• 09.02.2012, 12:00:34
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MedUni Wien: Kein ärztliches Fehlverhalten bei Sandra W.

Rektor Schütz präsentiert internationales Gutachten - Husslein: Medizinisches Vorgehen in allen drei Spitälern gleich

Wien (OTS) - Im Fall der Patientin Sandra W. liegt kein ärztliches
Fehlverhalten vor. Das ist das Ergebnis des Gutachtens des
Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe Univ. Prof. Dr. Klaus Friese, das heute vom Rektor der
Medizinischen Universität Wolfgang Schütz präsentiert wurde. Schütz
hatte dieses in der Vorwoche nach Vorwürfen an Ärzte im AKH in
Auftrag gegeben.

"Wir fühlen mit Frau W. und ihrer Familie. Es ist äußerst
bedauerlich, dass sie ihr Kind verloren hat, doch ist dieser
schmerzliche Verlust nicht auf einen ärztlichen Fehler
zurückzuführen." Mit diesen Worten präsentierte Schütz die Ergebnisse
des Gutachtens vor der Presse. "Professor Friese weist ausdrücklich
darauf hin, dass der Verlust des Kindes in dieser frühen Phase der
Schwangerschaft ein häufiges Phänomen ist, von dem fast jede zweite
Frau im gebärfähigen Alter betroffen ist. Bedauerlicherweise - und
das bestätigt Friese - gibt es bis zur 24. Schwangerschaftswoche
keine medikamentöse Therapie gegen diese Art der Blutungen. Man kann
der Patientin nur die Schonung empfehlen und hoffen, dass so die
Blutung, insbesondere wenn es eine schwache ist, wieder aufhört."

"Auf Basis dieser Erkenntnisse stellt Prof. Friese fest, dass es
zu keinem ärztlichen Fehler bei der Behandlung von Frau W. gekommen
ist. Er spricht dabei nicht nur vom AKH sondern ausdrücklich von
allen drei Spitälern, die die Frau aufgesucht hat - also in
chronologischer Abfolge von Göttlicher Heiland, AKH und
Rudolfstiftung," zitierte Schütz das Gutachten abschließend.

Der Leiter der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Peter
Husslein machte in dem Pressegespräch darauf aufmerksam, dass das
medizinische Urteil und Vorgehen bei Sandra W. an allen drei Häusern
praktisch gleich war. Husslein rief zu diesem Zweck noch einmal den
medizinischen Ablauf in Erinnerung. "Frau W. war beim Göttlichen
Heiland anlässlich der Untersuchung wegen ihrer Blutungen zur
Kontrolle am folgenden Tag bestellt und bereits für eine Anmeldung
zur Geburt vorgemerkt worden", unterstrich Husslein. "Als sie sich
bei uns zur Geburt anmelden wollte, war ihre Schwangerschaft nicht
als Risikoschwangerschaft einzustufen und wurde deshalb - wie sonst
bei uns auch - abgelehnt. Blutungen sind gerade in der frühen Phase
ein gängiges Phänomen bei Schwangerschaft."

"Ich halte unter Verweis auf das Gutachten von Prof. Friese fest,
dass es für diese Fälle keine medikamentöse Therapie, sondern nur
Schonung gibt", schloss Husslein.

Auszug aus dem Gutachten von Prof. Dr. med. Klaus Friese,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe:

"Bei Wertung der vorgegebenen Ereignisse, kann man nur festhalten,
dass das Abortgeschehen ein sehr häufiges - fast jede zweite Frau im
gebärfähigen Alter betreffendes - medizinisches Ereignis ist.
Bedauerlicherweise gibt es bis zur 22. bzw. 24.
Schwangerschaftswoche, d.h. fast in der Verdoppelung der Zeit bei
dieser Patientin, keine Option, eine suffiziente Therapie
durchzuführen. In diesem Fall kann man der Patientin nur eine
Schonung empfehlen und hoffen, dass die vaginale Blutung - auch wenn
es eine schwache ist - wieder aufhört. Dies ist eine übliche
Prozedur, insbesondere gibt es keine medikamentöse Beeinflussung z.B.
durch eine Wehenhemmung oder eine Antibiotikagabe, die diese Blutung
verhindern könnte.

Es gibt multiple Ursachen für vaginale Blutungen in der
Frühschwangerschaft - für ein Abortgeschehen überhaupt. Es kann
häufig eine genetische Fehlanlage vorhanden sein, es kann eine
Infektion vorhanden sein oder es kann eine allgemeine Disposition
einer Patientin dazu vorliegen und anderes mehr.

Eine Aufnahme erfolgt in einem Krankenhaus - auch in meinem
Krankenhaus - wenn es sich um eine starke Blutung handelt, die eine
Gefährdung, insbesondere der Mutter darstellt. Dies ist weder im
Krankenhaus Göttlicher Heiland, noch in der Universitätsfrauenklinik
Wien der Fall gewesen. Auch würde eine Patientin mit einer starken
vaginalen Blutung nicht in eine normale Warteschleife in der
Anmeldung präsent sein, sondern man würde, auf Grund des für sie hoch
dramatischen Ereignisses, entsprechend anders reagieren.

Von Seiten des Krankenhauses der Medizinischen Universität Wien
ist in meinen Augen überhaupt nichts falsch gemacht worden, dies
sieht man daran, dass die Patientin mit dieser leichten Blutung - und
noch einmal, dies ist ein häufiges Ereignis, auch bei einer
Schwangerschaft, die dann ganz normal ausgeht - danach in einem
anderen Krankenhaus ebenfalls gesehen wurde und dort am 12.1.2012,
zwei Stunden später, ebenfalls keine Indikation zu einer stationären
Aufnahme bestanden hat.

In meiner eigenen Klinik sind im letzten Jahr 4.316 Kinder geboren
worden und ist mit Sicherheit von einer Betreuung von deutlich über
500 Aborten im Jahr zu berichten. Über die Ursachen und das
therapeutische Prozedere habe ich Sie schon oben informiert. Bei
einer starken Blutung wird eine Patientin stationär aufgenommen, ohne
dass es eine medikamentöse Therapie gibt, die es schafft, die
Schwangerschaft sicher zu prolongieren. In meinem eigenen Hause wird
eine geburtshilfliche Anmeldung deshalb auch erst ab der 24.
Schwangerschaftswoche propagiert, da dann erst mit einer
Lebensfähigkeit zu rechnen ist. Man kann an keiner Stelle ein
Fehlverhalten der Ärzte oder der Krankenhäuser sehen. Und noch
einmal, wenn eine starke Blutung vorhanden ist, wird überall auf
Grund der Gefährdung der Mutter, nicht um in jedem Fall die Rettung
der Frühschwangerschaft zu schaffen, die stationäre Aufnahme
erfolgen. Dies ist aber in 3 Krankenhäusern nicht der Fall gewesen,
so dass ich denke, bei unterschiedlichen Ärzten und mit
unterschiedlichen Kompetenzen, dass alle die richtige Entscheidung
getroffen haben."

Rückfragehinweis:

Medizinische Universität Wien
   Mag. Johannes Angerer
   Leiter Corporate Communications
   Tel.: +431 40160 - 11 501
   Mobil: +43 664 800 16 11 501
   mailto:[email protected]
   http://www.meduniwien.ac.at

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