• 23.11.2011, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG 2Leitartikel" vom 24. November 2011 von Wolfgang Sablatnig "Angekommen in der Heeres-Realität"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Mit dem Verkauf oder der Verschrottung von
zwei Dritteln seiner Panzer nähert sich das Bundesheer einer
Wirklichkeit an, die von leeren Kassen und vielen offenen Fragen zur
Zukunft geprägt ist.

Einem Soldaten mag es die Tränen in die Augen treiben. Dennoch hat
Norbert Darabos Recht, wenn er zwei Drittel der Bundesheer-Panzer
verkauft oder verschrottet. Viele dieser teils jahrzehntealten
Fahrzeuge waren schon bisher nicht mehr wirklich in Betrieb. Und die
anderen müssen künftig nicht mehr um teures Geld betrieben werden, um
darauf Soldaten auszubilden, die mit ihrem schweren Gerät mit
Sicherheit nie in einen Einsatz gehen werden.
Mit dem Abstoßen von 750 größeren und kleineren Panzern führt Darabos
das Bundesheer in eine Realität, in der dieses längst angekommen ist.
In Österreich selbst ist es die Realität der Schuldenbremse, die von
allen Ministern Einsparungen fordert. Um alle rechnerischen und
buchhalterischen Unschärfen bereinigt, steht für das Bundesheer im
kommenden Jahr weniger Geld zur Verfügung als heuer. Betrieb,
Erhaltung und Verbesserung von Waffen und Infrastruktur kann Darabos
nur ausreichend sicherstellen, wenn er auf Rücklagen zurückgreift,
die er in den vergangenen Jahren angelegt hat. Da sind selbst 17
Millionen Euro als Einmaleffekt und 15 Millionen Euro an laufenden
Einsparungen beim Betrieb viel Geld.
Im sicherheitspolitischen Umfeld führt Darabos das Bundesheer in die
Realität einer Welt, die sich seit dem Kalten Krieg weitergedreht
hat. Diese Erkenntnis hat sich in den Planungs- und Strategiepapieren
von Heer und Regierung längst durchgesetzt. Noch bei der
schwarz-blauen Bundesheer-Reform von Wolfgang Schüssel und Günther
Platter fehlte aber der Mut für drastische Einschnitte bei den
Panzern. Die Soldaten müssten den "Kampf der verbundenen Waffen"
beherrschen, um für internationale Einsätze vollständig geschult zu
sein, hieß es damals.
Heute gibt es das Verteidigungsministerium billiger. Plötzlich reicht
auch weniger als die Hälfte der Leopard-Kampfpanzer für den
Ausbildungszweck. Darabos darf sich wohl über für ihn selten
gewordene Positiv-Schlagzeilen freuen. Auch der neue Libanon-Einsatz
des Bundesheeres, der dieser Tage richtig startet, wird ihm Punkte
bringen.
Zur Realität des Verteidigungsministers gehört aber auch, dass das
Bundesheer in eine ungewisse Zukunft schlingert. Berufsheer,
Strukturreform, das unklare Verhältnis zu General Edmund Entacher -
Darabos hat viele offene Baustellen. Seine Radikalkur bei den Panzern
bietet ihm da nur eine kurze Verschnaufpause.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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