• 07.11.2011, 08:34:03
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Zerrütteter Haufen Ärzte oder doch berechtigte Kritik an ELGA?

Wien (OTS) - Ich finde die despektierliche Diktion des Herrn
Gesundheitsministers gegenüber den Ärzten nicht nur abseits
jeglicher Umgangsformen, sondern auch inhaltlich falsch und außerdem
basierend auf völlig falschen Grundlagen.

In geradezu absolutistische Manier soll ein Ausspähungs- und
Bedrückungssystem erster Ordnung namens ELGA eingerichtet werden. Das
Ministerium wird doch wohl nicht ernsthaft erwarten, dass wir solche
Intentionen widerspruchslos hinnehmen. Also die Ärzteschaft steht
hier geschlossen dagegen, der Herr Minister schätzt uns falsch ein.
Außerdem sind die Grundlagen, von denen der Herr Minister zu ELGA
ausgeht falsch: Die kolportierten Kosten von 30mill Euro sind ja
lächerlich und keiner ernsthaften Erwägung würdig. In Deutschland
ging man nach Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" im Juli 2009 von
14,1Mrd Euro bis zur vollen Funktionsfähigkeit aus. Dabei wurden die
Kosten für die einzelnen Ordinationen noch gar nicht einbezogen.

Wir sind Ende 2011 angelangt - es ist von einer Kostendynamik bis
dato auszugehen. Österreich hat nur ein Zehntel der Bevölkerung
Deutschlands, die Technikkosten werden sich aber deswegen nicht in
gleichem Maße reduzieren, weil die Funktion die gleiche ist, ob
80mill oder 8mill Datensätze von Personen betreut werden.
Außerdem kann niemand für die Sicherheit sensibelster persönlicher
Daten garantieren, wie wir am Fall der TGKK oder WikiLeaks gesehen
haben.

Die Missbrauchsgefahr geht außerdem nicht so sehr von Hackern aus,
sondern von der unüberschaubaren Zahl von Zugangsberechtigten.
Zum medizinischen Nutzen: wir haben bereits die Datenübertragung
durch Medicalnet und wir haben die Wechselwirkungsdatenbank auf
unseren PCs. Wir benötigen keine zusätzliche zentrale Datenbank, die
noch dazu auf unvollständige Daten zurückgreift, weil die Patienten
manche persönlichen Daten ausblenden können.

Zu den Doppelbefunden: das ist ein marginales Problem, das in
Relation zu den eingangs erwähnten Kosten von ELGA faktisch
inexistent ist.

In der "Sonntags-Presse" vom 06.11.2011 wurden seit 1992, also
seit fast 20 Jahren, 10 (in Worten zehn) ärztliche Kunstfehler
zusammengetragen. So schlimm die persönlichen Auswirkungen der
Ereignisse auch sein mögen, muss das bisherige System geradezu
perfekt funktionieren in Anbetracht einer so geringen Zahl von
Beanstandungen. Und dieses System will man zerschlagen? Mit
unabsehbaren Kosten, in einer Zeit, wo alleine die Zinsen der
Staatsschulden einen beträchtlichen Teil des Budgets darstellen - von
Schuldenrückzahlung gar nicht zureden.

Seitens des Hausärzteverbandes kann ich sagen, dass gegen eine
ablehnende Haltung der Ärzteschaft ELGA nicht leicht durchsetzbar
sein wird.

Mit Herabwürdigungen, wie im Samstag Kurier geschrieben, wird es
jedenfalls nicht gehen. Die Kollegenschaft ist kein "zerrütteter
Haufen", sondern ein Kollegium kritischer Ärzte, das an einem Strang
zieht, wenn es darauf ankommt. Keinesfalls lassen wir uns zu den
gesichts- und charakterlosen und austauschbaren GDAs herabstufen, die
man gerne aus uns machen möchte, um uns leichter herumschubsen zu
können.

Dafür haben wir zu viel gelernt und verfügen als Sachverständige
ausschließlich über die notwendige Kompetenz, die niemand anderer zu
bieten hat, auch keine medizinischen Assistenten!

Rückfragehinweis:

MR.Dr. WERNER Wolfgang
   Arzt für Allgemeinmedizin
   Bezirksärztevertreter 10.Bez
   Präsident ÖHV-Wien
   Sekretär Bundes-ÖHV
   1100 Wien, Weitmosergasse 3
   Tel: 01 617 22 68
   Fax: 01 617 22 684
   mailto:[email protected]
   http://www.drwwerner.at

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