OTS0106   27. Jan. 2012, 11:22

Experten: Open Data wird nur langsam erwachsen - BILD

APA-EBC-Podiumsdiskussion zu Verwaltungsdaten - Wirtschaftliches Potenzial noch nicht gehoben - Trend zu Visualisierung von Daten


Open Data: Wie Verwaltungsdaten die digitale Wirtschaft beflügeln. (26.01.2012) vergrößern

BILD zu OTS - Im Bild v.l.n.r. Martin Kaltenböck (Semantic Web Company), Thomas Stern (Moderator/Braintrust), Johannes Juranek (CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte), Peter Sempelmann (WirtschaftsBlatt), Robert Bodenstein (Wirtschaftskammer Österreich) und Robert Varga (APA-MultiMedia).

Der freie Zugang zu Verwaltungs- bzw. anderen
öffentlichen Daten - Stichwort Open Data - könnte sich zum
Innovationsmotor entwickeln und ein gesamtwirtschaftliches Potenzial
in Milliardenhöhe bergen. Allerdings scheint es bisher eher erste
Gehversuche als einen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Lauf
in diesem Bereich zu geben, resümierten Experten bei einem Event der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag, Abend in Wien.

"In Österreich befinden wir uns in der Phase der
Bewusstseinsbildung. Ein wichtiger Schritt ist nun, durch eine
nationale und internationale Zusammenarbeit eine kritische Masse zu
erreichen. Dann ist vieles möglich" erklärte Martin Kaltenböck von
der Semantic Web Company. In Österreich sei ein nationales
Open-Data-Portal in der Planungsphase, ab 2013 soll es auch eine
paneuropäische Zusammenarbeit der EU-27 geben.

Zwar werde Open Data langsam erwachsen. Nach den zahlreich
erfolgten Datenfreischaltungen müsse nun aber konzentriert an den
erfolgskritischen nächsten Herausforderungen gearbeitet werden. "An
oberster Stelle steht dabei die Hebung des postulierten ökonomischen
Potenzials", so Kaltenböck. Schließlich gebe es für die Wirtschaft
große Chancen durch die Verbindung von offenen Daten mit ihren
eigenen.

Geschäftsmodelle noch Mangelware

"Derzeit geht es bei den freigegebenen Daten noch um Standorte von
Toiletten oder die Ausstattung von Kinderspielplätzen, woraus sich
nicht unbedingt die großartigen Geschäftsmodelle ergeben", ergänzte
Robert Bodenstein von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).
Größeres wirtschaftliches Potenzial ortet er beispielsweise darin,
die Unternehmenssoftware mit offenen Daten anzureichern und daraus
Vorteile zu lukrieren - etwa wenn aktuelle Baustellen ins
Fuhrparkmanagement miteinbezogen werden. "Davon sind wir aber noch
einen großen Schritt entfernt", sagte Bodenstein.

Die Frage, ob durch das Zusammenführen von anonymisierten Daten
nicht doch wieder Rückschlüsse auf Personen möglich sind, warf
Johannes Juranek von CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte auf. "Wenn
es um anonyme Daten geht, ist das Thema Open Data juristisch nicht
sehr ergiebig. Werden aber aus anonymen Daten persönliche gemacht,
muss man sich damit beschäftigen", gab Juranek zu bedenken. Außerdem
könnten, wenn Daten frei zugänglich gemacht werden, Rechte des
geistigen Eigentums außer Kraft gesetzt und der Datenschutz
ausgeschaltet werden.

"Schluss mit der Geheimniskrämerei"

"Wir sollten Verwaltungsdaten einfach veröffentlichen und
abwarten, was passiert. Das ist der nächste Schritt in der Öffnung
unserer Gesellschaft", forderte hingegen Peter Sempelmann vom
WirtschaftsBlatt. Er sei der Meinung, dass von öffentlichen Stellen
gesammelte Daten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt
werden sollten. "Diese Daten lassen sich für einen gesellschaftlichen
Mehrwert einsetzen. Und wenn davon auch noch die heimische Wirtschaft
profitieren kann, umso besser. Schluss mit der Geheimniskrämerei", so
Sempelmann.

Die Verfügbarkeit von Daten habe auch eine neue Form des
Journalismus hervorgebracht - die des Datenjournalismus, erklärte
Robert Varga von APA-MultiMedia. Der "Guardian" trage dem schon seit
längerem durch ein eigenes Ressort Rechnung. Allerdings müsse man
sich gut überlegen, was man mit den Daten mache. "Zum Teil sind sie
eher langweilig, wenn man sie in Textform verarbeitet. Eine Karte zum
Reinzoomen bis auf die regionale Ebene, was etwa Verkehrssicherheit
oder Mietpreise betrifft, kann hingegen sehr spannend sein. Wir
müssen uns daher mehr mit Visualisierung befassen", so Varga.

Die Plattform

Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als
Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit 2001
existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur Aufgabe
gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu vermitteln
und Geschäftskontakte zu erleichtern.

Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen
Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein
schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche
Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale
Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

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