• 28.11.2011, 12:18:37
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Werbeagenturbranche fordert Richtlinie für faire und transparente Vergaben

Werbung fordert vom Gesetzgeber verbindliche Richtlinien für die Vergabe öffentlicher Kreativleistungs-Etats, die für alle öffentliche Stellen gelten sollen

Wien (OTS/PWK866) - "Der Unmut in der Werbebranche ist seit
vielen Jahren groß. Eine Reform des Vergaberechts und der
öffentlichen Auftragsvergabepraxis ist überfällig", fordert Angelika
Sery-Froschauer, Obfrau des Fachverbandes Werbung und
Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Die Branchenvertreter kritisieren vor allem das
Bundesvergabegesetzes, denn dies sei nicht für die Vergabe von
Kommunikationsaufgaben gemacht und daher ungeeignet. "Es muss auf
zentrale Branchenusancen Rücksicht genommen werden", so Michael
Himmer, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der
Wirtschaftskammer Wien.

Mariusz Jan Demner, Geschäftsführender Gesellschafter von Demner,
Merlicek & Bergmann, betont: "Es gibt in der Branche großes Klagen
über nicht nachvollziehbare, oft auch unverständliche
Ausschreibungen. Statt bloß zu jammern, sollten wir alle aktive
Beiträge leisten, damit sich das zum Besseren wendet. In einer Zeit,
in der die Werbe- und PR- Branche plötzlich im Mittelpunkt handfester
Skandale steht, ist es wichtig, dass wir in Eigeninitiative dagegen
steuern. Wir können und müssen darauf drängen, dass die Vergaben von
Kreativaufträgen im öffentlichen Bereich in jeder Phase formal und
inhaltlich den Aufgabenstellungen gerecht werden, dass sie
transparent und einwandfrei nachvollziehbar sind."

Die Werbeexperten fordern von der Bundesregierung die Erstellung
einer fachlichen Richtlinie für die Vergabe öffentlicher Aufträge,
die für alle öffentlichen Stellen verbindlich gilt. Zusätzlich werden
folgende häufig vorkommende Ausschreibungspraktiken kritisiert:

- Unklare Aufgabendefinition: Viele Ausschreibungen enthalten
keinerlei Informationen über den geplanten Umfang der Tätigkeit oder
den geplanten Etat.
- Zu hohe Eintrittsschwelle: Mit zu hohen "Nachweisen über
finanzielle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit" wird die Auswahl
unnötig auf einen sehr kleinen potentiellen Bieterkreis beschränkt.
Viele kreative Anbieter sind somit von vornherein ausgeschlossen.
- Behinderung bei Arbeitsgemeinschaften: Für Subunternehmer, die
einen Teil der Leistung erbringen sollen, sind alle Nachweise wie für
den Auftragnehmer zu erbringen. Die in der klein strukturierten
Agenturlandschaft Österreichs viel geübte Praxis von
Projektkooperationen wird dadurch erheblich erschwert.
- Zu selektive Anerkennung von Projektreferenzen: Häufig werden nur
Referenzen anerkannt, die in "diesen Merkmalen mit dem
gegenständlichen Projekt vergleichbar" sind. Für interessierte
Agenturen bedeutet dies: "Stochern im Trüben".
- Knappe Fristen: Die für einen Zwei- oder Drei-Jahres-Etat knappen
Fristen sind in Kombination mit vagen Angaben über
Kommunikationsaufgaben und -ziele nicht dazu angetan, eine optimale
Voraussetzung für eine gute Agenturentscheidung zu schaffen.

"Die Vergabepraxis ist nicht nur aus Sicht der
Kommunikationsbranche zu kritisieren, auch aus Sicht der Auftraggeber
sollte das Interesse an fairen und transparenten Vergaben von
professioneller Kommunikation groß sein", argumentiert Himmer:
"Kommunikation ist eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Hand.
Öffentliche Aufträge müssen daher nach klaren und nachvollziehbaren
Regeln vergeben werden, damit die Kommunikation auch bei der
Zielgruppe ankommt."

Darüber hinaus sollten auf keinen Fall Ausschreibungen von
Branchenunerfahrenen durchgeführt werden. "Dies fördert nur die
Geldbeschaffung Einzelner", so Himmer. Kreativität kann nicht allein
mit juristischem Sachverstand begründet werden. Genauso wenig zählt
es zum Kerngeschäft von Werbeagenturen, Rechtsvertretungen vor
Gericht zu übernehmen.

Die Kreativbranche fordert, dass alle Aufträge für öffentliche
Kampagnen fair und transparent ausgeschrieben werden. "Ohne
professionelle und marktkonforme Ausschreibungen ist auch die Chance
gering, den für die jeweilige Kommunikationsaufgabe am besten
geeigneten Partner zu finden. Das würde auch einen effektiveren
Einsatz von Budgetmitteln zur Folge haben", so Sery-Froschauer,
Demner und Himmer abschließend. (AC)

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Österreich
   Fachverband Werbung & Marktkommunikation
   Mag. Markus Deutsch
   Tel.: 05 90 900-3539
   E-Mail: [email protected]
   Internet: www.wko.at/werbung

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