Spindelegger: "Serbien sollte noch heuer EU-Beitrittskandidat werden"
Serbien muss Zeitfenster bis Jahresende für Kosovo-Dialog nützen.
Belgrad (OTS) - Anlässlich eines eintägigen Arbeitsbesuchs in
Belgrad äußerte sich Vizekanzler und Außenminister Michael
Spindelegger zuversichtlich über die laufenden Bemühungen Serbiens,
möglichst bald den Status eines offiziellen EU Beitrittskandidaten zu
erhalten. "Die Verleihung des Kandidatenstatus an Serbien - wofür
sich Österreich mit besonderem Nachdruck einsetzt - ist in greifbare
Nähe gerückt. Diese Chance sollte nun aktiv genützt werden", erklärte
Spindelegger nach seinem Treffen mit dem serbischen Außenminister Vuk
Jeremic in Belgrad. "Die positive Stellungnahme der Europäischen
Kommission zu Serbien ist eine wichtige Ermutigung für die serbische
Regierung, sie lässt aber auch keinen Zweifel an der klaren
Erwartungshaltung der EU. Wir erwarten, dass der von der EU geführte
Dialog zwischen Belgrad und Pristina bald wieder aufgenommen und auch
konkrete Lösungen zu einzelnen offenen Fragen erzielen wird."
Der Vizekanzler nutzte seinen Aufenthalt in Belgrad auch zu
bilateralen Gesprächen mit Premierminister Mirko Cvetkovic und
Vizepremier Bozidar Djelic über die serbische EU-Integration, die
Beziehungen Serbiens zum Kosovo sowie wirtschaftliche Fragen. Zur
gegenwärtigen Wirtschaftskrise hat Premier Cvetkovic als derzeitiger
Vorsitz in der Zentraleuropäischen Initiative für den 4. November ein
Gipfeltreffen der 18 Mitgliederländer, darunter auch Österreich,
einberufen.
"Österreich ist der festen Überzeugung, dass Serbien den
Kandidatenstatus verdient. Die Regierung in Belgrad muss nun die Zeit
bis zur formellen Entscheidung des Europäischen Rates über den
Kandidatenstatus im Dezember bestmöglich nützen. Wir erwarten nichts
Unmögliches von Belgrad, schließlich ist eine Normalisierung der
Beziehungen zum Kosovo auch im Interesse der Menschen im Nordkosovo",
betonte Spindelegger.
Der Außenminister unterstrich, dass nur die Entwicklung eines
gutnachbarschaftlichen Verhältnisses zu Pristina auch den nächsten
und eigentlich entscheidenden Schritt - die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen - möglich machen würde. "Wir unterstützen auch
dazu die Empfehlungen der Europäischen Kommission. Der Erfolgskurs
Kroatiens, das Österreich in seiner EU-Annäherung ebenso aktiv
unterstützte, hat gezeigt, dass der EU-Beitritt für die Länder des
Westlichen Balkans kein leeres Versprechen ist, sondern eine
ernstgemeinte und realistische Perspektive. Diesen Weg, der manchmal
steinig sein kann, muss auch Serbien konsequent gehen", so
Spindelegger abschließend.
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