Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Freiheit 2012"

Ausgabe vom 3. Jänner 2012

Wien (OTS) - Wohlstand und Demokratie sind in der jüngeren Geschichte dieses Planeten unzertrennlich gewesen. Länder wie Nordkorea halten dieses Begriffspaar aufrecht, doch in Nordkorea leben 24 Millionen Menschen. Die Erde ist von sieben Milliarden Menschen bevölkert.

Die Krise hat gelehrt, dass Länder wie China am besten durch ökonomische Katastrophen kommen. China ist weder eine Demokratie, noch eine annähernd gerechte Gesellschaft. China ist - nach europäischen Maßstäben - eine Diktatur reinsten Wassers.

Die vor allem bei den Wirtschaftsliberalen zu findenden Statistiker zeigen - Statistiken. Demnach steigt das Volksvermögen in China steil an, während es in Europa und den USA stagniert.

Was diese Statistik nicht zeigt, ist die Verteilung des Wohlstandes. Es gibt in keinem anderen Land der Welt so große Unterschiede beim Einkommen wie in China. Wie dieses Faktum mit einer kommunistischen Grundordnung zusammengehen kann, können nicht einmal hartgesottene Mitglieder des Zentralkomitees erklären. Den Neoliberalen gefällt das, und sie verwenden China auffällig oft als Beispiel - als positives Beispiel.

Die USA und mehr noch Europa sollten daher - neben ihrer Schuldendebatte - im Jahr 2012 die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit in Gesellschaften stellen. Und sie sollten, solange sie in den internationalen Institutionen wie der Welthandelsorganisation, der Weltbank, dem Währungsfonds, der Internationalen Arbeitsorganisation ILO oder der Welternährungsorganisation FAO noch das Sagen haben, eine gemeinsame Sprache finden.

Es wird die große Frage 2012 werden, ob die westlichen Demokratien -trotz Schuldenkrise - zueinander finden oder Länder wie China die Oberhand gewinnen. Abseits der Blödheit der Ratingagenturen, der groben Fehler der gewählten Politiker und der Unverschämtheit westlicher Banken geht es darum, welches System obsiegt. Wenn 2011 fortgeschrieben wird, heißt der System-Sieger China.

Für multinationale Unternehmen mag diese Frage vordergründig egal sein. Für die Bürger dieser Welt ist es freilich ein Unterschied. Freiheit ist der größte Wert, den es gemeinsam zu verteidigen gilt, und je früher dies geschieht, desto geringer sind die Opfer.

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