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"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Unmoral der G'schicht"

Als Privatmann tat Grasser das, wogegen er als Finanzminister gekämpft hatte.

Wien (OTS) - Im Oktober 2003 wurde Karl-Heinz Grasser im Parlament gefragt, ob er an einer Stiftung beteiligt sei. Oder ob ein Vaduzer Kapital von ihm verwalte. "Leider nein", antwortete dieser; sein Vermögen sei "nicht groß genug". Einige Jahre später war das anders. Der Mann hatte einen Batzen Geld, den er nach Liechtenstein transferierte. Nun hat Grasser deswegen die Behörden am Hals. Sie ermitteln wegen Steuerhinterziehung. Ein schwerwiegender Verdacht gegen den "besten Finanzminister aller Zeiten".
Wie immer die Geschichte für Grasser ausgeht, ihre Unmoral ist schon jetzt erwiesen. Als Finanzminister betonte er bei jeder Gelegenheit, wie wichtig es sei, den heimischen Finanzplatz zu stärken: Es müsse alles getan werden, damit Vermögen im Inland bleibt. Und so seien Privatstifter weiterhin steuerlich zu begünstigen.
Kaum aus dem Amt, interessierte Grasser sein Geschwätz von gestern nicht mehr. Selbst die niedrige Stiftungssteuer, die er als Regierungsmitglied bejubelt hatte, war ihm als Meinl-Manager zu hoch. Als Finanzminister war Grasser nie um einen flotten Spruch verlegen. Jetzt sagt er nichts. Was soll's.
Sein bisheriger Unwille, die Vermögensveranlagung im Ausland öffentlich zu erklären, sagt eh alles.

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