• 21.06.2011, 10:07:43
  • /
  • OTS0081 OTW0081

Generelle Stabilität des österreichischen Finanzsektors -Herausforderungen in einzelnen Geschäftsfeldern bleiben bestehen

Wien (OTS) - Österreichs Banken im Stresstest resistenter gegen
Risiken als im Vorjahr - Aufbau von Eigenkapital bleibt aber weiter
auf Agenda

Österreichs Banken haben trotz der anhaltenden Spannungen auf den
Finanzmärkten ihre Risikotragfähigkeit verbessert, wenngleich
weiterhin Aufholbedarf besteht. Der jüngste Stresstest der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt, dass das heimische
Bankensystem in Summe besser auf einen eventuell erneuten Einbruch
der Wirtschaft vorbereitet wären als vor einem Jahr. Allerdings
zeigen die Ergebnisse erneut die seit der Krise beobachtbare breitere
Streuung der Einzelresultate. "Die Exponierung der österreichischen
Banken in den Euro-Ländern mit erhöhtem Risikoprofil ist allerdings
vergleichsweise gering und war im vergangenen Jahr weiter
rückläufig", erklärte OeNB-Direktor Ittner anlässlich der
Präsentation der 21. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichtes der
Oesterreichischen Nationalbank. Die anhaltenden Unsicherheiten des
internationalen Umfelds stellen für die österreichischen Banken
jedoch weiterhin eine beträchtliche Herausforderung dar.

Trotz Konjunkturerholung weiterhin Herausforderungen für die
österreichischen Banken
"Die Konjunkturerholung unterstützte 2010 die Geschäftsentwicklung
der österreichischen Banken. Aufgrund verringerter
Kreditrisikovorsorgen stiegen die Gewinne wieder", führte Direktor
Ittner weiter aus. Der Return-on-Assets nach Steuern des
Bankensystems stieg von 0,18% im Jahr 2009 auf 0,46% im Jahr 2010.

Die Aktivitäten des österreichischen Bankensystems in der Region
Zentral- Ost und Südosteuropa (CESEE) trugen weiterhin wesentlich zur
Profitabilität bei. Dem steht ein Anstieg der aggregierten
Wertberichtigungsquote der CESEE-Töchter in den vergangenen Jahren
gegenüber, die im Jahr 2010 mit 6,5% etwa das Doppelte des
Österreichgeschäfts (3,2%) erreichte. Die Exponierung gegenüber dem
CESEE-Raum blieb im Jahr 2010 mit rund 210 Mrd EUR weitgehend
konstant.

Die Eigenmittelausstattung der österreichischen Banken hat sich
dem internationalen Trend folgend verbessert. Die aggregierte
Kernkapitalquote stieg seit ihrem Tief im dritten Quartal 2008 um
insgesamt rund 2,7 Prozentpunkte auf 10,0% zum Jahresende 2010. In
Anbetracht der höheren Kapitalausstattung internationaler
Vergleichsgruppen ist die Eigenmittelsituation der österreichischen
Banken allerdings weiter ausbaufähig. Hinzu kommt, dass bei einigen
Instituten ein Teil ihrer Eigenmittelerhöhung in den letzten Jahren
aus zurückzuzahlendem staatlichem Partizipationskapital besteht. Aus
diesem Grund sollte die verbesserte Ertragslage primär zur Erhöhung
der Eigenmittelausstattung verwendet werden.

Die OeNB-Stresstests wurden dieses Jahr mit den EU-weiten
Stresstests weitestgehend harmonisiert und um den CESEE-Fokus des
österreichischen Bankensystems ergänzt, indem in der CESEE-Region ein
höherer Rückgang der Wirtschaftsleistung simuliert wurde. Selbst in
diesem Fall weist das österreichische Bankensystem im Vergleich zum
Vorjahr eine verbesserte Risikotragfähigkeit aus. Allerdings zeigen
die Resultate erneut die seit der Krise beobachtbare breitere
Streuung der Einzelergebnisse.

Bei verbesserter Finanzsituation erhebliche Zinsänderungsrisiken für
Unternehmen und Haushalte

Die finanzielle Lage des österreichischen Unternehmenssektors
zeigte sich zu Beginn des Jahres 2011 deutlich verbessert. Die
Unternehmensverschuldung verzeichnete im vierten Quartal 2010 dank
einer verstärkten Eigenkapitalfinanzierung die geringste Ausweitung
seit rund vier Jahren. Der Konjunkturaufschwung ließ die
Unternehmensgewinne im letzten Jahr um 7,2% ansteigen, was nicht nur
die Stabilität und die Bonität, sondern auch das
Innenfinanzierungspotenzial der Unternehmen erhöhte.

Die österreichischen Unternehmen und privaten Haushalte
verzeichneten in den ersten Monaten 2011 moderate Zuwachsraten bei
der Finanzierung durch Banken. Die geringe Kreditausweitung sowie die
niedrigen Zinsen verminderten die Zinsbelastung deutlich. Dieser
Effekt wurde durch den überdurchschnittlich hohen Anteil an variabel
verzinsten Krediten (97% bei den Unternehmen und 83% der Haushalte im
ersten Quartal 2011) verstärkt, was bei steigenden Zinsen jedoch die
gegenteilige Wirkung auf den Zinsaufwand haben könnte.

Ein wesentlicher Risikofaktor für die finanzielle Position der
privaten Haushalte ist der mit rund 29% im ersten Quartal 2011 nach
wie vor hohe Fremdwährungskreditanteil. Aufgrund der starken
Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro blieb ihr
aushaftendes Volumen 2010 hoch, obwohl die Neuvergabe von
Fremdwährungskrediten signifikant verringert wurde.

Die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte verringerte sich
im Jahr 2010, was die rückläufige Sparneigung widerspiegelte. Vor
allen bei den Einlagen waren nur geringe Zuwächse zu registrieren,
während die Kapitalmarktveranlagungen zunahmen. Trotz neuerlicher
Kursgewinne konnten im Jahr 2010 die in der Krise verzeichneten
Bewertungsverluste noch nicht vollständig wettgemacht werden.

Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der
OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben
werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln zusätzlich auch
Spezialthemen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der
Finanzmärkte stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies die
Rahmenbedingungen und Instrumente der makroprudenziellen Aufsicht,
die Entwicklung der Makrofinanzstabilität in Serbien sowie ein
Überblick über die quantitative Auswirkungsstudie zu Basel III.

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank
   Dr. Christian Gutlederer
   Pressesprecher
   Tel.: (+43-1) 404 20-6609
   mailto:[email protected]
   www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ONB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel