"Forschung und Innovation - Österreich an der Kippe?!"
Forschungsrat und Industriellenvereinigung laden zu Veranstaltung "Österreichische Forschungs- und Innovationspolitik in Zeiten wachsender globaler Dynamik"
Wien (OTS) - Androsch: "Hausaufgaben machen" - Sorger:
"FTI-Strategie rasch umsetzen"
"Österreich muss seine Hausaufgaben machen, um die Zukunft zu
sichern, erklärte der Vorsitzende des Rates für Forschung und
Technologieentwicklung (RFTE), Dr. Hannes Androsch, heute, Montag,
angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen. Der Präsident
der Industriellenvereinigung (IV), Dr. Veit Sorger, spricht sich für
eine rasche Umsetzung der FTI-Strategie aus: "Es ist notwendig, rasch
die geforderten Maßnahmen zu konkretisieren und umzusetzen, um auch
tatsächlich die Frontrunning Position in Europa bis 2020 zu
erreichen." "Auf europäischer Ebene werden heuer die großen
Weichenstellungen für die Forschungs- und Innovationspolitik der EU
bis 2020 beschlossen. Entsprechend ist eine hohe Präsenz und
Aktivität Österreichs in der EU eine wesentliche Voraussetzung, um im
europäischen Kontext an der Spitze mitwirken zu können", so Androsch
und Sorger unisono im Rande einer von RFTE und IV heute, Montag,
veranstalteten hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung unter
dem Titel "Österreichische Forschungs- und Innovationspolitik in
Zeiten wachsender globaler Dynamik" im Wiener Haus der Industrie.
Teilnehmen werden unter anderem Bundesministerin für Finanzen, Dr.
Maria Fekter, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Deutschland,
Hans-Jörg Bullinger, und der Direktor der Bereichs Wettbewerb,
Industrie und Forschung des europäischen Rates in Brüssel, Jirí
Buriánek. "Die globale Dynamik und die daraus resultierenden großen
gesellschaftlichen Herausforderungen haben sich in den vergangenen
Jahren deutlich verstärkt. Von der Politik wird daher erwartet, dass
sie Lösungswege beschreitet und geeignete Rahmenbedingungen - auch
für Forschung, Technologie und Innovation - schafft", so Androsch.
Vor diesem Hintergrund zeigt die Analyse, dass sich in Österreich
in den letzten beiden Jahrzehnten die gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schneller weiterentwickelt haben
als die politischen Diskussions- und Entscheidungsprozesse. Damit
klafft eine erhebliche Lücke zwischen den Ergebnissen Österreichs und
vergleichbarer europäischer Staaten in aktuellen Rankings und
Statistiken. Vor allem notwendige Strukturreformen in der Verwaltung,
im Pensionssystem oder dem Gesundheitswesen werden in Österreich seit
Jahren aufgeschoben. In der Folge fehlen die dadurch gebundenen
Ressourcen bereits heute in wichtigen Zukunftsbereichen. Dazu der
Vorsitzende des Forschungsrates, Dr. Hannes Androsch: "In Deutschland
hat man trotz Notwendigkeit einer Budgetkonsolidierung die Bereiche
Bildung, Forschung und Innovation nicht nur von Einsparungen
ausgenommen, sondern hierfür bis 2015 rund 11 Milliarden Euro
zusätzlich veranschlagt. In einem Verhältnis von 10:1 auf unser Land
umgerechnet würde dies ein Plus von 1,1 Milliarden Euro für die
österreichische Bildung und Forschung bedeuten. Das Geld wäre
durchaus vorhanden, sofern in anderen Bereichen vernünftige
Reformschritte gesetzt und damit Budgetmittel freigemacht werden."
Als weiteren Schwerpunkt betont IV-Präsident Veit Sorger, dass für
den gravierenden Mangel an Absolventinnen und Absolventen in den
naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sowie Fachkräften
dringend Abhilfe geschaffen werden muss. "Rund drei Viertel aller
größeren forschenden Unternehmen suchen bereits intensiv nach
Ingenieuren. Wenn dieser Trend weitergeht, wird sich das bald negativ
auf die Wirtschaftsentwicklung in Österreich auswirken. Aus diesem
Grund muss diesem Bereich eine hohe politische Priorität eingeräumt
werden."
Daran anknüpfend erklärt Rektor Dr. Peter Skalicky,
stellvertretender Vorsitzender des Forschungsrates, dass ein
wichtiges Ziel auch "die Effizienzsteigerung beim Mitteleinsatz sein
muss. Dazu gehören der Abbau von Bürokratie ebenso wie eine künftig
stärkere Vergabe der Mittel im Wettbewerb, sowohl in der Grundlagen-
als auch in der angewandten Forschung!" Und hinsichtlich der Frage,
wo die Finanzmittel herkommen sollen, präzisiert Hannes Androsch:
"Schon ein um ein Jahr späterer Pensionsantritt - und der liegt in
Österreich im Durchschnitt bei nur 58 Jahren - macht 1,7 Milliarden
an Einsparungen aus. Bereits mit diesem einen Schritt wäre die
Gegenfinanzierung nicht nur gedeckt, sondern sogar überdeckt. Nimmt
man die Hackler-Regelung dazu, wo derzeit Angestellte und Beamte zum
Teil in die Frühpension gezwungen werden, könnten weitere 1,6
Milliarden Euro eingespart werden. Schon allein die Reform dieser
beiden Bereiche würde also rund 3,3 Milliarden Euro mehr für Bildung,
Forschung und Innovation freisetzen."
Forschungsrat erarbeitet Vorschläge zur Strukturreform und zur
besseren finanziellen Ausstattung der Bereiche Bildung, Forschung und
Innovation in Österreich
Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung hat in seinem
kürzlich präsentierten Arbeitsprogramm als wesentliches Vorhaben das
Projekt "Österreich 2050 - FIT für die Zukunft" vorgestellt. In
diesem Arbeitsschwerpunkt wird der Rat eine systematische Recherche
und Definition der größten strukturellen Herausforderungen in
Österreich sowie - in enger Kooperation mit WIFO, IHS, AIT und
weiteren nationalen und internationalen ExpertInnen - die Entwicklung
konkreter Vorschläge für Strukturreformen unternehmen.
Geplant ist in einem ersten Schritt ein nationaler Foresight-Prozess,
der als Grundlage zur Erarbeitung von Zukunftsszenarien und daran
anschließend zur Formulierung konkreter Vorschläge für strukturelle
Reformen in Österreich dienen wird.
Übersicht über ReferentInnen und DiskussionsteilnehmerInnen (in
alphabetischer Reihenfolge):
- Karl Aiginger (Leiter, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung)
- Hannes Androsch (Vorsitzender, Österreichischer Rat für Forschung und Technologieentwicklung)
- Hans-Jörg Bullinger (Präsident, Fraunhofer Gesellschaft, Deutschland)
- Jirí Buriánek (Director, Competitiveness, Industry, Research & Information Society; European Council, Brüssel, Belgien)
- Peter Egger (Professor of Economics, ETH Zürich, Schweiz)
- Maria Fekter (Bundesministerin für Finanzen, Österreich)
- Caroline Fenwick (Assistant Director, Research Base Directorate, Department of Business, Innovation and Skills, Großbritannien)
- Ruperta Lichtenecker (Obfrau, Ausschuss des Nationalrates für Forschung, Innovation und Technologie im Parlament, Österreich)
- Gerhard Riemer (Bereichsleiter Bildung, Innovation und Forschung, Industriellenvereinigung, Österreich)
- Peter Skalicky (Stellv. Vorsitzender, Österreichischer Rat für Forschung und Technologieentwicklung)
- Veit Sorger (Präsident, Industriellenvereinigung, Österreich)
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel: +43 1 713 1414
E-Mail: l.garzik@rat-fte.at














