• 09.02.2012, 13:45:27
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Sparpaket und Erbschaftssteuer: "Wohlstand in Österreich bleibt weiterhin vom Zufall der Geburt abhängig"

Volkshilfe kritisiert die Ablehnung der Erbschaftssteuer - Privilegien einer wohlhabenden Minderheit werden weiter bewahrt

Wien (OTS) - Enttäuscht zeigt sich der Volkshilfe Präsident Univ.
Prof. Dr. Josef Weidenholzer über die neueste Meldung, dass die
Erbschafts- und Schenkungssteuer endgültig vom Tisch sei. "Durch
diese Entscheidung wird die Chance verpasst, die Kluft zwischen Arm
und Reich zu verkleinern. Die Anzahl der Armutsbetroffenen hat in
unserem Land bereits einen neuen Höchststand erreicht. Das ist einem
reichen Land wie Österreich unwürdig."

Auch Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Mag. (FH) Erich Fenninger
setzt sich für eine Umverteilung in Österreich ein: "Vermögen ist in
Österreich extrem ungleich verteilt. Trotzdem zählen wir zu den
europäischen Schlusslichtern bei Vermögenssteuern. Wohlstand ist in
Österreich vom Zufall der Geburt abhängig."

Auch die letzte Erbschaftssteuerstatistik zeigt: Im Jahr 2006
trugen 5 Steuerfälle ein knappes Viertel des gesamten
Erbschaftssteueraufkommens.

Vermögen in Österreich extrem ungleich verteilt

Die Vermögensschere in Österreich klafft weiterhin auseinander:
Nur etwa 2 Prozent aller Haushalte besitzen rund 40 Prozent des
gesamten Immobilienvermögens. 54 Prozent des Bruttogeldvermögens sind
in Händen von 10 Prozent der Haushalte.

Der durchschnittliche Häuselbauer verfügt über einen Hauptwohnsitz
im Verkaufswert von 260.000 Euro. Mit einem Hauptwohnsitz, der
450.000 Euro wert ist, zählt man bereits zu den bestvermögenden fünf
Prozent der Bevölkerung. "Durch einen angemessen Freibetrag würden
die mittleren und unteren Einkommensschichten nicht belastet werden",
sagt Fenninger.

Österreich Schlusslicht bei Vermögenssteuern

Österreich ist neben Estland, Lettland, Schweden und der Slowakei
eines der wenigen Länder in Europa, in denen im Erbschaftsfall keine
Steuern zu entrichten sind.

Laut den jüngsten Daten der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt Österreich bei
Vermögenssteuern weiterhin zu den Schlusslichtern. Demnach beliefen
sich die Einnahmen aus Vermögenssteuern im Jahr 2008 auf nur 0,5
Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der OECD-Schnitt betrug 1,8
Prozent.

Pflegebedürftige zahlen bereits "versteckte" Erbschaftssteuer

"Ist man in Österreich auf Pflege und Betreuung angewiesen und
kann diese nicht mehr bezahlen, wird auf das persönliche Vermögen
zurückgegriffen. Ein Teil der Bevölkerung ist also bereits von einer
'versteckten Erbschaftssteuer' betroffen", betont Fenninger weiter.

"Armut wird gemacht": Wiedereinführung der Erbschaftsteuer sorgt für
mehr soziale Gerechtigkeit

Auch Institutionen wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo)
sprechen sich seit Langem für die Wiedereinführung der
Erbschaftssteuer und eine Anhebung der Grundsteuer aus. Die
Arbeiterkammer errechnet Einnahmen durch eine neue Erbschaftssteuer
von jährlich rund 400 Millionen Euro.

"Armut in Österreich wird gemacht, sie ist 'Made in Austria'. Das
kritisieren wir auch in unserer aktuellen Kampagne. Die wachsende
Kluft zwischen Arm und Reich muss endlich verringert werden", so
Fenninger und Weidenholzer unisono.

Rückfragehinweis:
Mag. (FH) Margit Kubala
Presse und Kommunikation
T +43 (0) 1 402 62 09 14
E-Mail: [email protected]

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