- 17.01.2012, 19:31:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Youtube oder: Das Ende autistischer Potentaten" (von Frido Hütter)
Ausgabe vom 18.01.2012
Graz (OTS) - Es ist ein Irrwitz: Der (äußerst unprofessionell)
erfüllte Berufswunsch eines jungen Mannes stürzt das wesentlichste
Medium unseres Landes in die größten Turbulenzen seiner Geschichte.
Und weder der junge Mann noch der Direktor des Unternehmens erfassen
ihre Tragweite.
Aktueller Höhepunkt: Nachdem ihn schon 1316 Mitarbeiter
unterschrieben hatten, sprachen nun 55 Redakteure der Zeit im Bild
gemeinsam den Text eines Protestbriefes auf Video und stellten dieses
am Montag via Youtube ins Internet. (www.youtube.com, ORF)
Mit ungeheurem Echo: Allein bis gestern Nachmittag, also in rund 30
Stunden, wurde der Beitrag rund 300.000 (!) Mal aufgerufen. Und die
Zahl steigt immer noch. Langsam bekommen ORF-General Alexander
Wrabetz und sein designierter Büroleiter Niko Pelinka die Aura
autistischer Potentaten, die den Volkszorn der Straße für
Nebengeräusche halten.
Der Realitätsverlust ist offenbar ansteckend: Dieser Tage forderte
der "Presse"-Kolumnist Christian Ortner, man möge doch den "Laden
dichtmachen", denn: "Der Beitrag des ORF zur demokratischen
Ertüchtigung ist so groß wie der von McDonald's zu Volksgesundheit."
Es scheint, dass eher der Autor einer Dichtung bedürfe. Abgesehen vom
Umstand, dass er damit Hunderte großartig arbeitende Kollegen
schamlos beleidigt, hat Ortner offenbar weder jemals Ö 1 gehört noch
den Report, kreuz & quer, die ZiB etc. pp. gesehen. Und er
verwechselt Analyse mit Biertischperspektive. Verheerend, welche
Verdunkelung dieser Konflikt in ehedem hellen Köpfen auslöst.
Zurück zu den Protesten: Es sind ja keine Berufsquerulanten, die sich
gegen diese SPÖ-gesteuerte Personalie wehren. Nein, es sind Leute,
die zu den Bestinformierten dieses Landes zählen und die offenbar
auch besser um die Überlebens-Chancen des ORF wissen als dessen
Direktor. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden weder die
Dancing Stars noch der Ö3-Wecker retten, sondern nur seine
unverletzte Glaubwürdigkeit.
Wie sehr Wrabetz und Pelinka diese schon aufs Spiel gesetzt haben,
ist evident. Sollte die Sache dennoch durchgezogen werden, ist ein
Streik der ORF-Journalisten geradezu ein Muss, da sonst auch ihr
Protest unglaubwürdig würde.
Wenn Niko Pelinka, aber auch sein Mentor Werner Faymann noch einen
Funken Vernunft haben, ziehen sie unverzüglich die Reißleine. Und sie
werden das tun. Der Schaden wäre dadurch zwar nicht behoben, aber
wenigstens begrenzt.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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