- 11.01.2012, 15:33:53
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bfi Wien: Staatssekretär Sebastian Kurz besuchte Lehrlinge der Überbetrieblichen Berufsausbildung
Politik informiert sich über Integrationserfolge - bfi Wien plant "Deutschkurse in der Türkei"

Wien (OTS) - Es ist ein Erfolgsprojekt der Integration und des
Zusammenlebens von Menschen mit Migrationshintergrund: Rund 200 junge
Männer und Frauen werden in der Überbetrieblichen Berufsausbildung
(ÜBA) am Standort Göllnergasse 15 des bfi Wien im dritten Wiener
Gemeindebezirk zu Fachkräften ausgebildet. Je nach Jahrgang beträgt
der Anteil der Lehrlinge mit nicht-österreichischen Wurzeln bis zu 80
Prozent - sie selbst, ihre Eltern und/oder Großeltern stammen aus dem
Ausland. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei und Serbien,
aber auch die Ukraine, Tschetschenien, Ägypten bzw. der arabische
Raum. Dass dies keine ernsthaften Reibereien mit sich bringt, und die
Lehrlinge teils schon während der Ausbildung am "freien" Arbeitsmarkt
gefragt sind, war Anlass für Sebastian Kurz, Staatssekretär für
Integration, sich ein Bild von diesem Integrationserfolg zu machen.
Mag. Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des bfi Wien, betonte
die Gleichwertigkeit des bfi Wien-Angebots mit dem "ersten
Arbeitsmarkt": "Die ÜBA ist eine vollwertige Lehre." Im Gegensatz zum
unternehmerischen Alltag, in dem oft weniger Zeit für Details bleibe,
"garantieren wir die komplette Abdeckung des Berufsbilds". Auch die
kaufmännische Geschäftsführerin des bfi Wien, Dr. Valerie Höllinger
unterstrich die Bedeutung der ÜBA. Unter anderem, weil sich die
Unternehmen zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung
entziehen und immer weniger Lehrplätze zur Verfügung stellen: "Wenn
hier nicht die öffentliche Hand eingreifen und Perspektiven schaffen
würde, stünden diese Jugendlichen auf der Straße." Walter Granadia,
Leiter der Lehrwerkstätte Göllnergasse, erklärte den Wert der ÜBA
anhand der KFZ-TechnikerInnen-Ausbildung: "Verglichen mit der
betrieblichen Lehre lernen die Jugendlichen weitaus mehr Automarken
und -modelle kennen: Ein Mercedes, ein Audi, ein Peugeot und ein
Fiat, das ist höchstens für den Laien einerlei. Unter der Motorhaube
sieht die Sache aber etwas anders aus."
Zusammen mit Hasan Kilic, Chefredakteur der in Österreich
publizierten türkischen Zeitschrift Sendika und Vertreter der
herausgebenden Initiative der MigrantInnen & Medienzentrum (IMMZ),
stellte das bfi Wien im Anschluss gemeinsam geplante
Integrationsmaßnahmen vor. Im Projekt "Empowerment durch Bildung"
sollen bildungsferne Personen mit Migrationshintergrund über
zielgruppenspezifische Medien und Vereine erreicht werden. Der
direkte Kontakt wird durch Vertrauenspersonen aus der jeweiligen
Community hergestellt. Durch niederschwellige Einstiegskurse mit
fachsprachlicher Unterstützung festigen die InteressentInnen ihre
Postion am österreichischen Arbeitsmarkt.
Ein Vorläuferprojekt haben von 2006 bis 2011 bereits über 1800
Personen mit Migrationshintergrund durchlaufen. Die Ausbildungen
fanden im Bereich Transportkurse statt: Hubstapler-, Bagger- und
Kranausbildungen sowie Weiterbildungen für BerufskraftfahrerInnen.
"Die Erfahrungen zeigen, dass bildungsferne bzw.
bildungsbenachteiligte Personen mit Migrationshintergrund über die
zielgruppenspezifischen Medien und Vereine sehr gut erreichbar sind",
so Kilic. Erhöhten Bedarf sieht das bfi Wien in Bereichen wie
Lagerlogistik, Kindergartenassistenz, Krankenpflege und EDV, sowie
beim Hauptschulabschluss für Erwachsene. Als mögliche
Kooperationspartner konnten bereits Vereine der türkischen sowie der
bosnisch-serbisch-kroatischen Community gewonnen werden.
Im Rahmen der Integrationsvereinbarung, die alle MigrantInnen
betrifft, die von außerhalb des EU- bzw. EWR-Raums kommen, ist seit
1. Juli 2011 der Nachweis von Grundkenntnissen der deutschen Sprache
nötig. Auf Initiative von Kilic prüft das bfi Wien die Möglichkeit,
Deutschkurse direkt in der Türkei anzubieten. Neben dem Spracherwerb
sei die Vermittlung von Geschichte und Kultur wichtig, betont Kilic,
um Vorurteile abzubauen, die auch bei MigrantInnen vorherrschen
könnten. Dem Verständnis für die Gleichberechtigung der Geschlechter
würde so ebenfalls ein Dienst getan, gleichzeitig könnten Vorbehalte
der ÖsterreicherInnen ausgeräumt werden. Eine Unterstützung durch die
österreichische Bundesregierung gäbe dem Projekt einen bedeutenden
Schub, sind die bfi Wien-Geschäftsführung und Hasan Kilic sicher.
Staatssekretär Sebastian Kurz zeigte sich aufgeschlossen, da Aus-
und Weiterbildung für ihn einen wichtigen Schlüssel für die
erfolgreiche Integration darstellen: "Ich begrüße jedes Projekt und
jede Maßnahme, die Migrantinnen und Migranten motivieren und ihnen
den Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützen." Bildungsprojekte für
MigrantInnen außerhalb Österreichs habe es bisher nicht gegeben,
jedoch sei das Konzept des bfi Wien und der IMMZ prüfenswert, was die
Umsetzung und den gesellschaftlichen Nutzen betrifft: "Für solche
Ideen bin ich grundsätzlich offen." Er werde gerne den Draht in die
zuständigen Abteilungen im Innenministerium bzw. im Außenamt legen,
so Kurz.
"Wir freuen uns sehr über das Interesse von Staatssekretär
Sebastian Kurz und der Bundesregierung an unserem Angebot", stellten
die Geschäftsführer Lackinger und Höllinger bei der Verabschiedung
fest.
Das bfi Wien bildet insgesamt rund 700 Lehrlinge in 15 Berufen an
mehreren Standorten aus und ist damit ein wichtiger Partner der vom
AMS gemeinsam mit dem waff finanzierten "Wiener Ausbildungsgarantie".
In der Lehrwerkstätte Göllnergasse sind die Bereiche Metall, Elektro
und Kraftfahrzeugtechnik angesiedelt. (Schluss)
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Rückfragehinweis:
Mag. Bernhard Madlener
T: 01-81178-10355
M: 0676-970 85 76
E: [email protected]
www.bfi-wien.at
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