• 21.11.2011, 12:50:08
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Ordenstagung: "Nicht über, sondern mit Muslimen sprechen"

Jahrestagung des Missionsreferates der Ordensgemeinschaften in Wien im Zeichen des christlich-islamischen Dialogs

Wien, 21.11.11 (KAP) "Nicht über, sondern mit Muslimen sprechen."
Diese Devise hat der Wiener katholische Pfarrer und Islamexperte
Martin Rupprecht den in den österreichischen Orden für
Missionsfragen Verantwortlichen mit auf den Weg gegeben. Rupprecht
ist auch Leiter der Kontaktstelle für christlich-islamische
Begegnung in der Erzdiözese Wien. Er berichtete am Montag in Wien
bei der Jahrestagung des Missionsreferates der heimischen
Ordensgemeinschaften von seinen Erfahrungen mit Muslimen. Über die
ambivalenten Erfahrungen der Christen im Nahen Osten mit dem Islam
berichtete im Anschluss Prof. Hans Hollerweger, Obmann der
"Initiative Christlicher Orient" (ICO).

Laut Rupprecht ist es Aufgabe der Kirche, eine Perspektive zu
entwickeln, die Frieden stiftet: "Wir müssen endlich ein aktives
Programm entwickeln, das den positiven Willen vieler Muslime ernst
nimmt, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Wir sollten beginnen,
nicht mehr über Muslime, sondern mit ihnen zu sprechen und zu
planen." Islamische Bedrohungsszenarien - auch von kirchlicher Seite
- wies er zurück.

Der in Wien lebende türkische Muslim Taceddin Kutay wies auf die
große Vielfalt im Islam hin. Er wolle und könne deshalb auch nicht
für "den" Islam sprechen bzw. sich rechtfertigen. Kutay lebt seit
acht Jahren in Wien, er gehört einer Sufi-Vereinigung an. Ein großes
Hindernis für ein besseres gegenseitiges Kennenlernen seien die
kulturellen Unterschiede. Wenn Fremde neu zuziehen, würden die
Österreicher erwarten, dass sich die Neuen vorstellen kommen. Im
Orient sei es genau umgekehrt, Neuankömmlinge würden gastfreundlich
begrüßt und aufgenommen. Hier brauche es Bemühungen von beiden
Seiten, so Kutay.

Über ambivalente Erfahrungen der Christen im Orient mit dem Islam
berichtete Prof. Hans Hollerweger, Obmann der "Initiative
Christlicher Orient" (ICO). Grundsätzlich sei im Nahen Osten ein
friedliches Zusammenleben von Christen und Muslime möglich. Durch
politische Umstände oder Aktionen fundamentalistischer Bewegungen
könne sich die Situation aber jederzeit ändern und die Christen
würden bedrängt oder gar verfolgt, so Hollerweger.

Auf der Ebene der Gebildeten sei vieles möglich, jedenfalls ein
"Dialog des Lebens" in dem man sich um gegenseitige Toleranz bemüht
und einander auch praktisch hilft, mitunter könnten auch
theologische Fragen diskutiert werden. Doch auch im optimalsten Fall
blieben die Christen in islamischen Ländern Menschen zweiter Klasse.
Hollerweger: "Eine historische Tatsache durch Jahrhunderte lässt
sich nicht von heute auf morgen ändern, auch nicht bei bestem Willen
und geänderten Gesetzen."

Die Jahrestagung des Missionsreferats fand im Rahmen der
Herbsttagung der österreichischen Ordensgemeinschaften vom 21. bis
23. November im Kardinal-König-Haus statt. Ein
"Kathpress"-Themenpaket dazu ist unter www.kathpress.at/orden
abrufbar.

Mehr auf www.kathpress.at (forts. mgl.) gpu/ssc/

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