nicht erstrebenswerten Alternativen.
Die Gesundheitsreform wurde über Jahre verschleppt, während die
Kosten zwischen 1999 und 2009 insgesamt von 20 auf 30,3 Mrd. Euro
explodierten und in den Spitälern von 7,8 auf 12,2 Milliarden. Und
das, obwohl die durchschnittliche Verweildauer um einen Tag gesunken
ist. Die Politik hat lediglich herumgedoktert, aber auf die Medizin
vergessen.
Deshalb benötigt es ein verzahntes System von niedergelassenen
Ärzten, Ambulanzen und den Spitälern. Die Ambulanzen werden gestürmt,
weil im niedergelassenen Bereich die Ärzte fehlen. Wegen der hohen
Kosten entlässt man die Patienten früher aus den Krankenhäusern.
Damit werden die Probleme lediglich verschoben, ohne sie finanziell
zu lösen. Mit seinem Strukturplan hat Tirol die Anzahl der
stationären Betten optimiert, doch das kann nur ein erster Schritt
sein.
Gesundheitsplanung, -finanzierung und -steuerung müssen zentral
erfolgen. Dass es in Tirol neben der
Landeskrankenanstaltengesellschaft Tilak noch Bezirkskrankenhäuser
gibt, bei denen die Bürgermeister den Ton angeben, ist nicht mehr
zeitgemäß. Eine landesweite Spitalsholding wäre höchst an der Zeit,
sowie ein bundesweites Gesundheitsmonitoring. Niemand in Tirol wird
verstehen, dass medizinische Leistungen in Wiener Spitälern um 52
Prozent teurer sind. Will der Bund ausgewogen sparen, sollte er das
berücksichtigen und nicht jene bestrafen, die ohnehin sparsam
wirtschaften. Und letztlich muss er seinen finanziellen
Verpflichtungen an der Innsbrucker Klinik nachkommen, die er
jahrelang vernachlässigt hat.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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