• 29.09.2011, 19:38:28
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Behörden müssen ihre Daten-Lecks schließen" (von Manfred Neuper)

Ausgabe vom 30.09.2011

Graz (OTS) - Man sollte die Internet-Rebellen von Anonymous
weder verteufeln noch glorifizieren. Man sollte ihre Arbeit aber
ernst nehmen. Mit ihrem Aktionismus legen sie die Passivität vieler
Behörden im Umgang mit unseren Daten offen. Schonungslos offen. Das
vermeintliche Totschlagargument in der Datenschutz-Debatte - "I hab
ja nix zu verbergen" - geht dadurch völlig ins Leere. Es ist auch so
etwas wie ein Vertrauensgrundsatz, dass etwa persönliche Daten, die
bei Behörden gespeichert sind, nicht so ohne Weiteres in fremde Hände
gelangen können.

Der Vergleich mit dem leider oftmals allzu freigiebigen Umgang mit
persönlichen Daten in sozialen Netzwerken wie Facebook greift zu
kurz. Vor allem deshalb, weil man hier den mächtigsten Datenschützer
überhaupt auf den Plan rufen kann: Sich selbst.

Im Fall der aktuellen Anonymous-Serie sind wir aber alle zum
Zuschauen verdammt, wir sind davon abhängig, dass Behörden und
Institutionen die ihnen anvertrauten Daten bestmöglich schützen. Eine
gefährliche Abhängigkeit, wie sich zeigt. Denn allem Anschein nach,
sind diese Einrichtungen vielfach nicht dazu fähig.

Umso schlimmer, dass die Hacker von Anonymous nicht einmal in die
"Werkzeugkiste" greifen müssen. Viele Daten sind nichts anderes als
Fundstücke, die ohne einen kriminellen Einbruch in ein Netzwerk,
ungesichert in den Weiten des World Wide Web herumkugeln. Absolute
Datensicherheit wird es nie geben, für Fahrlässigkeiten darf es aber
keinen Platz geben. Kriminellen wird es viel zu einfach gemacht.
Damit steigt die Unsicherheit. Wenn Polizeidaten, Kontodaten von
ORF-Gebührenzahlern, Daten von Parteien und sogar Daten von
Krankenversicherten ohne größeren Aufwand hunderttausendfach in die
Fänge solcher Organisationen geraten, brennt der sprichwörtliche Hut.

Derzeit wird an Projekten wie der elektronischen
Vorratsdatenspeicherung und der elektronischen Gesundheitsakte
gearbeitet. Über misstrauische Stimmen braucht sich im Lichte der
jüngsten Entwicklungen kein politischer Entscheidungsträger zu
wundern.

Rund 200 Datenregister, so die Schätzung von Experten, gibt es in
Österreich. Im Schnitt ist jeder von uns in etwa 100 davon erfasst.
Melde- und Personenstandsdaten, Arbeits-, Finanz- und
Gesundheitsdaten - die Liste ist lang. Und bedrohlich. Die Aktionen
von Anonymous sind nicht gutzuheißen. Doch mindestens so
problematisch wie der Daten-Dieb ist das behördliche Daten-Sieb.
Danach ist ebenso fieberhaft zu fahnden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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