- 03.02.2012, 21:00:31
- /
- OTS0202 OTW0202
TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 4. Februar 2012, von Alois Vahrner: "Und wieder zahlen die Tüchtigen"
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Auf Druck des Bundes und der
Finanzmarktaufsicht sollen die finanzstarken Tiroler Volksbanken über
Gebühr zur ÖVAG-Rettung beitragen. Eine Umverteilung zu Lasten
Tirols, die leider allgemein in Mode gekommen ist.
Das Gros der Volksbanken hat sich diese Woche zum neuen
Verbund-Modell bekannt, das dem Spitzeninstitut in Wien (diesem
Ausdruck wurde die ÖVAG zuletzt ja mit ihrem Bauchfleck bei ihrer
Expansion leider nicht gerecht) weitgehende Durchgriffsrechte
beschert - und das umfassende Haftungen der Volksbanken für den
gesamten Sektor beinhaltet. Kurzum: Die Volksbanker werden künftig
stärker an die Wiener Kandare genommen.
Ob sie den Zentralisierungsplänen trotzdem aus innerer Überzeugung
zugestimmt haben oder durch den massiven Druck durch
Finanzministerium, FMA oder Nationalbank "überredet" wurden, bleibe
einmal dahingestellt. Und auch, ob die Volksbank-Genossenschafter bei
den schon in Kürze angesetzten Generalversammlungen diesen Weg
mitgehen werden. Immerhin geht es um viele in Tirol über Jahre
erwirtschaftete Millionen, die da über Haftungen auf dem Spiel stehen
und die in den Gesamtverbund "hineinkonsolidiert" werden sollen. Ein
Schritt, der den Wert der guten Volksbanken nicht gerade steigert, im
Gegenteil. "Einer für alle, alle für einen" war bei den Musketieren
angesagt, in der Wirtschaftswelt kann einem das allzu schnell heftig
auf den Kopf fallen.
Dass die staatlichen Stellen bei Nicht-zustimmung die
Daumenschrauben gegen mögliche Abweichler massiv anziehen wollen, ist
fragwürdig. Zumal bisher wenig zu hören war, dass die
Verantwortlichen der Misere mit ähnlichem Druck zur Verantwortung
gezogen würden. Vielleicht hätte ja ein ebenso energisches
Einschreiten der staatlichen Stellen bei der ÖVAG schon im Vorfeld
den Flop verhindern können.
Leider ist es fast schon zum allgemein gültigen Muster geworden,
dass jene, die besser gewirtschaftet haben, die Zeche für die
Versäumnisse anderer zahlen müssen. Das beginnt in der EU, wo die
finanziell stärkeren Länder von Deutschland bis Österreich für das
Debakel etwa in Griechenland mit immer noch astronomischeren Summen
geradestehen müssen. Da hilft es Österreichs Steuerzahlern auch
nicht, dass sich die Griechen den Euro-Beitritt mit frisierten
Budgetzahlen ertrickst und sich jeglicher Kontrolle entzogen haben.
Ähnliches gilt natürlich auch in Österreich, wo finanziell besser
bestallte Bundesländer wie Tirol direkt und indirekt viele Millionen
abliefern müssen. Für schwächere Länder wie das Burgenland oder
Kärnten, aber auch für aufgeblähte Wiener Projekte.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






