WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Denn sie wissen nicht, was sie tun - von Esther Mitterstieler

Per Geldflüsse die touristischen Agenden ordnen

Wien (OTS) - Manchmal kommt es schneller als man denkt. Leider. Zu Jahresende habe ich angeboten, auch die kleinsten Schritte in Richtung Verwaltungsreform medial zu begleiten. Nun kommt es leider wenig später zu einem Schritt in die verkehrte Richtung.

Wir haben seit 1955 mit der Österreich Werbung (ÖW) eine Organisation, die den österreichischen Tourismus vertritt. Das sollte für ein Land mit acht Millionen Einwohnern reichen. Möchte man meinen. Mitnichten, scheint es. Per Jahresende ist ein alter Streit eskaliert, der in dem vorläufigen Austritt des 25-Prozent-Mitgliedes WKÖ aus der ÖW mündete. Der zweite Eigner ist der Bund mit 75 Prozent Anteil. Das Wirtschaftsministerium, wo die ÖW angesiedelt ist, muss nun darauf achten, das touristische Know-how in einer Hand gebündelt zu halten. Nichts anderes macht Sinn. Natürlich geht es um Geld. Bisher hat die WKÖ acht Millionen Euro in den ÖW-Topf eingezahlt, heuer werden es sechs Millionen Euro sein. Plus zwei Millionen Euro Sachleistungen. Das kann man ohne bösartige Hintergedanken schon eine Beschneidung nennen.

Nun gibt es einige Beweggründe, die das Ausscheren der WKÖ in dieser Sache erklären könnten: Die Kammer will das Geld für sich behalten und lässt den Tourismusauftritt nach außen von ihrer Außenhandelswirtschaft AWO wahrnehmen und nach innen von der hauseigenen Tourismussparte. Nach dem Motto: Dann sind wir alle ausgelastet und müssen nicht bei uns selbst sparen. Warum diese Begründungen nicht aus der Welt gegriffen sind? Weil die WKÖ in den vergangenen Monaten keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich zu beschweren, dass die ÖW auf Märkten wie Brasilien, China, Indien zu wenig präsent sei. Deutschland ist mit einem Anteil von 40 Prozent immer noch das wichtigste Tourismusland für Österreich. Wie viel Sinn es machen kann, diesen wichtigen Markt gegen Indien aufzurechnen (Anteil: 0,1 Prozent), sei den Zahlen überlassen. Nächster Vorwurf:
Die ÖW habe zu wenig im Inland geworben. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Fazit: Tritt die WKÖ wirklich aus, muss wohl Minister Reinhold Mitterlehner den Rest der ÖW übernehmen. Dann könnte er die sechs Millionen Euro, die die Kammer der ÖW nicht mehr zahlt, über Kürzungen bei der Internationalisierungsoffensive Richtung Kammer wettmachen. Weil Geldflüsse erwiesenermaßen Energieflüsse nach sich ziehen, könnte es damit aber auch beim Alten bleiben. Und die Touristiker und Möchtegerntouristiker könnten sich wieder ganz auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren.

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