OTS0053   6. Feb. 2012, 10:21

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Arabischer Frühling am Wiener Prater - von Thomas Jäkle

Die ÖIAG wird zum Juniorpartner von Pecik & Konsorten degradiert


Kein Stein bleibt bei der Telekom Austria auf dem
anderen. Es beginnt eine Zeitenwende. Die "Erinnerungslücken" von
Michael Jungwirth, dem Vorstandsassistenten von Telekom-Chef Hannes
Ametsreiter, in der Vorwoche werden den involvierten
Telekom-Mitarbeitern nichts mehr nutzen. Spätestens mit der
Vernehmung von Hannes Ametsreiter, der noch vor Frühlingsbeginn vom
U-Ausschuss einvernommen wird, ist die Schonfrist vorbei. "Das ist
mir nicht erinnerlich" und "Dazu habe ich keine Wahrnehmung" wird zu
den Zahlen, Daten und Fakten des U-Ausschusses nicht mehr reichen.

Die zweite Front gegen die Telekom Austria wird der Wiener
Geschäftsmann und Finanzinvestor Ronny Pecik zum Frühlingsbeginn
eröffnen. Als das WirtschaftsBlatt bereits Mitte Oktober darüber
berichtet hat, dass Pecik über 25 Prozent der Telekom-Aktien verfügt,
wurde das in der Alpenrepublik angesichts der nicht berauschenden
Zahlen, Daten und Fakten sowie einem schwächelnden Aktienkurs nicht
ernst genommen. Für manche schien dies sogar ein Schutz gegen eine
feindliche Übernahme zu sein. Im Rücken hat Pecik ein Konsortium rund
um den ägyptischen Milliardär Naguib Sawiris, der Teile seines
Imperiums Orascom gerade versilbern will und - vielleicht im
Gegensatz zu Pecik - nicht nur dicke Kasse machen, sondern sein
Milliardenvermögen schön verteilt in Europa in beständige Werte
anlegen will.

Pech für die staatliche ÖIAG, die sich mit 28,42 Prozent noch als
größter Kernaktionär fühlt. Die weiße Flagge mit dem Bundesadler hat
die ÖIAG schon gehisst und den neuen mächtigen Aktionären
Kooperationsbereitschaft signalisiert. Die Klingen wird ÖIAG-Chef
Markus Beyrer mit Pecik und Konsorten wohl nicht kreuzen. Sie werden
im Frühling, spätestens zur Hauptversammlung im Mai, mindestens ein
Quartett mit eigenen Leuten in Vorstand und Aufsichtsrat abstellen
wollen - und somit wird die ÖIAG zum neuen Juniorpartner.
Schachspieler Pecik wird sicher aus dem Hintergrund weiterhin bequem
die Fäden ziehen und bei günstiger Gelegenheit Kasse machen und
aussteigen.

Die dritte Front im jungen Frühling könnte der Nebendeal im Zuge der
Übernahme von Orange durch Hutchison 3G ("3") werden. Sollte die EU
die 390 Millionen Euro teure Übernahme von Yesss durch die Telekom
kippen, wäre das mindestens eine peinliche Panne. Für die neuen
Eigentümer ist das ein weiteres Argument, die Telekom Austria auf den
Kopf zu stellen.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0053 2012-02-06 10:21 061021 Feb 12 PWB0001 0380



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