OTS0146   20. Juli 2011, 13:14

Mitterlehner zu Basel III: "KMU dürfen nicht Rechnung für Krise zahlen" - BILD

Studienpräsentation und Diskussion mit Wirtschaftsminister Mitterlehner, WKO-Präsident Leitl, MEP Karas, Erste-Group-Generaldirektor Treichl und IHS-Leiter Felderer


Mitterlehner zu Basel III: KMU dürfen nicht Rechnung für Krise zahlen vergrößern

BILD zu OTS -

Mitterlehner zu Basel III: KMU dürfen nicht Rechnung für Krise zahlen vergrößern

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Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat
heute gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl,
IHS-Chef Bernhard Felderer und dem Europa-Abgeordneten Othmar Karas
eine neue Studie zum Thema "KMU-orientierte Umsetzung von Basel III"
präsentiert. "Die künftigen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln
erhöhen die Stabilität des Bankensektors, was auch unseren
Unternehmen Vorteile bei Finanzierungen bringt. Basel III darf aber
nicht dazu führen, dass Kredite für kleine und mittlere Betriebe
teurer werden. Sie haben in der Krise am seriösesten gearbeitet und
sollen daher jetzt nicht die Rechnung für die Probleme zahlen",
betonte Mitterlehner. "Bis die neuen Regelungen in Kraft treten,
dauert es noch. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir für
Österreichs Unternehmen noch Verbesserungen erzielen werden."

Die IHS-Studie zeige, dass es in der Krise im KMU-Bereich die
geringsten Ausfallraten bei Krediten gegeben habe. "Bei der Umsetzung
von Basel III auf der EU-Ebene müssen daher vor allem die
Finanzierungsmöglichkeiten von KMU berücksichtigt werden", forderte
Mitterlehner. Unabhängig davon kündigte er Begleitmaßnahmen in
Österreich an, um zusätzliche Investitionschancen zu bieten. "Wir
bieten über die Förderbank aws Zuschüsse, zinsgünstige Kredite und
Haftungen an. Dazu läuft ein neues Pilotprojekt zur Unterstützung von
KMU bei Bonitätsanalysen", sagte Mitterlehner. Denn KMU haben
aufgrund der hohen Kosten oft keine Ratings.

Zwiti: Leitl zu Basel III: "America go ahead" - Europäische Exporte
nicht hemmen

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl anerkennt die
Grundkonzeption von Basel III, eine höhere Stabilität des
Finanzsystems in Europa zu erreichen: "Basel III hat das Ziel,
Geldinstitute stressfester zu machen." Doch bei der Umsetzung muss
auf die europäische Finanzierungskultur Rücksicht genommen werden,
damit Basel III die Kreditfinanzierung von kleinen und mittleren
Betrieben nicht behindert. Schließlich hätten die klassischen Banken,
wie die österreichischen, die Krise nicht verursacht. Leitl fordert
daher: Die sogenannte Retail-Grenze für KMU-Kredite muss von einer
auf zwei Millionen Euro angehoben werden. Weiters sollen KMU-Kredite
statt mit sechs nur mit vier Prozent Eigenkapital bei den Banken
unterlegt werden. Darüber hinaus warnte der WKÖ-Präsident vor
negativen Folgen für die Exportwirtschaft: "Wenn die
Exportfinanzierung teurer wird, ist die heimische Wirtschaft mit
großen Gefahrenpotenzialen konfrontiert, die andere Länder weniger
stark trifft. Doch ganz Europa braucht wachsende Exporte, um aus dem
Schlamassel aus Schulden und Zinsen herauszukommen. Wir brauchen
Regeln, die exportunterstützend und nicht exporthemmend wirken."
Daher dürfe die Risikogewichtung bei der Berechnung der Leverage
Ration nicht erhöht werden. Darüber hinaus erteilte der WKÖ-Präsident
einer Umsetzung von Basel III ohne Miteinbeziehung der USA eine klare
Absage: "Bei Basel II haben uns die USA im letzten Moment hängen
lassen. Nun muss es bei Basel III heißen: America go ahead."

Zwiti: Felderer: Vorteile durch KMU-orientierte Umsetzung von Basel
III

Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums und der Wirtschaftskammer hat
das Institut für Höhere Studien (IHS) die Auswirkungen der geplanten
Eigenkapital- und Liquiditätsregeln auf KMU analysiert. "Banken
müssen künftig mit mehr Eigenkapital dieselben Umsätze machen. Das
ist die Herausforderung", verwies IHS-Chef und Studienautor Bernhard
Felderer auf einen Effekt von Basel III. Felderer hat untersucht,
welche Folgen es hätte, wenn die Schwelle, unter der KMU-Kredite von
den Banken in das Privatkunden-Segment mit niedrigeren
Risikobewertungen eingestuft werden, auf zwei Millionen Euro
verdoppelt werden würde. Laut den bisherigen Umsetzungsplänen der EU
liegt dieses Limit bei einer Million Euro. Durch eine Anhebung würden
80 statt bisher 60 Prozent der mittleren bis großen KMU-Kredite in
den günstigeren Sektor fallen. Dies würde teils deutliche
Eigenmittel-Erleichterungen für KMU mit sich bringen, weil in dieser
Kategorie ein niedrigeres Unterlegungserfordernis für Kredite
besteht.

Zwiti: MEP Karas: "Basel III ist europäische Antwort auf Krise"

Der Europaabgeordnete Othmar Karas ist Berichterstatter im
EU-Parlament für das Regelwerk Basel III, das er als "europäische
Antwort auf die Krisenerfahrung" bezeichnete. "Die Banken haben sich
als zu wenig stressresistent erwiesen, daher will man mit mehr
Eigenkapital einen größeren Puffer schaffen", sagte Karas, der
insbesondere auf den gerade erst gestarteten Gesetzgebungsprozess auf
EU-Ebene verwies. "Es bestehen daher noch in jeder Frage Chancen auf
Änderungen. Die EU-Kommission hat Diskussionsbereitschaft
signalisiert", so Karas. Die neuen Eigenkapital- und
Liquiditätsregeln werden durch eine Änderung der
Eigenkapitalrichtlinie sowie mittels einer Verordnung der
EU-Kommission umgesetzt.

Zwiti: Treichl: "Verbesserungen bei Bewertung von KMU-Krediten nötig"

Nach dem Pressegespräch diskutierten Mitterlehner, Leitl, Karas und
Felderer mit Erste-Group-Generaldirektor Andreas Treichl im Rahmen
einer Podiumsdiskussion über das Thema Basel III. Anlass dafür war
die Veranstaltungsreihe "Wirtschaft im Wandel". Treichl bezeichnete
Basel III grundsätzlich als "sehr guten Schritt, weil es das
Bankensystem sicherer macht". Gleichzeitig müssten aber die Folgen
für die Einstufung und Bewertung von KMU-Krediten beachtet werden.
"Daher ist die Initiative für eine KMU-orientierte Umsetzung extrem
wichtig. Es ist noch Zeit für Verbesserungen", so Treichl, der hier
insbesondere auf die geplanten Liquiditätsregeln verwies, die stärker
berücksichtigt werden müssten.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0146 2011-07-20 13:14 201314 Jul 11 MWA0002 0820



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