WKÖ: Weg mit dem Märchen von der bösen Teilzeit

Teilzeit ist familienfreundliche, flexible und stark nachgefragte Arbeitsform

Wien (OTS/PWK002) - In letzter Zeit tauchen verstärkt Kampagnen auf, welche die Teilzeit als Arbeitsform schlecht reden und sie fälschlicherweise unter die "prekären" Arbeitsverhältnisse einreihen. "Mit dem Märchen, dass Frauen mit einem Teilzeitjob generell unzufrieden seien und daher mit allen Mitteln in Vollzeitstellen gedrängt werden müssen, muss endlich Schluss sein", betont Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Das Gegenteil ist der Fall:
Frauen wollen mehr und nicht weniger Teilzeitjobs. Dies zeigt die Statistik: Zuletzt war die Zahl der arbeitslosen Frauen mit Teilzeitwunsch fast 10 mal so groß wie die Zahl der offenen Teilzeitstellen. Die Kluft zwischen dem Wunsch nach Teilzeit und der Realisierbarkeit wird immer größer." Die Zahl der arbeitslosen Personen, zumeist Frauen, die einen Teilzeitjob suchten, erhöhte sich von November 2010 auf 2011 um 2.495 Personen.

Arbeiten in Teilzeit ist in den letzten 15 Jahren immer begehrter geworden. Während 1994 jede vierte Frau in Teilzeit beschäftigt war, ist es jetzt beinahe jede zweite. Aber auch für Männer wird Teilzeit immer beliebter, ihr Anteil verdoppelte sich im gleichen Zeitraum. Zudem nehmen immer mehr Studenten und Pensionisten Teilzeit in Anspruch. Auch für Wiedereinstiegerinnen ist Teilzeit die ideale Arbeitsform. Gleitsmann: "Das liegt daran, dass Teilzeitjobs attraktiv sind. Durch Teilzeit gelingt es weit besser, die Mehrfachaufgaben zwischen Familie und Beruf unter Dach und Fach zu bringen und auch, Stress bestmöglich zu vermeiden." Teilzeit als flexible Arbeitsform schafft eine Win- Win-Situation für alle: Für jene Arbeitsnehmer, die reduzierte oder flexible Arbeitszeiten schätzen, ebenso wie für die Betriebe, die damit besser und schneller auf neue Situationen, wie erweiterte Öffnungszeiten, reagieren können.

"Teilzeitjobs sind keineswegs nachteilig für die Arbeitnehmer, da es sich um normale Dienstverhältnisse handelt. Mit Vorurteilen sollte ein für alle Mal Schluss sein. In den letzten Jahren sind diese Arbeitsformen in unserem Sozialsystem sogar immer attraktiver geworden: "Teilzeitbeschäftigte zahlen mehrheitlich keine Lohnsteuer und keinen bzw. einen geringeren Arbeitslosenversicherungsbeitrag, sind aber voll versichert. Bei Mehrarbeit haben Teilzeitbeschäftigte Anspruch auf einen Zuschlag. Dies mag auch der Grund sein, dass der Boom in Teilzeit nach wie vor ungebremst anhält. Der Anteil an jenen, die in Österreich unfreiwillig in Teilzeit arbeiten, ist sehr gering und relativ stabil - nach der OECD waren es 2007 nur rund 11,7%".

"Es sollte daher Teilzeit nicht verteufelt werden. Es ist Zeit, zu erkennen, dass Teilzeit eine familienfreundliche, moderne Arbeitsform ist und damit ein wichtiger Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Erst kürzlich hat eine deutsche Studie das Potenzial erkannt, das in flexiblen familienfreundlichen Arbeitszeiten liegt. Das Bildungsniveau von Frauen und Müttern ist längst überdurchschnittlich, hier bleibt zuviel Potenzial ungenutzt, das unser Arbeitsmarkt dringend bräuchte," erläutert Gleitsmann. Die Studie des deutschen IZA rechnet mit 2 Millionen Arbeitsplätzen, die durch Frauen, die derzeit nicht erwerbstätig sind, besetzt werden könnten - drei Viertel davon durch Teilzeitarbeitsplätze. In der Aktivierung von derzeit nicht berufstätigen Frauen sieht die Studie ein wesentlich umfangreicheres Potenzial als in der Realisierung von Wünschen nach einer Ausweitung der Arbeitszeit. (PM)

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