TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 3. Jänner 2011 von Michael Sprenger "Pröll und sein verfreundeter Widersacher"

Neugebauer hat einen Ruf zu verteidigen. Er will weiter dafür sorgen, dass sich nichts verändert.

Innsbruck (OTS) - Nur damit keine falsche Hoffnung entsteht,
dürfte der schwarze Beamtengewerkschaftschef Fritz Neugebauer bei sich gedacht haben, 2011 wird sicher nicht das Jahr der Reformen. Ganz im Gegenteil. Deshalb untermauerte Neugebauer gleich zu Jahresbeginn seine Position als Vorkämpfer einer rückwärtsgewandten Politik. Mögen doch die Bildungsexperten sagen, was sie wollen, mögen doch die PISA-Ergebnisse noch so ernüchternd sein. Neugebauer lehnt nicht nur eine gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr kategorisch ab, er hält auch nichts vom weiteren Ausbau der Neuen Mittelschule. Weil Neugebauer eben einen Ruf zu verteidigen hatte, forderte er gleich noch die Wiedereinführung einer Aufnahmeprüfung für das Gymnasium ein. Überhaupt meint der frühere Lehrer, dass bei der Bildung kein Handlungsbedarf besteht. Deshalb kann zwar das ÖVP-Bildungskonzept in den kommenden Wochen ruhig präsentiert, aber vor der Nationalratswahl 2013 braucht es nicht umgesetzt zu werden. Überhaupt wird viel zu viel umgesetzt, mutmaßt Neugebauer. Auch mit seiner Stimme. Aber bitte, das war doch vor Weihnachten. Und da stimmte er als ÖVP-Abgeordneter für die Pensionsreform. Aber jetzt ist er wieder Gewerkschafter. Und als solcher kündigt er eine Klage beim Verfassungsgerichtshof gegen die Reform an, für die Neugebauer als Zweiter Nationalratspräsident noch gestimmt hatte. So ist das, Herr Pröll!
Der ÖVP-Obmann wird sich wohl zu Silvester still und leise ein viel besseres politisches Jahr für sich und seine Partei gewünscht haben als das abgelaufene. Verständlich. Doch der oberste Gewerkschafter in seinen Reihen hat ihm zu Jahresbeginn gleich eindrucksvoll vor Augen geführt, dass Josef Pröll seine bes?ten Feinde weiterhin in der Volkspartei finden wird. Auch im neuen Jahr. Damit nur keine falsche Hoffnung entsteht.

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