• 15.08.2011, 21:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 16. August 2011, von Gabriele Starck: "Der Lack der Angela Merkel blättert"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel
hat schon bessere Tage erlebt. Doch es ist nicht die Opposition, die
es ihr schwermacht. Die eigenen Reihen kratzen an ihrem Image und dem
der Partei. Doch schuld daran ist Merkel selbst.

Die Franzosen trauen Angela Merkel mehr Krisenlösungskompetenz zu als
dem eigenen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Das wird die deutsche
Kanzlerin allerdings nicht trösten. Denn im eigenen Land bekäme sie
derzeit von den Wählern keine Chance, ihre Arbeit fortzusetzen.
Rot-Grün hat Umfragen zufolge schon lange die Nase vor Schwarz-Gelb.
Und nicht einmal am Kanzlerbonus kann sich die CDU-Chefin derzeit
erfreuen. Die früheren SPD-Minister aus den Zeiten der großen
schwarz-roten Koalition, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier,
liegen in den Sympathiewerten deutlich vor Merkel.
Dem nicht genug: Auch die eigenen Leute bereiten der laut
US-Wirtschaftsmagazin Forbes einst mächtigsten Frau der Welt jede
Menge Kopfzerbrechen. Die Riege der altehrwürdigen CDU-Pensionisten
hat die Kritik an Merkel vor wenigen Wochen salonfähig gemacht,
inzwischen begehrt auch die Parteibasis auf.
Doch Merkel ist großteils selbst für die Schwäche der Union
verantwortlich. Dass parteiinterne Kritik an ihr laut wird, ist in
den Fehlern begründet, die sie in den vergangenen Monaten gemacht
hat. Sie hat taktiert, indem sie Entscheidungen in der Eurokrise aus
Wahlkampfgründen zu lange hinauszögerte. Es ging schief und
Nordrhein-Westfalen für die CDU verloren.
Sie hat die Atomkraft gepuscht und wurde mit Fukushima eines
Besseren belehrt. Ihre Umkehr war dann nur die Rückkehr zur
rot-grünen Abkehr von der Kernenergie. Das erkannte der Wähler. Die
CDU erlitt in Baden-Württemberg eine historische Wahlschlappe.
In Berlin wird ihre Partei Mitte September ohnehin nur eine
Statistenrolle einnehmen. Das ganze Interesse konzentriert sich auf
das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SPD und den Grünen.
Und jetzt droht ein Skandal den nächsten Ministerpräsidentensessel
zum Kippen zu bringen. Der Spitzenkandidat der
schleswig-holsteinischen CDU für die Landtagswahlen im Mai 2012,
Christian von Boetticher, musste am Wochenende die Konsequenz aus
einer Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen ziehen. Dass der Glanz von
Shootingstars schnell ermattet, daran gewöhnen sich die Deutschen
aber ohnehin allmählich - denkt man nur an Karl-Theodor zu
Guttenberg, der über seine abgeschriebene Doktorarbeit stolperte.
Oberflächlicher Glanz muss dann aus dem Hut gezaubert werden, wenn
starke Persönlichkeiten fehlen. Doch die ließ Merkel nie aufkommen -
aus Angst, ihre Macht zu verlieren.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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