• 16.12.2011, 10:21:53
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AKH-Protest wird zum Flächenbrand: Acht weitere Spitäler protestieren

Wiens Spitäler werden ausgeblutet: Verlust der Versorgungsqualität droht

Wien (OTS) - Acht weitere gemeinnützige Wiener Spitäler schließen
sich den Protesten des Wiener AKH an. Die Ordensspitäler, die in der
medizinischen Arbeit eng mit dem AKH zusammenarbeiten, fordern die
finanzielle Gleichbehandlung aller Wiener Spitäler. "Einige Wiener
Spitäler werden ausgeblutet. Das AKH ist nur der aktuelle Anlassfall.
Die acht gemeinnützigen Wiener Ordensspitäler werden seit zehn Jahren
immer stärker von Patienten in Anspruch genommen, ohne dass die
Leistungserlöse entsprechend erhöht wurden. Die Stadt Wien hat in den
aktuellen Verhandlungen das Limit überschritten. Wir können nicht
mehr", erklärt Dr. Manfred Greher, Ärztlicher Direktor des Herz-Jesu
Spitals und Sprecher der Plattform der acht Wiener Ordensspitäler,
den Grund für die Ausweitung der Proteste. +++

"Fälschlich wurde in den Medien behauptet, dass unsere
Finanzmittel im Vorjahr deutlich angehoben worden wären. Nicht
erwähnt wurde dabei jedoch, dass man uns im Gegenzug
Investitionsmittel im annähernd gleichen Ausmaß gekürzt hat. Faktum
ist, dass unsere Leistungserlöse seit zehn Jahren nicht einmal
valorisiert wurden, wir also jedes Jahr reale Kürzungen hinnehmen
mussten", erklärt Greher.
Bisher konnten die Ordensspitäler auf diese realen Kürzungen stets
mit einer Steigerung der Produktivität reagieren. Greher: "Diese
Möglichkeiten sind mittlerweile aufgebraucht, weitere
Rationalisierungen wären unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
nicht mehr zumutbar."

Folgende Spitäler schließen sich den Protesten an:
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, 2. Bezirk
Herz-Jesu-Krankenhaus, 3. Bezirk
Krankenhaus St. Elisabeth, 3. Bezirk
Hartmannspital, 5. Bezirk
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, 6. Bezirk
Orthopädisches Spital Speising, 13. Bezirk
St. Josef-Krankenhaus, 13. Bezirk
Krankenhaus Göttlicher Heiland, 17. Bezirk

Wien hat ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem, das zur hohen
Lebensqualität der Stadt beiträgt. Zu einem hohen Anteil liegt das
auch an den Leistungen der Ordensspitäler, die rund 20 Prozent der
Wiener Bevölkerung versorgen. AKH und Ordensspitäler zusammen
erbringen die Behandlungsleistungen für rund 45 Prozent der Wiener
Patienten.

"Durch unüberlegte Kürzungen wird die Versorgungssicherheit in
Gefahr gebracht. Bei den städtischen Spitälern (dem KAV) wurden nach
heftigen Protesten vieler der geplanten Einsparungen bereits
zurückgenommen. Jetzt sollen offenbar die anderen neun gemeinnützigen
Spitäler - das AKH und die Ordenskrankenhäuser - ausgeblutet werden",
so der Ärztliche Direktor des Hartmannspitals, Dr. Marcus Franz.

Als Krankenhäuser mit öffentlichem Auftrag versorgen die acht
Wiener Ordensspitäler ein Fünftel der Wiener Patientinnen und
Patienten, unabhängig von Herkunft, Religion, sozialer Lage und
Versicherungsverhältnis. Die Fortsetzung ihrer Arbeit für die Wiener
Bevölkerung ist jedoch bedroht, denn die Stadt Wien verweigert eine
faire Abgeltung der Leistungen. Die Verhandlungen zwischen den
Ordenskrankenhäusern und der Stadt Wien über die zukünftige
Finanzierung sind ergebnislos verlaufen. Der Gesamtleiter des
Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Dr. Reinhard Pichler sieht
deshalb einen kritischen Punkt erreicht: "Wir stehen finanziell mit
dem Rücken zur Wand. Es darf nicht länger mit zweierlei Maß gemessen
werden."

Die Forderungen der gemeinnützigen Wiener Ordenskrankenhäuser:

1. Gleichbehandlung für alle gemeinnützigen Wiener Spitäler,
unabhängig vom Träger.

2. Ein deutliches Bekenntnis der Wiener Gesundheitspolitiker zu den
acht gemeinnützigen Ordenskrankenhäusern sowie die Anerkenntnis
dieser Leistungen für die Wiener Gesundheitsversorgung.

3. Umsetzung der Forderung des Rechnungshofs nach einem fairen
Finanzierungssystem:
Die Ordensspitäler erhalten derzeit für gleichwertige Leistungen im
Durchschnitt 40 % weniger als die städtischen Spitäler. Pichler: "Wir
fordern keineswegs die Anhebung auf dieses Niveau, aber wir wollen
mittelfristig ein System der kostendeckenden Finanzierung." Gerade
in Zeiten knapper öffentlicher Finanzen ist es gesamtwirtschaftlich
sinnvoll, die Ordensspitäler zu stärken, betont Pichler: "Wir
erbringen unsere Leistungen effizient und sehr kostengünstig. Wir
sind gewissermaßen die Schuldenbremse im Gesundheitssystem."

4. Eine Anhebung der Mittel für 2012 um 18 Millionen Euro.
Diese Summe wurde von den durch die Stadt Wien eingesetzten Prüfern
selbst als Mehrbedarf festgestellt. Seit zehn Jahren wurden die
Finanzmittel für die Ordensspitäler nicht angepasst, obwohl die
Wienerinnen und Wiener dort kontinuierlich mehr Leistung in Anspruch
genommen haben. Jahrelang haben die gemeinnützigen Ordensspitäler
diese Benachteiligungen einfach hingenommen und versucht, durch
Effizienzsteigerungen die realen Kürzungen aufzufangen. Pichler: "Die
politisch Verantwortlichen der Stadt Wien sollten ihren eigenen
Experten vertrauen und die dringend benötigten Mittel zur Verfügung
stellen."

Die systematische Benachteiligung der Ordensspitäler ist übrigens
ein Wiener Spezifikum. In Ländern wie Salzburg, Oberösterreich, Tirol
und Burgenland sind gemeinnützige Ordensspitäler den Spitälern der
öffentlichen Hand in der Finanzierung weitgehend gleichgestellt.
Die acht Wiener Ordenskrankenhäuser fordern die politisch
Verantwortlichen der Stadt Wien dazu auf, die angespannte Situation
durch verantwortungsvolles Handeln zu entschärfen. Die Ordensspitäler
fordern einen Dialog mit der Stadt Wien über Reformen, mit denen die
faire und langfristige Finanzierung der Wiener Ordensspitäler
sichergestellt wird.

"Das wäre gleichzeitig ein wesentlicher Beitrag zur Sicherstellung
der nachhaltigen Finanzierbarkeit des Wiener Gesundheitssystems. Wir
haben mehrmals unsere Bereitschaft gezeigt, an einer solchen
nachhaltigen Systemreform mitzuarbeiten. Von der Stadt Wien wurden
wir dabei immer nur auf die Zukunft vertröstet. Unser Ziel ist die
Sicherung des hochwertigen, weltberühmten Wiener Gesundheitswesens
mit Qualität und menschlichem Zugang zu den Patienten. Die Basis
dafür ist, dass alle Leistungserbringer fair behandelt werden", so
Hartmann-Direktor Franz.

Rückfragehinweis:
Dr. Marcus Franz
Ärztlicher Direktor Hartmannspital
546 05 - 2460

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