- 17.11.2011, 10:26:06
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Baustelle Zentralmatura: Schulpartner verlangen von BM Schmied seriöse Vorbereitung
Nur was sich im Matura-Schulversuch bewährt hat, darf flächendeckend umgesetzt werden!
Wien (OTS) - Alle SchülerInnen der Allgemeinbildenden Höheren
Schulen, die sich derzeit in der 10. Schulstufe (6. Klasse) befinden,
müssen bereits zur Zentralmatura antreten. In manchen Gegenständen
sind die Vorbereitungen dafür noch lange nicht abgeschlossen,
weswegen eine seriöse Vorbereitung der SchülerInnen darauf im
Unterricht nicht möglich ist. Deshalb sehen sich alle
SchulparterInnen gezwungen, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu
treten.
Ing. Theodor Saverschel, MBA, Präsident des Bundesverbandes der
Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, zeigte sich namens
der Elternschaft bei einer Pressekonferenz aller Schulpartner höchst
besorgt über die für das Schuljahr 2013/2014 geplante Zentralmatura:
"Während die Matura-Schulversuche in den Fremdsprachen - vor allem in
Englisch und Französisch - recht positiv verlaufen, gibt es in
Mathematik so gut wie keine Erfahrungen. Geht es nach dem
Unterrichtsministerium, so soll es nur mehr Feldtestungen geben. Es
wird offensichtlich vergessen, dass es sich hier um Menschen handelt,
die zum Handkuss kommen. Da es weder fertige Unterlagen für
SchülerInnen noch für LehrerInnen gibt, hängt der Erfolg auf Gedeih
und Verderb vom Engagement des jeweiligen Lehrers, der jeweiligen
Lehrerin ab. Somit kristallisiert sich so etwas wie eine göttliche
Gnade der Lehrerzuteilung heraus."
Die Bundesschulsprecherin Conny Kolmann bringt die Besorgnis der
SchülerInnen auf den Punkt: "Schüler sollen keine Versuchskaninchen
einer unausgegorenen neuen Reifeprüfung werden. Ich nehme die
Ministerin beim Wort ihres eigenen Ministeriums. Am 21. Oktober 2008
wurde in einem ministeriellen Schreiben angekündigt, dass Lehrplan
und Unterlagen bereits der neuen Matura angepasst sind, wenn der
erste Jahrgang, für den die Zentralmatura gilt, in die 9. Schulstufe
kommt."
"Leider kann oder will sich BM Schmied nicht an die Vorgaben ihres
eigenen Ministeriums halten, obwohl wir sie seitens der
Lehrervertretung immer wieder auf die drohende Katastrophe
hinweisen", ergänzt Mag. Dr. Eckehard Quin, der Vorsitzende der
AHS-Gewerkschaft.
Conny Kolmann formuliert die gemeinsame Linie aller Schulpartner:
"Nur Schülerinnen und Schüler, die in der Sekundarstufe II, d.h. in
der gesamten Oberstufe, mit den entsprechenden Unterrichtsmitteln und
der entsprechenden Schwerpunktsetzung unterrichtet worden sind,
sollen nach den neuen Regeln die Reifeprüfung ablegen."
Theodor Saverschel ergänzt: "Es ist unverständlich, dass hier zu
Lasten unserer Kinder, und das werden sie für uns Eltern immer sein,
mit Gewalt versucht wird, am Zeitplan in den Fächern, in denen von
seriöser Erprobung keine Rede sein kann, festzuhalten."
Eckehard Quin schlägt in die gleiche Kerbe: "Es ist einfach
hanebüchen, die seit vielen Jahren in Schulversuchen erprobte
Englischmatura als Vorwand zu benutzen, um in Fächern wie Deutsch und
Mathematik auf jede Erprobung zu verzichten. Wir Lehrer wollen unsere
Schüler nicht durch dichten Nebel auf die neue Reifeprüfung
zusteuern."
"Aus Schaden wird man klug. Dass die Schulpolitik aus dem Schaden
der ersten Jahrgänge klug werden will, können wir Schülerinnen und
Schüler nicht einmal als schlechten Scherz sehen. Auch wenn wir an
die nicht vorhandenen Lehrbücher denken, vergeht uns das Lachen", so
Conny Kolmann zur dilettantischen Vorgangsweise.
Theodor Saverschel sorgt sich um den Erhalt einer soliden
Allgemeinbildung, nicht zuletzt was die Literatur im
Deutschunterricht anlangt: "Auch die IG Autorinnen und Autoren hat
sich dagegen ausgesprochen. Es ist ja geradezu unglaublich, dass
Weltliteratur nicht mehr Bestandteil der Matura sein soll!"
Eckehard Quin weiß von großen Sorgen der Schulbuchautoren: "Sie
sind unglücklich, weil sie z.B. in Mathematik überhaupt nicht wissen,
welche Beispiele sie aufnehmen sollen, da die Ministerin erst mit 1.
Oktober eine neue Entwicklungsgruppe für die Mathematik-Matura
eingesetzt hat. Über ein Jahr, nachdem schon alles inklusive
Lehrbücher fertig sein müsste, wird eine Gruppe erst beauftragt!"
Quin erinnert nochmals an eine seit Jahren erhobene Forderung der
Schulpartner: "Eine teilzentrale schriftliche Matura, bei der
Grundkompetenzen unabhängig vom Schultyp österreichweit an allen
Schulen abgeprüft werden. Diese Grundkompetenzen und die Lehrinhalte,
an denen sie abgeprüft werden sollen, müssen im Lehrplan klar
definiert sein. Alles, was dadurch nicht abgedeckt wird, sollen die
unterrichtenden Lehrkräfte in einem nicht-zentralen Teil der Matura
prüfen. So wären einerseits ein Mindestlevel und die von allen
gewünschte Vergleichbarkeit gewährleistet. Andererseits könnte auf
die Schwerpunkte der Schulform, der Schule und der Klasse Rücksicht
genommen werden."
Conny Kolmann fordert: "Unterricht muss so stattfinden, dass er
mit der Matura zusammenpasst - z.B. ohne Taschenrechner oder mit
Lexikon. Aber da erfährt man jeden Tag etwas anderes. Dürfen wir
jetzt einen Taschenrechner verwenden oder nicht? Dürfen wir ein
Lexikon verwenden oder nicht? Das muss doch alles entsprechend
trainiert werden! Kein Mensch käme auf die Idee, sich mit
Fußballtraining für ein Volleyballturnier vorzubereiten."
Theodor Saverschel bietet der Ministerin konstruktive
Zusammenarbeit an. "Setzen wir uns gemeinsam an einen Tisch! Reden
wir über Termine und seriöse Vorbereitung! Und richten wir den Fokus
nur auf eines: unseren Schülerinnen und Schülern eine gerechte und
seriöse Reifeprüfung zu ermöglichen!", so der Elternvertreter.
Die SchulpartnerInnen fordern deshalb unisono: "Nur was sich im
Matura-Schulversuch bewährt hat, darf flächendeckend umgesetzt
werden!"
Rückfragehinweis:
Conny Kolmann, Bundesschulsprecherin 0664 960 15 72 [email protected] Paul Hollnagel Ass. d. Präsidenten des Bundeselternverbandes Strozzigasse 2/4/422, 1080 Wien Tel: 0680 - 141 1 142 Mail: [email protected] Mag. Matthias Hofer, Mediensprecher der AHS-Gewerkschaft 0664 46 04 153 [email protected]
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