ÖÄK-Dorner: Bestehende Strukturen verbessern, statt Ausgaben kürzen

Ärztekammer-Chef übt Kritik an VP-Klubobmann Kopf

Wien (OTS) - Kritik an den Gesundheits-Sparplänen von ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf übte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, am Montag in einer Aussendung. Er halte nichts von "Zahlenspielereien rund um Ausgabenkürzungen im Gesundheitswesen". Wer als Politiker seine soziale Aufgabe ernst nehme, werde dazu stehen müssen, dass es angesichts der steigenden Lebenserwartung und der damit verbundenen Zunahme vor allem chronischer Erkrankungen einerseits und des Fortschritts der Medizin andererseits nur schwer vertretbar sei, für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung immer weniger Geld auszugeben.

Dennoch könne nach den Vorstellungen der ÖÄK das Kostenwachstum erheblich eingeschränkt werden, indem bestehende, wenig effiziente Strukturen neu geordnet würden. "Die Aufgaben der stationären Versorgung durch die Spitäler gehören klar getrennt von der Akutversorgung in den Spitalsambulanzen und den Aufgaben der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte", erklärte der oberste Ärztevertreter.

Akutordinationen

Wohnortnahe Ordinationen und neue Kooperationsformen von niedergelassenen Ärzten könnten einen Gutteil der Versorgungsaufgaben übernehmen, die in den Spitalsambulanzen zu unhaltbaren Überlastungen führten. Dabei verwies Dorner auf das kürzlich von der Ärztekammer angeregte Modell der Akutordinationen. Diese könnten als den Spitälern vorgeschaltete allgemeinmedizinische Einrichtungen dafür sorgen, dass echte Notfälle sofort behandelt werden - je nach medizinischer Erfordernis entweder im Krankenhaus oder in der Akutordination. Patienten, bei deren Beschwerden keine Akutbehandlung notwendig sei, würden an den entsprechenden Fach- oder an den Hausarzt überwiesen.

Hausarztmodell

"Ein weiterer wichtiger Schritt zur Einbremsung des Kostenwachstums ist aus Sicht der Ärztekammer das Hausarztmodell", hält Dorner fest. Schließlich habe auch der Rechnungshof die enorme Belastung der Spitalsambulanzen nicht nur durch Erst-, sondern auch durch Nachbehandlungen bestätigt. Würde man die Hälfte dieser Nachbehandlungen in den dafür bestens gerüsteten niedergelassenen Bereich verlagern, ergäbe sich eine jährliche Kostenersparnis in Millionenhöhe.

Das Hausarztmodell sieht vor, dass sich Patienten einen Haus- und Vertrauensarzt wählen, der sie zielgerichtet durchs Gesundheitssystem lotst und im Idealfall ein Leben lang betreut. Das erspare, so Dorner weiter, dem Patienten unter Umständen überflüssige und oft auch belastende Untersuchungs- und Behandlungsschritte und dem Gesundheitssystem unnötige Kosten. Ein weiterer Vorteil für den Patienten liege in dem gestärkten Vertrauensverhältnis zu seinem Hausarzt. Dieser kenne mit der Zeit das Umfeld des Patienten immer besser und könne so auch psychosoziale Krankheitsursachen in die Diagnose und Behandlung einbeziehen. Die Funktion des Haus- und Vertrauensarztes könnten neben Allgemeinmedizinern auch Fachärzte übernehmen (z.B. Gynäkologen, Internisten oder Kinderärzte). (ar/ms)

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