Hohe Arbeitslosigkeit bei 50plus: Aubauer fordert "Nationalen Aktionsplan für Senioren-Arbeitskräfte"

Aubauer: Sozialpartner-Runde im Jänner muss Lösungen bringen. Aubauer hinsichtlich Kündigungsschutz skeptisch

Wien (OTS) - "Wie die aktuellen Zahlen zeigen, sinkt zwar
allgemein die Arbeitslosigkeit, doch bei den 50plus bleibt die Lage weiterhin sehr schwierig! Diese Zahlen sind ein deutliches Alarmzeichen und allen sollte damit klar sein: Die Sozialpartner-Runde, die Sozialminister Hundstorfer im Jänner einberufen wird, muss bereits die ersten Lösungen bringen! Wir benötigen einen "Nationalen Aktionsplan für Senioren-Arbeitskräfte" als wirksamen Maßnahmen-Mix! Dieser umfasst neben einem ordentlichen Pensionszuschlag für Arbeiten nach dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter ("Seniorenbund-Belohnungsmodell") die Einführung von "Senior-Pools" beim AMS sowie im öffentlichen Dienst, die schnellere Angleichung der Frauen-Pensionsalter an jenes der Frauen und natürlich Imagearbeit zur besseren Darstellung der Leistungskraft älterer Arbeitnehmer", erklärt Mag. Gertrude Aubauer, Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und ÖVP-Seniorensprecherin im Nationalrat anlässlich der aktuellen Arbeitsmarktdaten.

"Skeptisch bin ich hinsichtlich des von Sozialminister Hundstorfer vorgeschlagenen stärkeren Kündigungsschutzes bei älteren Arbeitnehmern. Schließlich wurde gerade erst der besondere Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderungen gelockert, weil sich gezeigt hatte, dass dies eher ein Einstellungshindernis als eine Beschäftigungsgarantie darstellt. Mit Sicherheit wird dieser Punkt bei den Sozialpartner-Verhandlungen Ende Jänner angesprochen werden, da kann man unsere Bedenken ja gerne widerlegen", erklärt Aubauer weiter, die den "Nationalen Aktionsplan für Senioren-Arbeitskräfte" aus Sicht des Seniorenbundes darstellt.

Der "Nationale Aktionsplan für Senioren-Arbeitskräfte" im Detail:

1. "Seniorenbund-Belohnungsmodell" - 12% mehr Pension für jedes länger gearbeitete Jahr!

Wer nach dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter weiter arbeitet, erhält pro länger gearbeitetem Jahr einen prozentuellen Zuschlag zur späteren Pension.

"Wir haben diesen Vorschlag mit 8% mehr Pensionszuschlag pro länger gearbeitetem Jahr beim Kongress eingebracht - und erhöhen am Ende der Debatte auf 12% Zuschlag pro länger gearbeitetem Jahr. Dies entspricht dem Ansatz in Schweden und erschien den Teilnehmern als ausreichend starker Anreiz. Natürlich haben wir mittlerweile nachgerechnet: Auch bei 12% Zuschlag kostet dieses Modell den Staat keinen Cent, bringt bis zu 93 Millionen mehr in die Staatskassen -und zwar pro Pensionsjahrgang, wenn nur 15% eines Jahrganges das Modell nutzen", so Aubauer zum Ergebnis der Debatte und den daraus sich ergebenden Berechnungen. "Wichtig dabei ist uns, dass auch bei einer Arbeitszeitreduktion in der Phase des Weiterarbeitens der Bonus in voller Höhe zusteht - denn auch das rechnet sich."

Und abgesehen vom finanziellen Vorteil für den Staat gäbe es noch einen weiteren wichtigen Vorteil: "Wir werden schon bald dringend Arbeitskräfte benötigen. Uns Senioren ist es lieber, wir decken möglichst viel dies Bedarfs mit unseren erfahrenen älteren Arbeitnehmer, als wir tun dies ausschließlich durch Zuwanderung!"

2. "Senior-Pools" beim AMS - Als älterer Arbeitnehmer eine neue Rolle finden!

Wer bemerkt, dass er seinen Job in dieser Form nicht bis zur Pension wird ausüben können, meldet sich beim AMS. Nach Erhebung der persönlichen Potentiale wird in enger Kooperation mit den Unternehmen in der Region nach einer "neuen Rolle" für diesen Menschen gesucht.

"In Schweden funktioniert ein ähnliches Modell sehr gut. Als konkretes Beispiel wäre dabei ein Bauarbeiter zu nennen, der nach dem "Rollenwechsel" als Berater im Baumarkt weiterarbeitet. Und alle gewinnen dabei: Der Arbeitnehmer kann länger im Job bleiben und so mehr Gehalt und später mehr Pension erwirtschaften. Und weil der Arbeitnehmer in der neuen Rolle bis zum gesetzlichen Antrittsalter bleiben kann, werden die Pensionssysteme massiv entlastet", erklärt Aubauer dieses Modell.

3. "Senior-Pools" im öffentlichen Dienst - Beamte in Ruhe für Karenzvertretungen einsetzen!

Und auch der Öffentliche Dienst sollte "Senior-Pools" einrichten. Dabei können sich Beamte in Ruhe freiwillig zur Verfügung stellen:
Für Karenzvertretungen, für kurzfristige Krankenstandsvertretungen oder für Projekte, die über einen bestimmten Zeitraum mehr Personal erfordern. Die jeweils geleisteten Stunden würden bezahlt werden -allerdings nicht zum Letztbezug des Betreffenden, sondern zu einem niedrigeren einheitlichen Wert.

"Einsatz statt Langeweile lautet hier das Motto. Viele Beamte in Ruhe würden sich sicher gerne - freiwillig und zeitautark - für den einen oder anderen Einsatz bereit erklären. Machen wir es ihnen leicht, nutzen wir das Potential", so Aubauer weiter.

4. Neue Teilzeit-Modelle - Derzeitige Altersteilzeit ist teuer und ungerecht!

Darüber hinaus brauchen wir dringend neue Teilzeit-Modelle für ältere Arbeitnehmer, denn als einer der wichtigsten Gründe für ein positives Arbeitsgefühl im Alter - und damit einen längeren Verbleib im Job - wird "Zeitautonomie" genannt. Doch das derzeit in Österreich geltende Modell der "Altersteilzeit" funktioniert nicht, hier gilt es neue Modelle zu entwickeln.

"Wir müssen einsehen, dass das derzeit gültige Modell der Alters-Teilzeit gescheitert ist! 288 Millionen Euro jährliche Kosten für nur knapp 17.000 Menschen, die gar nicht die Zeit reduzieren, sondern die Zeit "blocken" - also zuerst Vollzeit weiterarbeiten, um dann Jahre in "Zeitausgleich" zu sein. Das hat keinen Sinn, bevorzugt wenige Privilegierte und muss daher dringend ersetzt werden", sieht Aubauer dringenden Handlungsbedarf.

5. Offensive für Frauen - Raschere Angleichung der Frauenpensionsalter!

Was als Ausgleich von Nachteilen gedacht war - nämlich das niedrigere gesetzliche Pensionsantrittsalter - entwickelt sich zunehmend zu einer großen Hürde für Frauen, die gerne auch nach 60 arbeiten möchten. Daher seien die gesetzlichen Pensionsantrittsalter der Frauen schneller als bisher vorgesehen an jene der Männer anzugleichen.

"Oft ist es ja so: Männer werden Generaldirektoren, Frauen werden zwangspensioniert! Immer mehr Frauen wenden sich an uns mit der Bitte um Unterstützung. Sie möchten nicht schon mit 60 in Pension geschickt werden. Daher sollen nun die Antrittsalter rascher angehoben werden", erklärt Aubauer.

6. Weitere Punkte des "Nationalen Aktionsplans für Senioren-Arbeitskräfte"

Weiters sei es noch nötig, für mehr betriebliche Gesundheitsvorsorge zu sorgen, den älteren Arbeitnehmern mehr Gestaltungsmöglichkeit auf den Arbeitsplätzen einzuräumen und das Image von Arbeit an sich zu verbessern.

"Wenn Sie jeden Montag im Radio hören, wie schrecklich das Leben sei, weil man ja noch 5 böse Arbeitstage vor sich habe, brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Arbeit ausschließlich negativ besetzt wird", weiß Aubauer.

Aubauer erwartet nun vom Runden Tisch im Jänner konkrete Lösungen!

"Endlich wird das Thema breit diskutiert! Ich bin froh, dass noch im Jänner dazu die Sozialpartner-Runde stattfinden soll und erwarte ernst zu nehmende Lösungsansätze schon im nächsten Jahr. Wir sind jedenfalls dazu bereit", hält die ÖVP-Seniorensprecherin abschließend fest.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund, Susanne Kofler
Tel.: 0650-581-78-82, skofler@seniorenbund.at
www.seniorenbund.at

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