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OTS0175   17. März 2011, 12:26

Angst vor dem Super-GAU: Berlakovich verspricht "beinharte" Stresstests für AKWs

Atomkraftgegner üben harte Kritik am Vorstoß des Umweltministers


Nikolaus Berlakovich feiert sie als Erfolg, die
Kritiker sprechen von "Lippenbekenntnissen." In der ATV-
Diskussionssendung "Am Punkt" erklärte Österreichs Umweltminister
(ÖVP) gestern erstmals ausführlich, wie die Stresstests für
Atomkraftwerke funktionieren sollen. Zuvor hatte sich die EU in
Brüssel auf die von Berlakovich geforderten Stresstests geeinigt.
Alle 143 AKWs in der Europäischen Union sollen unter die Lupe
genommen werden.

"Das neue an der Sache ist, dass es erstmals derartige, europaweit
einheitliche Stresstests gibt", sagte der Umweltminister in "Am
Punkt". "Und hier wird zum Beispiel Erdbebensicherheit geprüft, ob
die Kühlaggregate funktionieren. Es wird sogar das Lager der
Brennstäbe geprüft." Hart ins Gericht mit Berlakovich ging
Greenpeace-Experte Niklas Schinerl. Er kritisierte, dass die
EU-Kommission mit den Betreibern der Atomkraftwerke über die
Kriterien der Stresstests beraten will: "Das heißt, wir diskutieren
praktisch mit den Brandstiftern, ob wir das Feuer löschen dürfen."
Vor allem aber: Nach jetzigem Stand seien die Tests freiwillig.

Für den renommierten Risikoforscher Wolfgang Kromp war in "Am
Punkt" noch ein anderer Punkt entscheidend: "Wer führt diese
Prüfungen durch? Machen sie unabhängige Experten, solche die nicht an
der Atomindustrie beteiligt sind? Wenn das nämlich von der Lobby
gemacht wird, dann sind diese ganzen Stresstests für die Fisch."
Berlakovich sagte, er wolle sich für unabhängige Kontrollen
einsetzen: "Das können nicht die Betreiber der Atomkraftwerke selber
machen oder irgendwelche Institutionen, die davon profitieren."

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass Europa so
schnell wie möglich aus der Kernenergie aussteigen müsse.
Berlakovich. "Die Devise ist ganz klar: raus aus Atom."
Greenpeace-Experte Schinerl warf der Regierung aber auch Heuchelei
vor: Österreich habe zwar keine AKWs, aber bis zu 15 Prozent des
österreichischen Stroms kämen trotzdem aus ausländischen
Kernkraftwerken. Die Welt müsse aus der Atomkatastrophe in Japan
endlich lernen: "Wenn der Tsunami jetzt einen Windpark erreicht
hätte, dann würden wir nicht so gebannt auf Japan schauen und müssten
nicht mit dieser Katastrophe rechnen", sagte Schinerl
in "Am Punkt".

Risikoforscher Kromp fordert auch ein Umdenken bei den
Konsumenten: "Da müssen wir uns alle selbst an die Nase fassen und
einmal beginnen, ein bisschen zu überlegen: wo kann ich denn
einsparen? Muss ich jeden Handgriff elektrisch machen? Muss das Brot
elektrisch geschnitten werden?"

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0175 2011-03-17 12:26 171226 Mär 11 ATP0001 0386



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