- 07.10.2011, 07:30:31
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Hausarzt vor dem AUS? Die Zukunft der medizinischen Nahversorgung in NÖ
Dr. Reisner: Wird der Hausarzt nicht aufgewertet, stehen wir in Kürze vor massiven Problemen
Wien (OTS) - Dienstagabend hatte die NÖ Ärztekammer zum
wiederholten Mal auf die drohende dramatische Situation der
medizinischen Nahversorgung auf dem Land aufmerksam gemacht. Diesmal
in Kooperation mit dem Forum Land, einer überparteilichen Plattform
des NÖ Bauernbundes. Rund 200 Interessierte waren nach Raabs an der
Thaya gekommen, um die lebhafte Diskussion zu verfolgen. Der
Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, fasste die
aktuelle Problematik der Situation rund um den Landarzt zusammen:
"Die ärztliche Versorgung ist eine der wenigen Basisstrukturen am
Land, die meist noch funktionieren. Doch die Situation spitzt sich
immer mehr zu. So beobachten wir, dass es in den vergangenen Jahren
zunehmend weniger Bewerber für eine Kassenstelle am Land gibt. In den
letzten fünf Jahren ist die Zahl der Bewerber um rund ein Drittel
zurückgegangen. Hatten wir in den vergangenen Jahren manchmal sogar
zehn oder elf Bewerber, sind es jetzt nur mehr drei, zwei oder sogar
ein Bewerber."
Das Waldviertel mit seinen ländlichen Strukturen gehört sicherlich
zu den besonders gefährdeten Regionen. Die Stadtgemeinde Raabs an der
Thaya könnte von dieser unangenehmen Situation in absehbarer Zeit
betroffen sein, wenn nämlich die beiden derzeit tätigen Hausärzte in
Pension gehen werden.
Eine, die sich in ihrem beruflichen Alltag mit der Verbesserung
der ländlichen Strukturen befasst, ist Mag. Klaudia Tanner,
Direktorin des NÖ Bauernbundes: "Menschen am Land haben das Recht auf
eine gleichwertige, qualitativ hohe Versorgung wie in der Stadt.
Dafür kämpfen wir gemeinsam mit der Ärztekammer." Und auch Dr.
Wolfgang Geppert, Landarzt aus dem Weinviertel, weiß aus der Praxis,
dass gerade die älteren Patienten den Hausarzt brauchen:
"Pflegebedürftige Menschen können nicht mehr so leicht in eine
Ambulanz fahren. Eine gute Hauskrankenpflege kann nur gemeinsam mit
engagierten Hausärzten funktionieren." Politische Unterstützung
erhielten die Vertreter der Ärztekammer von der
Nationalratsabgeordneten Anna Höllerer, die sich erfreut zeigte, dass
nun endlich auch im Gesundheitsausschuss des Parlaments eine
Diskussion zur medizinischen und medikamentösen Versorgung im
ländlichen Raum stattfindet. Denn nur wenn diese Versorgung stimmt,
werden auch die jungen Menschen in der Region bleiben und nicht
abwandern. Sie bestätigte auch, dass eine diesbezügliche
Bürgerinitiative im Parlament aufliegt.
Verschärfend kommt die Alterspyramide in der Bevölkerung hinzu.
"In den nächsten zehn Jahren werden über 50 Prozent der
Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag in Pension gehen. Das wird uns
vor Herausforderungen stellen, die wir nur so lösen können, indem der
Arbeitsplatz des Hausarztes am Land wieder attraktiv wird - in
finanzieller Hinsicht, aber auch unter der Berücksichtigung der
Harmonie zwischen Freizeit und Berufsleben", meinte Präsident Dr.
Reisner abschließend.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Mag. Birgit Jung
Tel.: 01/53 751-623
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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