OTS0183   7. Nov. 2011, 14:00

Prälat Leopold Ungar JournalistInnenpreis 2011 von Caritas und Raiffeisen vergeben

Barbara Tóth, Kurt Langbein, Gottfried Derka, Christian Brüser und Ulrike Gladik für sozial engagierten Journalismus ausgezeichnet


Mit dem Prälat Leopold Ungar JournalistInnenpreis in
der Kategorie TV wurden am Montag Abend die beiden ORF-Journalisten
Kurt Langbein und Gottfried Derka für ihren "Kreuz & Quer"-Beitrag
"Vom Sinn des Gebens" ausgezeichnet. Die Falter-Journalistin Barbara
Tóth ist mit "Yusofs Odyssee" die Preisträgerin im Bereich Print, in
der Kategorie Hörfunk überzeugte Christian Brüser (Ö1) mit einer
Reportage über "Landgrabbing". Ulrike Gladik wurde für ihren
Online-Beitrag über die angebliche "Bettelmafia" geehrt. Für den
renommierten Preis haben auch in diesem Jahr wieder zahlreiche
JournalistInnen eingereicht: Insgesamt erreichten die Jury 142
Einsendungen, davon 46 in der Kategorie TV, 47 in der Kategorie
Print, 35 in der Kategorie Hörfunk und 14 in der Kategorie Online.
Der Preis, der im Sinne des Lebenswerkes von Prälat Leopold Ungar
bereits zum achten Mal von der Caritas der Erzdiözese Wien und der
Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien vergeben wird, ist mit
20.000 Euro der höchstdotierte JournalistInnenpreis Österreichs.

"Der Preis ist eine Auszeichnung für herausragende journalistische
Leistung. Die Preisträgerinnen und Preisträger haben deutlich
gemacht, dass sie Journalismus auch als Sprachrohr für soziale
Anliegen auffassen", so Caritasdirektor Michael Landau. "Mit ihrer
Arbeit tragen sie wesentlich dazu bei, denjenigen Gehör zu
verschaffen, die keine Stimme haben. Sie thematisieren
gesellschaftliche Brennpunkte, gehen bewusst an die Ränder der
Gesellschaft und fragen nach den Menschen, die hinter den Zahlen der
Statistiken stehen. Not sehen und handeln - das ist auch einer der
Leitsätze, der wesentlich für das Tun der Caritas ist. Es geht um den
Mut, hin- und nicht wegzusehen. Dafür braucht es auch Journalistinnen
und Journalisten die den Weg einer mutigen, engagierten und
anwaltschaftlichen Berichterstattung einschlagen."

"Journalistinnen und Journalisten die es sich selbst nicht leicht
machen, die viel Zeit und ihr ganzes handwerkliches Geschick in die
Waagschale werfen, sie wollen wir mit dem Prälat Leopold Ungar Preis
auszeichnen," so Dr. Georg Kraft-Kinz, GD Stv. der
Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. "Wir wollen gemeinsam mit der Caritas
zeigen: Wir brauchen Journalistinnen und Journalisten, die sich auch
für Menschen und Themen einsetzen, die möglicherweise als
irritierend, unangenehm oder störend empfunden werden", betont
Kraft-Kinz. "Einmal mehr hat sich gezeigt und bestätigt, dass gerade
der Themenbereich Migration, Integration und Asyl eine besondere
Aufmerksamkeit durch Journalistinnen und Journalisten braucht," so
Kraft-Kinz.

Die Falter-Journalistin Barbara Tóth überzeugte in der Kategorie
Print mit der Reportage "Yusofs Odysse" über die Trennung eines
jungen Paares durch die Abschiebung der Frau und des gemeinsamen
Babys Yusof in die Mongolei. Die Abschiebung erfolgte, obwohl der
Mann von Kindheit an in Wien lebt und österreichischer Staatsbürger
ist - eine der tragischsten Schicksale des österreichischen
Fremdenwesens in den vergangenen Jahren. Barbara Tóths Reportage wird
der Schwere des Themas voll gerecht, urteilte die Jury und sah dies
vor allem durch die Recherchequalität garantiert. Tóth hatte den
Vater auf seiner letzten Fahrt ins tschechische Abschiebegefängnis
begleitet. Sie habe seine Ratlosigkeit unter der Last der
Verhältnisse ohne Sensationseffekte dargestellt. Das ziehe die
Leserschaft in die dramatischen Ereignisse und bringe das Unerhörte
klar zum Ausdruck, lautete die Begründung.

Die Journalisten Kurt Langbein und Gottfried Derka haben mit ihrer
Dokumentation für die ORF-Serie "Kreuz und Quer" mit dem Titel "Vom
Sinn des Gebens" beste Wertarbeit abgeliefert, war sich die Jury in
der Kategorie TV einig. Mit ihrem Filmessay bewiesen die beiden
Journalisten, dass die Menschen vor allem durch ihre sozialen
Fähigkeiten wie Mitgefühl, Engagement und Zusammenhalt überleben
können. Sie schildern eindrücklich, dass der Mensch grundsätzlich
altruistisch denkt und handelt, sobald die Rahmenbedingungen dafür
vorhanden sind. "Eine Aussage, die im Gegensatz zur herrschenden
kapitalistischen Haltung steht und Lösungsmöglichkeiten für viele
gesellschaftliche Probleme eröffnet. Die Dokumentation sorgt für
viele 'Aha-Effekte' und ist eine spannende Mischung aus
wissenschaftlichen Erkenntnissen, ausgeklügelten Experimenten und
Geschichten von Menschen, die die Theorien mit ihrer Praxis, ihrem
Handeln belegen", begründeten die JurorInnen die Auszeichnung.

Christian Brüser wurde in der Kategorie Hörfunk für seine Sendung
"Landgrabbing - die globale Jagd nach Ackerland" in der Ö1-Sendereihe
"Hörbilder" ausgezeichnet (in Koproduktion mit DLF). Während die
Weltbevölkerung wächst, hat sich in den letzten zwanzig Jahren die
verfügbare Ackerfläche pro Kopf halbiert und ist nach den Gesetzen
des Markts entsprechend im Wert gestiegen. In Europa wenig beachtet
ist so eine neue Form des Kolonialismus entstanden. Länder wie China
oder Saudi-Arabien kaufen oder pachten riesige Landflächen in
Entwicklungsländern und betreiben dort intensive Land- oder
Plantagenwirtschaft - zum Nutzen für die Investoren, zum Schaden für
die lokale Bevölkerung. So wurden in Kambodscha hunderttausende
Menschen brutal vertrieben, um Platz für Zuckerrohr- und
Gummiplantagen zu schaffen. Komplizen bei den schmutzigen Geschäften
sind Regierungen und lokale Behörden. Brüser hat Betroffene in
Kambodscha und Äthiopien besucht und Regierungsvertreter und
Agrarfondsmanager interviewt. "Seine Sendung zeichnet inhaltlich
präzise und gestalterisch eindrucksvoll das Bild eines weiteren
Auswuchses der Globalisierung", entschied die Jury.

In der Kategorie Online, die heuer zum zweiten Mal prämiert wurde,
ging der Hauptpreis an Ulrike Gladik. Oft wird die Frage gestellt, ob
Online Berichterstattungsformen journalistischen Qualitätsstandards -
etwa Rechercheintensität, kritische Herangehensweise an das Thema,
Sprach- und Formulierungsstil, Konsistenz der zugrundeliegenden
Geschichte, Eindrücklichkeit der Darstellung - entsprechen. Alles das
treffe auf Gladiks reportageartigen Text "Eine Mafia, die bettelt?"
zu, der auf der Website der BettelMafiaWien veröffentlicht wurde.
Gladik recherchierte im Umfeld bulgarischer und rumänischer
BettlerInnen in Österreich und in ihren Heimatstaaten und bietet
damit tiefe Einblicke in ein Milieu. Ihre Erkenntnisse über die
Zusammenhänge zwischen Rassismus, Behinderung, Wohnungsverlust in den
Herkunftsstaaten und dem Betteln in Österreich seien beeindruckend,
ihre Schilderungen plastisch, befand die Jury. Ihr Resümee: Von
dieser "Mafia" glaubt man zu wissen, weiß aber letztlich nichts.
Gladik, auch eine renommierte bildende Künstlerin, arbeitet
multimedial und illustriert ihren Text mit Fotos aus dem Film
"Natasha", der die Bettelfahrten einer bulgarischen Roma nach Graz
zum Thema hat. Gladik bloggt zudem auf der Bettellobby-Website, um
auf Probleme von BettlerInnen in Österreich hinzuweisen.

Anerkennungspreise für hervorragende journalistische Leistungen
wurden in der Kategorie Print an die M-Media Redaktion und Anna
Thalhammer (Biber) vergeben. In der Kategorie TV wurden Oliver
Rubenthaler (ORF Thema) und Peter Kullmann (ORF Kreuz & Quer)
ausgezeichnet. Die Anerkennungen im Bereich Hörfunk ging an Barbara
Krommer und Nadja Hahn vom Ö1 Wirtschaftsmagazin Saldo sowie Ursula
Scheidle (Ö1 Hörbilder). In der Kategorie Online freute sich Hanna
Silbermayr über die Auszeichnung.

Der Medienpreis ist für die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ein
besonders wichtiger Teil der Partnerschaft mit der Caritas der
Erzdiözese Wien, die auch in der Unterstützung des Mobilen Hospiz
Teams oder in der Kardinal Franz König Patenschaft für die Gruft
ihren Ausdruck findet.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0183 2011-11-07 14:00 071400 Nov 11 CAR0005 1092



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Tel.: +43 (0)1/878 12-221 od. +43 (0)664/848 26 18
klaus.schwertner@caritas-wien.at
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