• 08.09.2010, 12:03:21
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AK fordert bessere Basisbildung für Erwachsene in Österreich

Fundierte Daten über Lese- und Schreibkenntnisse von Erwachsenen sind Voraussetzung um Analphabetismus zu bekämpfen

Wien (OTS) - "Fundierte Daten wären die Voraussetzung für gezielte
Maßnahmen gegen Analphabetismus", sagt AK Präsident Herbert Tumpel
anlässlich des UNESCO Welttages der Alphabetisierung. Nur gibt es in
Österreich kaum gesicherte Daten über das Ausmaß von Analphabetismus,
denn bis jetzt hat sich Österreich noch nie an internationalen
Vergleichsstudien beteiligt. "Die Schätzungen reichen von 300.000 bis
zu einer Million. Das zeigt, wie wenig wir über die Betroffenen
wissen. Analphabeten können am gesellschaftlichen Leben nur sehr
eingeschränkt teilnehmen und müssen sich auch in der Arbeitswelt
mühselig durchschlagen", so Tumpel. Die größte Gruppe der
AnalphabetInnen sind dabei die sogenannten "funktionalen"
AnalphabetInnen: Sie können zwar einigermaßen lesen und schreiben,
verstehen aber den Sinn nicht und können den Inhalt des Gelesenen
nicht umsetzen. Die AK unterstützt daher das Vorhaben der Regierung,
sich an der kommenden PIAAC Studie der OECD (Programme for the
International Assessment of Adult Competencies, also "PISA für
Erwachsene") zu beteiligen, damit Erwachsene mit
Basisbildungsdefiziten gezielt unterstützt werden können. Vorarbeiten
laufen bereits.

"Die Ergebnisse der PISA Studien für SchülerInnen haben in
Österreich große Diskussionen ausgelöst. Es ist nun aber höchst an
der Zeit, dass Österreich auch bei den Lese- und Schreibkenntnissen
der Erwachsenen nicht länger im Dunkeln tappt. Eine Beteiligung an
der PIAAC Studie ist daher unverzichtbar", betont Tumpel. Für die
Betroffenen macht Analphabetismus den Alltag schwer und die Suche
nach einem Arbeitsplatz oft aussichtslos. Um ausreichende und
gezielte Basisförderungskurse anbieten zu können, müsse man zuerst
wissen, wie groß das Problem ist und wo genau angesetzt werden muss.
Wenn man Untersuchungsergebnisse aus anderen Ländern auf Österreich
umlegt, muss man von bis zu 20 Prozent der erwachsenen
Wohnbevölkerung ausgehen, die einen Basisbildungsbedarf aufweisen
(dazu zählen auch grundlegende Kenntnisse im Umgang mit EDV und
Internet). Die historische Chance, dass Österreich erstmals an einer
Alphabetisierungsstudie für Erwachsene teilnimmt, muss unbedingt
genutzt werden.

In diesem Zusammenhang bewertet Tumpel die jüngsten Initiativen
der Unterrichtsministerin in der Basisbildung als positiv: "Dass in
Zukunft Kurse und Lehrgänge im Bereich Basisbildung in Österreich
ohne Gebühren angeboten werden sollen, ist ein ganz großer Schritt in
die richtige Richtung." Bisher gibt es nur vereinzelt Förderungen und
regionale Initiativen. In Wien fördert etwa der WAFF (Wiener
ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) das Nachholen von
Bildungsabschlüssen und die AK Wien Basisbildungskurse mit dem 100
Euro AK Bildungsgutschein. Immer wieder bieten auch die
Volkshochschulen geförderte Lehrgänge an. "Das sind aber nur Tropfen
auf den heißen Stein. Wir brauchen jetzt den großen Wurf. Zusätzlich
muss auch das Nachholen des Hauptschulabschlusses reformiert und
erleichtert werden", so Tumpel. Lehrpläne und Prüfungsmodalitäten,
die für 14-jährige gemacht wurden, eignen sich nicht für Erwachsene,
"wer in Österreich den Hauptschulabschluss nachholen will, braucht
sinnvolle, erwachsenengerechte Lehrpläne. Jeder sollte das Niveau der
8. Schulstufe erreichen."

Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Mag.a Olivia Weiss
Tel.: (+43-1) 501 65 2641; mobil: (+43) 664 845 42 14
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

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