• 13.01.2010, 10:38:12
  • /
  • OTS0082 OTW0082

Fremdwährungskredite: Studie legt strengere Regulierung statt Verbot nahe

Göltl: Risikobewussten Privatkunden dürfen Chancen der Fremdwährungsfinanzierung nicht entzogen werden

Wien (OTS/PWK015) - Anlässlich der globalen Finanzkrise im
Herbst 2008 wurde die Vergabe von Fremdwährungskrediten an Private in
Österreich aufgrund einer entsprechenden Empfehlung der
Finanzmarktaufsicht (FMA) extrem eingeschränkt. Weitere
Verschärfungen der Vergabekriterien werden derzeit von FMA und
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
ausgearbeitet. Um mögliche Folgen für die Fremdwährungskredit-Vergabe
an Private und Lösungsansätze für die Zukunft aufzuzeigen, hat der
Fachverband Finanzdienstleister eine wissenschaftliche Studie an der
Johannes Kepler Universität Linz bei Teodoro D. Cocca von der
Abteilung für Asset Management in Auftrag gegebenen.

Kreditgeschäft: Fremdwährungskredit-Kundenanteil von 60 Prozent

Die im Rahmen der Studie durchgeführte Umfrage bei
Finanzdienstleistern zeigt die wirtschaftlich strategische Rolle der
Fremdwährungsfinanzierung: 60,1 Prozent der Kreditkunden Gewerblicher
Vermögensberater in Österreich finanzieren über einen
Fremdwährungskredit (FWK) - wobei gewerbliche Kunden mit einem Anteil
von 12,7 Prozent deutlich in der Minderheit sind.
Fremdwährungskredite liegen mit 82,7 Prozent an dritter Stelle im
Ranking der aktiv angebotenen Finanzierungsformen (Eurokredit: 92,2
%, Bauspardarlehen: 85,2 %).

Der Fremdwährungskredit wird fast ausschließlich zur Schaffung von
bleibenden Werten verwendet. Zu 96,7 Prozent werden
Fremdwährungskredite für den Erwerb eines Eigenheims eingesetzt. Als
stärkste Argumente für einen Fremdwährungskredit werden von 98,2
Prozent der Befragten das niedrige Zinsniveau der gewählten Währung
und von 83,1 Prozent eine geringere monatliche Belastung gesehen. Für
81,3 Prozent ist ein Fremdwährungskredit eindeutig kein Ersatz für
nicht leistbare Eurokredite. Einen Wegfall der Fremdwährungskredite
sehen 84,4 Prozent der Finanzdienstleister als klaren Vorteil für die
Banken: Sie sind überzeugt, dass die österreichischen Kreditinstitute
diese Situation zur Erhöhung ihrer Zinsspanne nutzen würden.

Die derzeit gedämpfte Kreditnachfrage sehen 78,6 Prozent als Folge
der FMA-Empfehlung zur beschränkten Vergabe von
Fremdwährungskrediten. Generell befürchten die Finanzdienstleister
dadurch einen Rückgang ihrer Fremdwährungskredit-Geschäfte im Jahr
2010 um 68,6 Prozent.

Cocca: Verbot ist ungerechtfertigt

"Eine strenge Regulierung und Kontrolle des Managements
hinsichtlich des Währungs-, Zins- und Tilgungsträgerrisikos ist einem
- als ungerechtfertigt einzustufenden - Verbot der Vergabe von
Fremdwährungskrediten an Private eindeutig vorzuziehen", hebt Cocca
in seiner Studie hervor.

Finanzdienstleister stehen angemessen strengen Vergabekriterien
positiv gegenüber

Rund die Hälfte der Befragten begrüßt den Ansatz der FMA,
Fremdwährungskredite als Spezialprodukt mit strengen Auflagen zu
versehen. "Die Finanzdienstleister sind sich ihrer
Beratungsverantwortung bei der Fremdwährungsfinanzierung bewusst und
zur Erfüllung angemessen strenger Vorschriften bereit. Es entsteht
allerdings der Eindruck, dass die Regulierungsmaßnahmen der FMA
darauf abzielen, die Vergabe von Fremdwährungskrediten zum Erliegen
zu bringen!", betont Wolfgang K. Göltl, Obmann des Fachverbands
Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Österreich. "Dies könnte
zur Folge haben, dass sich Konsumenten gezwungen sehen, für die
Fremdwährungsfinanzierung einen Berater im Ausland in Anspruch zu
nehmen. Es ist zu bezweifeln, dass dies im Sinne des
Konsumentenschutzes ist", gibt Göltl zu bedenken.

Dass Finanzdienstleister sensibel mit der
Fremdwährungsfinanzierung umgehen, zeigt die Tatsache, dass 85,9
Prozent bei Fremdwährungskrediten eindeutig einen höheren
Beratungsbedarf als bei Euro-Krediten sehen. 95,8 Prozent sind
überzeugt, dass die von ihnen betreuten Kunden aufgrund ihrer
Aufklärung die produktspezifischen Risiken auch gänzlich verstanden
haben.

Fachverband setzt Maßnahmen zur Verbesserung der FWK-Situation

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 13.1.2010 gab Göltl zu
verstehen, dass er das "de facto-Verbot" der FMA im Sinne zukünftiger
Fremdwährungskredit-Kunden weiter bekämpfen werde. Als nächste
Schritte plant der Fachverband verpflichtende, berufsbegleitende
Weiterbildungsmöglichkeiten für die Gewerbliche Vermögensberatung zu
evaluieren sowie einen Arbeitskreis ins Leben zu rufen, der die Vor-
und Nachteile der Fremdwährungsfinanzierung in der Branche sachlich
und objektiv diskutiert.

Göltl plädiert zudem für gesetzlich verankerte strenge
Aufklärungspflichten für Fremdwährungskredite und
Tilgungsträgerkredite. Gewerblichen Vermögensberatern empfiehlt er,
ihre Unabhängigkeit und Kundennähe durch objektive Risikobewertung
und persönlichen Einsatz zu stärken. Freiwillige
Weiterbildungsmaßnahmen und eine gut dokumentierte sowie archivierte
Beratung sieht er als Teil davon. "Eines ist jedoch festzuhalten:
Bereits jetzt wird durch die Befähigungsverordnung eine hohe Qualität
der Beratung gewährleistet", betont Göltl.

Fremdwährungskredit in Österreich weiterhin beliebte
Finanzierungsform

Der klassische Fremdwährungskredit-Kunde ist zwischen 30 und 39
Jahre alt, wohnt in urbaner Umgebung und besitzt gute
finanztechnische Bildung. Die beliebteste Währung bei
Fremdwährungskrediten ist mit einem Anteil von 94 Prozent der
Schweizer Franken, gefolgt vom japanischen Yen mit 5 Prozent. Im
Dritten Quartal 2009 machte das Volumen der privaten
Fremdwährungskredite - trotz stagnierender Neuvergabe und Maßnahmen
der FMA - immer noch 35,9 Milliarden Euro bzw. 29,4 Prozent aller
Privatkredite aus. "Die beachtliche Höhe des bestehenden
Fremdwährungskreditvolumens lässt den Schluss zu, dass die
Kreditnehmer mit der Fremdwährungsfinanzierung durchaus zufrieden
sind", kommentiert Göltl die aktuelle Entwicklung.

Gewerbliche Vermögensberatung: 1,6 Mio. Kunden in Österreich

Gewerbliche Vermögensberater, die im Rahmen ihrer Tätigkeit zur
Vermittlung von Fremdwährungskredit berechtigt sind, arbeiten zu 92
Prozent hauptberuflich in diesem Gewerbe. Die österreichweit 5.400
Gewerblichen Vermögensberater betreuen insgesamt über 1,6 Mio.
Kunden. (AC/JR)

Rückfragehinweis:

Wirtschaftskammer Österreich 
   Fachverband Finanzdienstleister
   Mag. Philipp H. Bohrn
   Tel.: 05 90 900-4818
   E-Mail: [email protected]
   Internet: http://wko.at/finanzdienstleister

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/240

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel