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OTS0229   25. Aug. 2011, 21:27

Wenn Einmischung zur Verpflichtung wird (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 26. Aug. 2011



Über Jahrzehnte hinweg soll ein Vater seine Töchter misshandelt,
sexuell missbraucht und zu einem Leben in einer kleinen Stube
gezwungen haben - und niemand will Ungewöhnliches auch nur geahnt
haben. Zugleich erinnern sich Nachbarn, die zwei Frauen so gut wie
nie zu Gesicht bekommen zu haben. Der Mann habe seine Töchter
abgeschottet, lautet eine noch um einiges deutlichere Formulierung.
Warum?, wäre die logische Frage. Dass sich diese und andere niemand
gestellt hat, noch dazu in einer 2400-Seelen-Gemeinde, scheint kaum
nachvollziehbar. Aber Fragen aufzuwerfen, heißt den ruhigen Fluss des
Alltags zu stören. Ihnen nachzugehen, bedeutet Konfrontation. Als
Ausrede dient meist, dass man sich in Privates nicht einmischen will.
Und das immer nur dann, wenn eigentlich Einmischung eine
Verpflichtung wäre.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0229 2011-08-25 21:27 252127 Aug 11 KTI0001 0142



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