Graz (OTS) - Seit Beginn der Kanzlerschaft Werner Faymanns
führen Wahlgänge für die SPÖ über eine lang gezogene Via Dolorosa.
Nach Vorarlberg, Tirol und Niederösterreich erreichte der Leidensweg
der Partei gestern die Steiermark. Das ist jener Landstrich, wo die
Partei vor fünf Jahren fulminant Geschichte schrieb, die Hegemonie
der ÖVP brach und erstmals seit Kriegsende auf dem Sessel des
Landeshauptmanns Platz nahm.
Dort sitzt Franz Voves in zunehmend banger Gemütslage. Seine
Wiederwahl im Herbst ist gefährdet. Die herben Verluste bei den
gestrigen Gemeinderatswahlen sind zwar noch kein Menetekel, aber sie
signalisieren der Landeshauptmann-Partei eine widrige Thermik, gegen
die Franz Voves noch kein probates Mittel gefunden hat.
Durchschaubare Fernseh-Auftritte als populistischer Sparefroh werden
nicht genügen. Das Manöver kurz vor der Wahl hat nicht verfangen.
Vor allem die Einbrüche in den Industrieregionen der Obersteiermark
müssen die SPÖ mit Besorgnis erfüllen. Mürzzuschlag, Kapfenberg,
Bruck - das waren auf kommunaler Ebene uneinnehmbare Festungen, jetzt
wanken dort die absoluten roten Mehrheiten. In einer tief
verunsicherten Arbeiterschaft schwindet die Bindekraft der
Sozialdemokraten als Schutzmacht. Dieses Milieu ist schon einmal -
unter Jörg Haider - geschlossen nach rechts emigriert. Das hat sich
jetzt so nicht wiederholt. Das ist bemerkenswert. Die FPÖ profitierte
nur mäßig. Ihre Bäume wachsen nicht in den Himmel, es bleiben
gewissermaßen nur die Eichen, der Appeal der Partei reduziert sich
auf den monokulturellen nationalen Kern, für den die
Hofburg-Kandidatin steht: eine Engführung, die schon bei den Wahlen
in Niederösterreich und Vorarlberg zu Buche schlug. So hat die FPÖ
auch in der Obersteiermark nur einen Teil des roten Flugsands
aufgesogen, ein nicht unbeträchtlicher Teil trieb erstmals nach
links, zu den Kommunisten. Sie ziehen in etliche Stadtparlamente ein.
Die steirische ÖVP entschied die Wahl, ausgeschildert als Testlauf,
klar für sich. Bis auf 127 Stimmen war die SPÖ bei den Kommunalwahlen
2005 an die ÖVP herangekommen. Jetzt streckte die Volkspartei den
Vorsprung wieder auf fast zehn Prozent. Das ist weniger
machtpolitisch als psychologisch von Belang: Nach dem erweiterten
Suizid vor fünf Jahren bedeutet der Wahlsieg Vitamin für die lange
Zeit traumatisierte Partei, für Herausforderer Hermann Schützenhöfer
und für seine "Operation Rückeroberung". Der steirische Herbst
verspricht heiß zu werden. ****
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212013 Mär 10
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