• 07.02.2010, 19:54:57
  • /
  • OTS0053 OTW0053

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Triumph des Mittelmaßes: Barrosos neue Mannschaft" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 08.02.2010

Graz (OTS) - Es wird ein Tag ganz nach Geschmack des
Präsidenten. Feierliche Reden werden geschwungen werden. Weihrauch
wird aufsteigen, und wieder einmal wird jene Mischung aus Pathos und
Peinlichkeit das Europaparlament durchwehen, die er so liebt.

José Manuel Barroso hat allen Grund zufrieden zu sein. Morgen werden
Europas Volksvertreter sein neues Team in Straßburg klar bestätigen.

Euphorie ist unangebracht. So wie ihr Chef ist auch die neue
EU-Kommission nur Mittelmaß. Sieht man vom Spanier Joaquín Almunia
(Wettbewerb), dem Franzosen Michel Barnier (Binnenmarkt) und der
Holländerin Neelie Kroes (Digitales) ab, fehlen Barrosos Mannschaft
die Schwergewichte.

Das bedeutet nicht, dass die Auswahl an sich schlecht wäre. Noch
lacht Europa über das Spätzle-Englisch von Günther Oettinger. Aber
der Deutsche wird seinem Land als Energiekommissar gewiss keine
Schande machen. Und auch der Tscheche Stefan Füle (Erweiterung), der
Belgier Karel De Gucht (Handel), der Finne Olli Rehn (Währung) oder
Österreichs Johannes Hahn (Regionales) werden ihren Job sicher gut
erledigen. Die Frage lautet nur: Ist "gut" in Krisenzeiten wie diesen
auch gut genug?

Es ist schon eigenartig. Jahrelang haben Europas Regierende dafür
gekämpft, Europa mit dem Vertrag von Lissabon zu neuer Größe zu
führen. Doch jetzt, da sie die Zügel in Brüssel an starke und
erfahrene Politiker übergeben sollten, befällt sie die Kleinmut.
Nicht die Besten wurden in die Schaltzentrale des vereinten Europa
entsandt, sondern Politiker, die man sich aus welchen Gründen auch
immer dorthin wünscht.

Das Paradebeispiel ist Lady Ashton. Würde man an ihr fachlich den
gleichen Maßstab anlegen, wie an der zu Recht spektakulär
gescheiterten Bulgarin Rumanja Schelewa, hätte die Britin niemals
"EU-Außenministerin" werden dürfen.

Doch Ashton ist Teil des zwischen Rot und Schwarz vereinbarten großen
EU-Personalpakets und daher auch für das Europaparlament sakrosankt.

Barroso passt da perfekt ins Bild. Als die Fleisch gewordene
Mutlosigkeit ist er für Europas Staatenlenker die Idealbesetzung.
Dieser Mann wird niemandem gefährlich.

Zugleich wacht er eifersüchtig darüber, dass ihm in der Kommission
kein Rivale erwächst. Erfolgreiche und perfekt eingearbeitete
Kommissare wie Almunia und Kroes mussten das Ressort wechseln.

So wird mit der morgigen Wahl der Kommission zwar ein neues Kapitel
in der Geschichte der Union aufgeschlagen. Aber es ist ein matter,
ein glanzloser Start.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/442

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel