• 01.06.2010, 09:37:41
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ORF-DialogForum: "Wie wichtig ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk für Europa?"

Podiumsdiskussion mit ZDF-Intendant Schächter, ORF-Generaldirektor Wrabetz u. a. / zukunft.ORF.at: ORF-Public-Value-Bericht erstmals auch online

Wien (OTS) - Europa befindet sich trotz zahlreicher aktueller
Krisenerscheinungen mitten in einem umfassenden Integrationsprozess.
Zuverlässige Information und eine kritische Erörterung sind für das
Verständnis von Zusammenhängen, Abhängigkeiten und Perspektiven
entscheidend. Welchen Beitrag können und sollen gemeinwohlorientierte
Medien dazu leisten? Diese Fragen diskutierten unter der Leitung von
ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher Claudio Cappon, Vizedirektor der EBU,
Gottfried Langenstein, Präsident von ARTE, Markus Schächter,
Intendant des ZDF, und Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF, im
Rahmen des achten ORF-DialogForums zum Thema "Wie wichtig ist der
öffentlich-rechtliche Rundfunk für Europa?" am Montag, dem 31. Mai
2010, im Haus der Europäischen Union in Wien. Präsentiert wurde
ebenfalls der neue ORF-Public-Value-Bericht 2009 "Wert über Gebühr",
der erstmals ab 1. Juni 2010 unter zukunft.ORF.at auch online zur
Verfügung steht.

ZDF-Intendant Markus Schächter ortete im Rahmen der Diskussion für
die Zukunft eine noch größere Bedeutung der Öffentlich-Rechtlichen:
"In dem Ausmaß, in dem die privaten Sender künftig mit verschiedenen
neuen Geschäftsmodellen experimentieren, statt auf publizistische
Expansionen zu setzen, fällt den öffentlich-rechtlichen Sendern eine
immer größere Bedeutung und Verantwortung für unsere Gesellschaft zu.
Der Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Europa
wird also gerade in der digitalen Welt relevant und aktuell bleiben.
Medienunternehmen wie das ZDF müssen der Gesellschaft ein Forum für
den Interessen- und Meinungsaustausch bieten und damit unserer
Demokratie dienen. Sie müssen den gesellschaftlichen Fliehkräften
entgegenwirken und das stärken, was uns im Inneren zusammenhält. Sie
müssen ein Libero für die Sicherung der Vielfalt sein. Der
öffentlich-rechtliche Rundfunk hat allen Alters- und
Gesellschaftsgruppen ein frei zugängliches Programmangebot mit
Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung zu machen und darf sich
keinesfalls in eine Programmnische abdrängen lassen."

Für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stehen
Öffentlich-Rechtliche in ganz Europa vor großen Herausforderungen:
"Die österreichische Medienlandschaft und damit auch der ORF
durchlaufen einen nachhaltigen Veränderungsprozess, ausgelöst durch
die Verschärfung des Wettbewerbs, die Digitalisierung und die
Wirtschaftskrise. Der ORF hat mit einem umfassenden und
wirkungsvollen Maßnahmenpaket reagiert. Es geht nun darum, durch
einen raschen Beschluss des ORF-Gesetzes klare Rahmenbedingungen für
die zukünftige Entwicklung des ORF zu schaffen. Zwei Dinge sind dabei
wichtig: Erstens muss der ORF auch auf neuen Plattformen präsent sein
und neue Technologien nutzen dürfen. Zweitens muss der ORF ein
breites Programmangebot machen dürfen und nicht auf ein
Nischenprogramm reduziert werden. Umfassende Information ist
Voraussetzung für die Teilhabe an Europäischen Themen. Diese
Informationsleistung können nur Öffentlich-Rechtliche erfüllen. Dazu
gehören aber auch Kultur und Unterhaltung. Der eben erschienene
Public-Value-Bericht des ORF dokumentiert dies."

ARTE-Präsident Gottfried Langenstein unterstrich die wichtige
kulturelle Funktion öffentlich-rechtlicher Medienunternehmen: "In
Europa wird derzeit zu viel auf wettbewerbsrechtliche Fragen und zu
wenig auf die kulturelle Leistung Öffentlich-Rechtlicher geachtet,
die auch einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor darstellt.
Kommerzielle Medien werden die europäische Filmindustrie, Autoren und
Produzenten niemals in der Weise unterstützen, wie dies durch
Öffentlich-Rechtliche geschieht. Wir beschäftigen Journalisten,
Autoren, Schauspieler und Regisseure und erbringen dadurch eine
unverzichtbare Kultur- und Informationsleistung für die
Öffentlichkeit. In der journalistischen Praxis ist es gerade in der
aktuellen Situation wichtig, auch die positive stabilisierende Rolle
Europas und des Euro stärker herauszuarbeiten, ohne die die
Entwicklung noch viel schwieriger wäre. Aber auch
Unterhaltungsprogramme sind für uns sehr wichtig, um das Publikum
dadurch für andere öffentlich-rechtliche Inhalte zu interessieren.
Wobei wir einem völlig neuen Phänomen gegenüberstehen: Das Publikum
will Information heute rasch und erhält diese aus dem Netz. Dazu
kommen die kommunikativen Netzwerke, die sehr rasch eventhafte
Information transportieren. Daran muss sich auch unsere
Fernsehprogrammierung stärker orientieren."

EBU-Vizedirektor Claudio Cappon betonte die enge Verbindung zwischen
Europa und den Öffentlich-Rechtlichen: "Italien war immer ein
proeuropäisches Land, die Europäische Idee ist integraler Bestandteil
des italienischen Selbstverständnisses. Die RAI ist eines der
erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen in Europa
und auch wenn die kommerzielle Konkurrenz groß ist, so ist das
Vertrauen des Publikums nach wie vor sehr hoch. Dieses Vertrauen
müssen wir nutzen, um allen Bevölkerungsschichten Zugang zu
Information, Kultur und Unterhaltung zu machen und so sozialen
Ausgleich zu schaffen."

ORF-Public-Value-Bericht 2009 auch online

Der ORF-Public-Value-Bericht 2009, der ebenfalls im Rahmen der
Veranstaltung vorgestellt wurde, gibt unter dem Titel "Wert über
Gebühr" anhand von Programmen, Daten und Fakten einen umfassenden
Überblick über die Programmproduktion des vergangenen Jahres.
Persönliche Berichte und Kommentare von Programmmacherinnen und
-machern beschreiben Wert und Nutzen der ORF-Angebote. Erstmals
erscheint der Public-Value-Bericht, parallel zur Printversion, auch
online. Unter zukunft.ORF.at stehen ab 1. Juni 2010 ergänzend zu den
Materialien des Printberichts mehr als 100 Video-, Audio- und
Textfiles zur Verfügung, die die ORF-Programmarbeit im
Berichtszeitraum illustrieren.

Das ORF-DialogForum

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative im Rahmen der
ORF-Public-Value-Maßnahmen, um das Gespräch mit seinem Publikum, den
österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der
Zivilgesellschaft zu beleben. Im Mittelpunkt der Diskussionsreihe
stehen Herausforderungen und Perspektiven gesellschaftlicher
Verantwortung in den unterschiedlichen Lebensbereichen der Menschen.

Rückfragehinweis:
ORF-Unternehmenskommunikation
Alexander Horacek
(01) 87878 - DW 12953
[email protected]
http://presse.ORF.at

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