- 21.05.2010, 08:32:51
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der beste Job der Welt - von Hans Weitmayr
Hat man nichts mehr zu verlieren, eröffnet sich neuer Spielraum
Wien (OTS) - Wer hat derzeit den besten Job der Welt? US-Präsident
Obama, weil der das zweitmächtigste Amt der Welt innehat?
Raiffeisen-General Konrad, weil er das erstmächtigste Amt der Welt
innehat? Oder Russel Crowe, weil er mit Pfeil und Bogen bewaffnet als
Robin Hood durch einen Wald reiten darf und dafür auch noch bezahlt
bekommt?
Die Antwort: Keiner der Genannten. Den besten Job der Welt hat
zweifellos der griechische Premier Girgios Papandreou. Das aus einem
einfachen Grund: Der Mann hat einfach nichts zu verlieren. Lenkt man
einen Staat unter Voraussetzungen, unter denen es derzeit Papandreou
tun muss, sind die Erwartungen an seinen Erfolg so gering, dass es
für ihn persönlich nur gut ausgehen kann. Führt er das Land aus der
Krise, ist ihm ein Platz im politischen - verzeihen Sie die Platitüde
- Olymp sicher. Gelingt ihm ein Teilerfolg, ist nach seiner Amtszeit
noch eine Top-Position auf EU-Ebene möglich. Erweist sich die
Katastrophe als zu überwältigend, darf er auf ein Schulterklopfen und
ein freundliches "Immerhin hast Dus versucht" zählen. Wie vorteilhaft
sich eine scheinbar aussichtslose Situation auf den eigenen Lebensweg
auszuwirken vermag, kann sich Papandreou übrigens in Österreich
erzählen lassen. Etwa vom ehemaligen ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer oder
dem ehemaligen Bawag-Chef Ewald Nowotny. Ersterer ist in der
Regierung gelandet, mitunter wird das Wort "Kanzler" gemunkelt, wenn
es um dessen weitere Karriere geht; zweiterer ist Chef der OeNB, was
auch nicht ganz schlecht ist.
Papandreou wirkt angesichts dieser Voraussetzungen befreit. Ohne mit
der Wimper zu zucken und richtigerweise feuert er eine Ministerin,
der Steuerbetrug vorgeworfen wird, eine Umbildung des Kabinetts steht
an. Forsch legt er den griechischen Korruptionssumpf trocken und
scheut auch nicht vor Maßnahmen zurück, die etwas skurril anmuten -
etwa, Krankheiten simulierende Finanzbeamte undercover in Arztpraxen
zu schicken, um herauszufinden, ob Medikamente schwarz verschrieben
werden oder nicht. Doch bekanntlich fordern außergewöhnliche Zeiten
außergewöhnliche Maßnahmen. Dass Papandreou sich dieser Tatsache
bewusst ist und die dadurch entstehenden Spielräume nutzt, macht Mut.
Und wenn unser Kontinent dieser Tage etwas braucht, dann genau das:
Mut.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
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