AK zu Streichvorschlägen bei der Bahn: zukunftsfähige Verkehrspolitik muss möglich bleiben
Tumpel: Die Zahl der PendlerInnen in der Ostregion steigt. Jetzt nicht am falschen Ende sparen
Wien (OTS) - "Gerade bei einem so wichtigen Unternehmen wie der
Bahn ist Sparen am falschen Platz am Ende die teuerste Lösung und ein
Anschlag auf die Nahversor-gung mit Öffis", sagt AK Präsident Herbert
Tumpel zur Spardiskussion um die Bahn. In den vergangenen Jahren ist
die Zahl der BerufspendlerInnen nach Wien ständig gestiegen. Allein
unter den Mitgliedern der AK Wien stieg die Zahl der EinpendlerInnen
von 2006 auf 2011 von rund 170.000 auf über 190.000. Und es ist davon
auszugehen, dass es Jahr für Jahr mehr werden. "Wenn Wien nicht im
Verkehr ersticken soll, brauchen wir ein gut ausgebautes Angebot für
die Pendlerinnen und Pendler", so Tumpel.
Unter diesen Vorzeichen den Rotstift ausgerechnet bei für die
BahnpendlerInnen wichtigen Strecken anzusetzen, wäre genau das
falsche Signal. Das gilt vor allem für die Kürzungsvorschläge bei den
Nahverkehrsbestellungen des Bundes den sogenannten
"ge-meinwirtschaftliche Leistungen", die erst 2011 für die nächsten
Jahre das Grundangebot auf der Schiene gesichert haben. Wer hier den
Rotstift ansetzt, streicht direkt das Fahrplanangebot zusammen. Aber
auch mit Streichungen beim Ausbau der Pottendorfer Li-nie, der
Strecke Gänserndorf-Marchegg oder Schwechat-Götzendorf, die
Verbesserun-gen bei wichtigen Verbindungen in Richtung Osten bringen
sollen, würden die PendlerInnen ausgebremst. "Das heißt, den Vekehr
von der Schiene zurück auf die ohnehin überfüllten Straßen zu lenken,
statt umgekehrt den öffentlichen Verkehr attraktiver zu ma-chen", so
Tumpel. Auch der Semmering-Tunnel müsse schnell kommen: Damit wäre
ein wichtiges Nadelöhr auch im inländischen Güterverkehr beseitigt.
Mehr Verkehr könnte von der Straße auf die Schiene verlagert werden.
Die Vorschläge wie etwa den Postbus zu privatisieren, sieht
Tumpel kritisch. Nur Bahn und Bus in enger und sinnvoller Abstimmung
können eine gute Nahverkehrsversorgung im ländlichen Raum
garantieren. "Wer den Postbus privatisieren will, muss sich fragen
lassen, wie wichtig ihm die Mobilität gerade für die Menschen am
Lande ist. Auch der Vorschlag unrentable Strecken zu privatisieren,
ist in Wirklichkeit ein Aufruf zur Stilllegung. So stellt man ganze
Ortschaften ans Abstellgleis", warnt Tumpel. Eine kurzfristige
Effekthascherei mit teuren Spätfolgen wäre der Verkauf wichtiger und
rentabler ÖBB-Kraftwerke oder von betriebsnotwendigen Immobilien.
Denn die bringen den ÖBB pro Jahr rund 100 Millionen Euro Gewinn:
Geld, das die SteuerzahlerInnen, dann nicht zuschießen müssen.
Einsparpotenzial dagegen sieht die AK beim Brenner-Basis-Tunnel.
In Anbetracht der angespannten Budgetsituation soll sich Österreich
rasch um eine Überprüfung aller Verpflichtungen und Verträge bemühen.
Ziel sollte ein Moratorium für mindestens 5 Jahre sein, das weitere
Maßnahmen beziehungsweise den Bau selbst bis dahin stoppt. Ohne
Sicherstellung der Ausfinanzierung muss das gesamte Projekt in Frage
gestellt werden.
Ute Bösinger
Tel.: (+43-1) 501 65-2779
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