- 10.02.2012, 10:14:57
- /
- OTS0061 OTW0061
Steigender Druck auf die Beschäftigten: Die zumutbare Belastbarkeit ist überschritten
Linz (OTS) - Bei Wirtschaftskrisen wird zumeist darüber
diskutiert, was die Anleger/-innen verlieren und was die
Krisenbewältigung dem Staat kostet. Trotz positiver Wirkung der
Kurzarbeitsregelung zählen die Arbeitnehmer/-innen zu den Verlierern
der Krise. Viele haben den Job verloren, oder die Arbeitsbedingungen
haben sich durch Arbeitsverdichtung und prekäre Beschäftigung
verschlechtert. "Jede weitere Erhöhung des Leistungsdrucks und
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen ist mit hohen sozialen Kosten
verbunden", macht AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer aufmerksam.
Der Druck auf die Beschäftigten ist hoch, wie folgende Zahlen
belegen:
- Etwa neun Prozent der österreichischen Bevölkerung leidet an Angst-
bzw. Depressionszuständen;
- rund 500.000 Österreicher/-innen sind von Burnout betroffen;
- alleine dadurch fallen jährlich an die zwei Millionen
Krankenstandstage an;
- die dafür anfallenden Kosten für die Unternehmen belaufen sich auf
etwa 700 Millionen Euro jährlich.
- Psychische Erkrankungen sind bereits die häufigste Ursache für
Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension. Alleine im Jahr 2010
sind der PVA daraus Ausgaben in Höhe von rund 4,9 Milliarden Euro
entstanden.
Die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der
Arbeitszufriedenheit zeigen sich sowohl beim Österreichischen
Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich als auch bei den
Ergebnissen der ISW-Betriebsrätebefragung. Der
Arbeitsklima-Gesamtindex hat sich seit 2007 von 112 auf 108
Indexpunkte verringert. Bei der ISW-Betriebsrätebefragung geben mehr
als zwei Drittel der Betriebsratsvorsitzenden an, dass Vorgaben der
Unternehmensführung laufend nach oben geschraubt werden. Daher ist es
nicht verwunderlich, dass 49 Prozent auch sagen, dass die geforderten
Aufgaben in der verfügbaren Zeit häufig nicht mehr zu bewältigen
sind.
Unternehmer-Risiken werden auf Arbeitnehmer/-innen abgewälzt
Der Marktdruck und das unternehmerische Risiko wird tendenziell auf
die Beschäftigten übertragen - zum Beispiel durch Zielvereinbarungen,
die realistischerweise kaum zu erreichen sind. Diese
Zielvereinbarungen und Leistungsvorgaben erhöhen den Druck auf die
Beschäftigten, insbesondere wenn sie vom Arbeitgeber einseitig
festgelegt werden (in rund 50 Prozent der Betriebe ist dies der
Fall), und somit die Arbeitnehmer/-innen kein Mitsprachrecht haben.
Die Arbeiterkammer fordert eine stärkere betriebsrätliche
Mitbestimmung beim Personalstand und bei Leistungsvereinbarungen, um
Leistungsverdichtung zu verhindern sowie mehr Transparenz bei
All-In-Verträgen: Die Arbeitnehmer/-innen müssen wissen, was sie in
der Normalarbeitszeit verdienen, d.h. Überstunden und Spesen sind
separat auszuweisen und kurze Verfallsfristen in Verträgen sind zu
beseitigen. Insbesondere Unternehmen mit hohen Krankenstandsquoten
und einem hohen Anteil an Invaliditätspensionsanträgen sind
gefordert, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und für Prävention zu
sorgen.
Rückfragehinweis:
Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. Rainer Brunhofer
Tel.: (0732) 6906-2185
mailto:[email protected]
http://www.arbeiterkammer.com
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKO






