- 20.07.2011, 10:26:02
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Drohender Exodus von Jungmedizinern
Alarmglocken für Politik und Spitalsbetreiber - Ärztekammer fordert Strukturmaßnahmen
Wien (OTS) - Von Jahr zu Jahr gehen immer mehr Absolventinnen und
Absolventen der österreichischen Medizinuniversitäten ins Ausland.
Aktuell arbeiten 2173 heimische Mediziner in Deutschland. "Vor allem
die Wartezeit auf die Turnusausbildung zum Allgemeinmediziner
bereitet vielen jungen Ärztinnen und Ärzten in Wien Kopfzerbrechen",
so der Präsident der Ärztekammer für Wien, Walter Dorner. ****
"36 Monate Wartezeit auf den weiteren Karriereweg stellt für viele
Jungmediziner ein massives Problem dar, welches sie durch den Gang
ins Ausland vermeiden", bringt es Dorner auf den Punkt. "Hier muss
endlich ein Weg gefunden werden, damit jene, die gerne in Wien
bleiben wollen, dies auch können, ohne wertvolle Lebenszeit zu
verlieren", fordert der Ärztekammerchef.
Für junge Menschen sei es nun mal eine "problematische Situation",
nicht zu wissen, wie es nach Beendigung des Medizinstudiums
weitergehen soll. Der Vorteil ins Ausland zu gehen liege auf der
Hand. Dorner: "Dort können sie gleich mit einer Ausbildung zum
Facharzt anfangen, während in Wien zunächst der Turnus absolviert
werden muss." Sicher sei auch die seit Jahren von der Ärztekammer
kritisierte Qualität der Turnusausbildung "ein Grund zur
Abwanderung".
In dieselbe Kerbe schlägt auch der Referent für Jungmediziner der
Ärztekammer für Wien, Martin Andreas: "Mittlerweile seit Jahrzehnten
macht die Ärztekammer auf die immer schlechter werdende Situation der
Turnusärztinnen und -ärzte in den Wiener Spitälern aufmerksam, doch
hat sich bis jetzt nicht wirklich etwas verbessert." Im Gegenteil:
"Die Arbeitsbedingungen sind durch die in den letzten Monaten
durchgeführten Einsparungsmaßnahmen in den Wiener Gemeindespitälern
und am AKH noch schlimmer geworden." Nach wie vor würden die
Jungmediziner im Turnus die meiste Zeit mit Routinearbeiten wie
administrative Tätigkeiten, Aufnahmen, Spritzen geben oder
Blutabnahme verbringen, "das eigentlich Anliegen des Turnus, nämlich
die Ausbildung, bleibt damit aber auf der Strecke".
Dorner in Richtung Politik: "Es ist an der Zeit, sich der
Verantwortung zu stellen. Es müssen Pläne auf den Tisch, wie man mit
dieser Situation, welche sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen
wird, umzugehen gedenkt." Natürlich wolle und könne man keiner Ärztin
und keinem Arzt vorschreiben, wo sie ihre Ausbildung machen, doch
solle man die Tatsache berücksichtigen, dass "eine
Pensionierungswelle auf uns zu kommt". "Es müssen endlich Schritte
gesetzt werden, vor allem im strukturellen Bereich, um einen
Ärztemangel in Österreich, welcher in Deutschland bereits Realität
ist, zu vermeiden", fasst der Ärztechef zusammen.
Martin Andreas spricht von einem notwendigen "Umdenken". "In
anderen Bundesländern kommt es bei der Routinearbeit im Spital
bereits zu Umschichtungen." So würden Krankenschwestern Blut
abnehmen, dadurch würden Turnusärztinnen und -ärzte entlastet werden
und so "eine bessere Ausbildung erhalten". "Ich hoffe, dass die
Verantwortlichen in Wien nicht allzu lange mit den notwendigen
Maßnahmen warten, denn sonst haben wir bald das Problem, dass alle
Jungmediziner ins Ausland wollen und keiner mehr in Wien die
Ausbildung macht", so der Referent für Jungmediziner
abschließend.(kmc)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien
Mag. Kathrin McEwen
Tel.: (++43-1)51501 - 1224, 0664/3468309
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
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