- 18.01.2012, 10:04:24
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Mechanismus für eine effizientere Krebstherapie entschlüsselt
Wien (OTS) - Ein Forscherteam vom Institut für Krebsforschung an
der MedUni Wien hat einen bisher unbekannten Mechanismus des
Wirkstoffs Imiquimod bei der Abwehr von Tumoren entschlüsselt. Sie
konnten nachweisen, dass Imiquimod plasmazytoide dendritische Zellen
(pDCs) in "Tumor-Killer" verwandelt, welche den Tumor, unabhängig von
anderen Immunzellen, bekämpfen können. Diese Entdeckung könnte ein
wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer effizienteren Krebstherapie
sein.
Die Wissenschaftlerin Barbara Drobits, eine der Doktorandinnen des
vom FWF und der MedUni Wien geförderten Doktoratskollegs
"Inflammation and Immunity", und ihre Kollegen, erforschten unter der
Leitung von Institutsvorstand Maria Sibilia , welche Mechanismen in
Gang gesetzt werden, wenn man Hautkrebs mit Imiquimod behandelt:
Dabei werden Mastzellen in der Haut stimuliert, die das Signalprotein
CCL2 produzieren. Das bewirkt, dass Immunzellen, insbesondere
plasmazytoide dendritische Zellen (pDCs), in die behandelte Haut
rekrutiert werden. Imiquimod aktiviert diese pDCs durch einen
spezifischen Rezeptor des angeborenen Immunsystem, den so genannten
Toll-like-Rezeptor (TLR) 7, woraufhin die pDCs Interferon Alpha
(IFNa) produzieren und ausschütten. IFNa wirkt auch auf die pDCs
selbst und stimuliert sie, dazu, zytolytische Moleküle auszustoßen,
welche "Löcher" in die Wand des Tumors "schießen", ihn perforieren
und dadurch die Tumorzellen bekämpfen.
"Mit Imiquimod kann man also die pDCs dazu bringen, einerseits in
den Tumor einzuwandern und andererseits die Tumorzellen zu
attackieren. Das Medikament wirkt also als aktivierendes Signal für
das angeborene Immunsystem", erklärt Drobits.
Effizientere Krebstherapie möglich
Über den Wirkmechanismus von Imiquimod und die positive Wirkung
der pDCs in der Tumorabwehr war bisher nur wenig bekannt. Sibilia:
"Wir haben erstmals gezeigt, dass die pDCs gut und hilfreich sind und
die Tumorzellen angreifen, ohne dazu das adaptive Immunsystem (Anm.:
B- und T-Zellen) zu benötigen." Die MedUni Wien-ForscherInnen konnten
in vivo im Ausschlussverfahren weiters beweisen, dass der Mechanismus
nicht funktioniert, wenn nur einer der Faktoren fehlt, also wenn etwa
kein TLR7 oder kein Interferon Alpha beteiligt ist.
Den Tumor gänzlich beseitigen kann man in diesem Modell mit
Imiquimod allerdings nicht. "Aber wenn man den Wirkstoff zusätzlich
zu einer konventionellen Krebstherapie gibt, könnte das die Effizienz
erhöhen und dadurch die Behandlungsdauer verringern. Außerdem ist
unsere Entdeckung ein Anstoß zu weiteren Studien an der MedUni Wien",
sagt Sibilia. "Denn offen ist noch, ob die Wirkung, die wir beim
Melanom nachweisen konnten, auch bei anderen Tumoren eintritt." Eine
Studie, die dieser Fragestellung nachgeht, wurde am Institut für
Krebsforschung bereits gestartet.
Über Imiquimod
Imiquimod ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Virostatika, der
zur Behandlung von kleinem, oberflächlichem Basalzell-Hautkrebs,
Melanomen oder aktinischer Keratose (eine Schädigung der Oberhaut
durch langjährige intensive Einwirkung von UV-Strahlung) eingesetzt
wird. Imiquimod ist ein Immunmodulator, der das Immunsystem der Haut
aktiviert, damit es gegen Viren oder Tumoren ankämpft. In Europa ist
der Wirkstoff unter dem Handelsnamen "Aldara" als Medikament bekannt.
Service: The Journal of Clinical Investigation
"Imiquimod clears tumors in mice independent of adaptive immunity
by converting pDCs into tumor-killing effector cells." Barbara
Drobits, Martin Holcmann, Nicole Amberg, Melissa Swiecki, Roland
Grundtner, Martina Hammer, Marco Colonna, Maria Sibilia.. J Clin
Invest. doi:10.1172/JCI61034.
Rückfragehinweis:
Medizinische Universität Wien Mag. Johannes Angerer Leiter Corporate Communications Tel.: +431 40160 - 11 501 Mobil: +43 664 800 16 11 501 mailto:[email protected] http://www.meduniwien.ac.at
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