- 03.02.2012, 17:00:34
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"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Wer kümmert sich um die Realwirtschaft?"
Alle wünschen sich Jobs, aber niemand die Unternehmer dafür.
Wien (OTS) - In der Flut beunruhigender Nachrichten geht eines
fast unter: Der heimischen Wirtschaft geht es gut - noch. Die
Auftragsbücher sind voll, die Arbeitslosenquote im internationalen
Vergleich niedrig. Kümmert es eigentlich irgendjemanden, was die
Realwirtschaft, also die großen, mittleren und auch die kleinen
nicht-staatlichen Unternehmen dieses Landes brauchen, um auch in
Zukunft zu florieren und Arbeitsplätze im Land zu sichern? Sie
kämpfen in Wahrheit längst mit einem planlosen, dafür teuren
Bildungssystem, mit Fachkräftemangel, zum Teil absurden und
kontraproduktiven Umwelt-Auflagen, konfusen Steuer-Diskussionen,
Bürokratie und einer aggressiven Wirtschaftsfeindlichkeit in den
Köpfen. (Jede heimische Straßenbefragung zur Börse würde ergeben,
dass man diese vorwiegend negativ sieht, aber kaum mit der
wichtigen Funktion der Wirtschafts-Finanzierung verbindet.) Alle
wünschen sich Arbeitsplätze, aber niemand die Unternehmer dafür.
Während man sich an den Unis um Seminarplätze in überlaufenen
Modefächern balgt, gehen vielen Firmen die Fachkräfte aus. So haben
die Chefs eines großen Versicherungsunternehmens kürzlich ihre
Mitarbeiter beinahe händeringend aufgerufen, im eigenen
Bekanntenkreis neue Mitarbeiter für den Verkaufsbereich zu werben.
Die heimische Industrie fahndet in Deutschland nach Technikern. Und
viele Gewerbebetriebe suchen Lehrlinge, die zumindest
Grundrechnungsarten beherrschen (siehe Seite 9). Obwohl Österreichs
Modell der "dualen Ausbildung" als international vorbildlich gilt und
die Abgänger weltweit Medaillen einheimsen, ist das Image des
Lehrberufs im Keller - völlig zu Unrecht. Denn das Sprichwort, dass
das Handwerk "goldenen Boden" hat, bekommt in der Krise wieder neue
Bedeutung. In der westlichen Welt ist man von der Finanz- und
Dienstleistungsgesellschaft ernüchtert und will künftig wieder mehr
auf Produktion setzen. Das Konzept, praktisch jede "echte" Arbeit
nach China oder Indien auszulagern, ist gescheitert.
In Österreich wiederum ist viel Wertschöpfung in Schwarzarbeit
versteckt. Legale Arbeit ist oft zu teuer. Das hat mit Profitgier,
mangelnder Konkurrenz, - aber auch mit exorbitant hohen
Lohnnebenkosten zu tun. In anderen Ländern rollt man Firmen, die sich
neu niederlassen wollen, den roten Teppich aus - etwa mit
mehrjähriger Steuerbefreiung. Wenn immer weniger Argumente für den
Wirtschaftsstandort Österreich sprechen, werden sich noch mehr
Leistungsbereite und Innovative ins Ausland verabschieden.
Das KURIER-Interview vergangenen Sonntag mit dem "Steve Jobs"
Englands, dem Auslandsösterreicher Hermann Hauser, stimmte
nachdenklich. Er sei durchaus bereit, Österreichs Regierung seine
internationale Wirtschafts-Expertise zur Verfügung zu stellen.
Allein, es hat ihn (und viele andere im Ausland extrem erfolgreiche
Österreicher) seit zehn Jahren niemand gefragt.
Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601
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