- 15.06.2010, 16:11:45
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Hauptverband startet Testbetrieb für e-Medikation - Wechselwir-kungen einfach, sicher und schnell vermeiden
Wien (OTS) - Mit einem hochkarätig besetzten Symposium hat der
Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, heute,
Dienstag, den Startschuss für das Projekt e-Medikation gesetzt.
Zunächst werden in einem Pilotbetrieb in drei Regionen (Reutte/Zams,
Wels-Grieskirchen, Wien-Donaustadt) Ärzte, Apotheken, Spitäler und
Patienten freiwillig teilnehmen: Dabei wird erprobt, wie der
online-Check von verschriebenen Arzneimitteln auf Wechselwirkungen
mit rezeptfreien Arzneimitteln, die der betroffene Patient einnimmt,
in der Praxis funktioniert. Ziel ist es, nach erfolgreichem
Testbetrieb das System auf ganz Österreich auszudehnen und
mittelfristig die Zahl von gesundheitlichen Schäden durch unerkannte
Wechselwirkungen spürbar zu vermindern. Die technische Basis dafür
bildet das hoch sichere e-card-System, wobei die persönlichen
Arzneimitteldaten nicht auf der e-card selbst, sondern in einem
Arzneimittelkonto gespeichert werden. Die e-card selbst dient dabei
als Zugangs-Schlüssel zu den Arzneimitteldaten des Patienten.
Dieses Ziel, modernste Technologie im Interesse der Versicherten
einzusetzen, zog sich als roter Faden durch die Statements der
Referenten aus den unterschiedlichsten eingebundenen Fachgebieten.
Dr. Hans Jörg Schelling, Vorsitzender des Verbandsvorstandes im
Hauptverband: "Es geht nicht darum, Ängste zu schüren oder zu
verunsichern. Sondern es geht darum, möglichst jedes Restrisiko in
Sachen Wechselwirkungen auszuschalten. e-Medikation ist ein Service,
das im Zusammenspiel mit Arzt-, Krankenhaus- oder Apothekensoftware
Prüfungen von Verschreibungen auf mögliche Wechselwirkungen und
Mehrfachverordnungen erlaubt. Prüfungen sind dabei binnen Sekunden
und österreichweit mit einem einheitlichen Ergebnis möglich. Und
diese Prüfungen auf Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen
erfolgen - entsprechend den Vorgaben für die Verarbeitung von
sensiblen Daten - sicher, weil sie nicht über das Internet erfolgen,
sondern über das sichere und nur für berechtigte Teilnehmer nutzbare
Gesundheitsinformationsnetz. Mit der Einführung des e-card-Systems
hat sich der Hauptverband auch öffentlich sichtbar als Motor des
österreichischen Gesundheitswesens gezeigt. Diese Rolle wollen wir
weiterhin einnehmen - im Interesse der Versicherten und damit der
gesamten Gesellschaft."
DI Volker Schörghofer, stellvertretender Generaldirektor im
Hauptverband, zuständig für die e-card und ihre Anwendungen, erklärte
in seinem Referat: "e-Medikation beschränkt sich nicht nur auf die
Prüfung von Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen. Zum ersten Mal
wird es möglich sein, über die Medikationsliste Ärzten, Apothekern
und Krankenanstalten fächerübergreifend gezielte Informationen über
den "Medikamentencocktail" eines Patienten zur Verfügung zu stellen.
Das ist besonders wichtig für die Aufnahme im Spital, bei
Erstkonsultationen und somit ein wichtiger Schritt in Richtung
Verbesserung der Schnittstellenproblematik."
Mag. pharm. Martina Anditsch, klinische Pharmazeutin im Wiener
Donauspital: "Die Arzneimitteltherapie, vor allem des alten
multimorbiden Patienten, wird immer komplexer. Durch die
gleichzeitige Verabreichung von mehr als fünf verschiedenen
Medikamenten steigt die Gefahr für klinisch relevante unerwünschte
Arzneimittelreaktionen , die nicht selten zu teuren
Spitalsaufenthalten führen, potentiell an. Unter Berücksichtigung
patientenindividueller Faktoren müssen Fakten aus der Literatur,
klinische Studien und therapeutische Erfahrungen bewertet werden, um
eine sichere Therapie für jeden einzelnen zu gewährleisten. Unter
Zuhilfenahme optimierter Informationsquellen (Datenbanken) kann nur
durch eine intensive, sich ergänzende Zusammenarbeit von Arzt und
Apotheker, sowohl im Spital als auch im niedergelassenen Bereich
diese komplexe Herausforderung bewältigt werden. In erster Linie
dient das den Patienten, in zweiter Linie aber auch der Ökonomie."
Aus Sicht der Spitalsärzte stellte Dr. Jochen Schuler, Oberarzt an
der Universitätsklinik Salzburg, fest: "e-Medikation ist ein
wichtiges, neues Werkzeug, um die Arzneimitteltherapie transparenter
und sicherer zu machen. Dieses Werkzeug steckt jedoch größtenteils
noch in den Kinderschuhen und es wird eigene Nebenwirkungen
produzieren. Ob e-Medikation daher eine nachhaltige Verbesserung der
Arzneimitteltherapiesicherheit bewirkt, muss sich erst erweisen. Bei
allem berechtigten Optimismus darf auf keinen Fall vergessen werden,
dass es andere, weniger technologische Werkzeuge gibt, die unbedingt
weiterentwickelt werden müssen. In erster Linie sei hier das
informative Gespräch zwischen Arzt und Patient genannt und die Zeit,
die hierfür zur Verfügung steht."
Seitens der Österreichischen Ärztekammer ergänzte deren
Vizepräsident Dr. Artur Wechselberger: "Die Art der Lösungen zur
Anwenderfreundlichkeit in Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken
aber auch der noch offenen Fragen zur Finanzierung, der Haftung und
nicht zuletzt zum Datenschutz - einschließlich des
Berechtigungsregelwerkes und der Löschung nicht mehr benötigter
Medikationsdaten - stellen kritische Erfolgsfaktoren zum Gelingen des
e-Medikationsprojektes dar."
Für die Patienten stellte der niederösterreichische Patientenanwalt
Dr. Gerald Bachinger dem Anliegen und dem geplanten Vorgehen ein
grundsätzlich positives Zeugnis aus: "Die neu konzipierte
e-Medikation ermöglicht eine Zusammenführung der bestehenden
Informationsmosaiksteinchen zu einem Gesamtbild der
Medikationssituation durch Vernetzung der einzelnen
Gesundheitsdienstleister wie Allgemeinärzte, Fachärzte, Apotheker und
Krankenanstalten. Ein Eckpunkt des Projektes ist ebenso, dass die
Teilnahme für Patienten freiwillig und auch kostenlos möglich ist."
Auch Dr. Wolfgang Gerold, Leiter der Stabsstelle Medizinökonomie
und Pharmazie im Wiener Krankenanstaltenverbund ist optimistisch: "Es
ist eine großartige Leistung des österreichischen Gesundheitswesens
mit der politischen Einigung auf das erste Stück ELGA, der
e-Medikation, der österreichischen Bevölkerung freiwillig zu
ermöglichen, die individuelle medikamentöse Therapie durch den
elektronischen Zugriff für die Gesundheitsberufe sicherer und
letztlich auch kosteneffizienter zu machen. Unterstützt wird dies
durch ein zu schaffendes multiprofessionelles Fachgremium, das
mögliche Wechselwirkungen auf Basis neuester wissenschaftlicher
Erkenntnisse bewertet und die Ergebnisse über die e-Medikation allen
Beteiligten zugänglich macht".
Seitens der ELGA GmbH sieht Geschäftsführerin Dr. Susanne Herbek in
e-Medikation einen ersten Schritt in Richtung Elektronischer
Gesundheitsakt: "Die Pilotierung der e-Medikation ist die erste
Pilotierung einer ELGA-Anwendung: Relevante - mitunter
le-benswichtige - Informationen zur medikamentösen Therapie der
Patienten werden systematisch, zeit- und ortsunabhängig und
zielgerichtet auf elektronischem Weg allen behandelnden
Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung gestellt."
Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen,
sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und
eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,2 Millionen
Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte
An-gehörige). Der Behandlungsanspruch aus der Krankenversicherung
wird beim Mediziner durch das e-card-System angezeigt: Die e-card als
Schlüsselkarte enthält keine medizini-schen Daten, ermöglicht dem
Arzt aber die Überprüfung des Versicherungsstatus eines Patienten und
die Nutzung weiterer Services. Der Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger ist das organisatorische Dach über der
solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs.
Rückfragehinweis:
Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71132-1120
mailto:[email protected]
http://www.sozialversicherung.at
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